Zwischen den Stühlen

Screenshot vom 12.04.2016

Screenshot vom 12.04.2016

Von Volker Seifert

Am 11.04.2016 wurde auf der Plattform outfox-world.de ein Beitrag unter dem Pseudonym Franziskus Cebulon veröffentlich. In dem Artikel „Rohe-Rücktritt: Symptom für Probleme der Rüdemänner„ (den Sie hier nachlesen können) nahm der Autor Stellung zu dem Rücktritt von Werner Rohe als Vorsitzender der Jagdkynologischen Vereinigung NRW und diagnostizierte darin ein Zeichen für grundsätzliche Schwierigkeiten im Jagdgebrauchshundewesen.

M.E. Kann dieser Beitrag nicht unwidersprochen bleiben da er einige falsche Annahmen vorraussetzt und dadurch unweigerlich zu falschen Schlüssen führt.

Herr Rohe war in NRW in Personalunion Vorsitzender der JKV NRW und ist Obmann für das Jagdgebrauchshundewesen im LJV NRW. Im Zuge der Reform des LJG NRW und der darin verbotenen Ausbildung an der verübergehend flugunfähig gemachten Ente (sog. Müller-Ente), sprach sich Herr Rohe mehrfach für die Akzeptierung der Arbeit an der noch erlaubten Form der lebenden Ente (sog. Schleswig-Holstein-Ente) aus. In seiner Funktion als Obmann innerhalb des LJV NRW eine durchaus nachvollziehbare Haltung. Gehört es doch zu den bekannten Gepflogenheiten des LJV-Präsidiums sachlich gerechtfertigte Positionen kampflos aufzugeben wenn der politische oder gesellschaftliche Druck zu groß wird. Und das dann noch als großen Erfolg verkaufen zu wollen. Legendär die erste offizelle Stellungsnahme des LJV-NRW nach Verabschiedung des LJG „Die Jagd wird nicht abgeschafft“.

Mit der Befürwortung der Einschränkungen bei der Arbeit an der lebenden Ente in der Funktion als Vorsitzender der JKV-NRW verhielt es sich dann aber nicht so einfach. Die Jagdkynologischen Vereinigungen sind nämlich freiwillige Vereinigungen der Prüfungs- und Zuchtvereine eines Bundeslandes innerhalb des JGHV. Die offizielle Bezeichnung der JKV-NRW ist auch „Jagdkynologische Landesvereinigung NRW im Jagdgebrauchshundverband“. Rohes Position stand somit konträr zu der des JGHV, dessen Gremien bisher keinen Zweifel daran ließen, das nur die Arbeit an der Müller-Ente gewährleistet, das brauchbare Hunde zu Wasserjagd und im weiteren dann zur Zucht zur Verfügung gestellt werden können.

Die Vertreter des JGHV und Teile der Mitgliedsvereine der JKV-NRW machten Herrn Rohe mehrfach darauf aufmerksam, das er sich mit seinem Verhalten über Beschlüsse des JGHV hinwegsetzt und gegen die „Geschäftsordnung für Jagdkynologisches Landesvereinigungen“ verstösst. Dort heisst es u.a in Punkt 4 f. Beschlüsse (…) bedürfen bei Außenwirkung der Zustimmung des Präsidiums des JGHV“.

Einer Auseinandersetzung mit dieser Kritik stelle sich Herr Rohe jedoch nicht. Seine Positionierung in dieser Frage stand somit nicht nur im krassen Gegensatz zu der Position des JGHV – was alleine ausreicht um ihn als landesvertreter des JGHV untertragbar erscheinen zu lassen – sondern sein harsches Abwiegeln aller Kritik ließ unweigerlich bei Teilen der Mitgliedsvereine der JKV-NRW Zweifel aufkommen an seiner personellen Besetzung und Amtsführung. Und dies nicht nur bei dem Streitthema „lebende Ente“. Seit Jahren steht die Amtsführung Rohes als Vorsitzender der JKV-NRW in der Kritik, als Stichworte seien hier nur die als mangelhaft angesehene Koordination zwischen JGHV, JKV-NRW, den Mitgleidvereinen und des LJV-NRW und die nichtexistente Öffentlichkeitsarbeit der JKV-NRW genannt.

Orakelhaft in dem Artikel ist auch eine Andeutung über „undemokratisches Verhalten“, ich fürchte hier liegt beim Autor eine Verwechslung von demokratischem Verhalten und Duckmäusertum vor. Ich bin als Demokrat nicht verpflichten sachlich falsche Gesetze als gottgegeben hinzunehmen. Es ist vielmehr Pflicht eines aufgeklärten Demokraten auf Fehlentwicklungen aufmerksam zu machen und sie nicht auch noch gutheißen zu wollen.

Nebenbei läßt Franziskus Cebulon kritisch anklingen, das der JGHV von den Prüfungs- und Zuchtvereinen des Vorstehhundlagers dominiert wird, ein Vorwurf der nicht neu ist aber durch ständiges Wiederholen nicht richtiger wird. Dem möchte ich zwei Gesichtspunkte entgegnen. 1. Überwiegend arbeiten die Prüfungs- und Zuchtvereine von Vorstehhunden an der lebenden Ente und so ist es nicht verwunderlich, das diese sich besonders für den Erhalt einer notwendigen Arbeits- und Prüfungsmethode einsetzen. 2. Innerhalb des JGHV bilden die Mitglieder des „Vorstehhundlagers“ die mit Abstand größte Gruppe und das ist alleine dem Umstand geschuldet, das die meisten in Deutschland geführten Jagdhunde Vorstehhunde sind.

In einem Punkt möchte ich aber Herrn Cebulon jedoch zustimmen: „Der Versuch, den Jagdgebrauchshundverband (JGHV) mit dem LJV NRW durch die Bündelung beider Ämter in einer Person zu verzahnen, muss aber als endgültig gescheitert gelten.“ Nur sehe ich das nicht mit einem weinenden Auge, vielmehr erschien dieser Versuch von Anfang an mit Bedenklichkeiten versehen. Wenn zu den Aufgaben eines Vorsitzendes einer Jagdkynologischen Vereinigung, die Beratung des Obmanns für das Jagdhundeswesen innerhalb eines Landesjagdverbandes gehört und beide eine Personalunion bilden, kann diese Beratung ja nur ein Selbstgespräch sein.

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2 Gedanken zu „Zwischen den Stühlen

  1. Joachim Orbach

    Ein guter Artikel von Volker Seifert. Ich frage mich allerdings was Franziskus Cebulon mit seinem Artikel auf http://www.outfox-world.de noch bezwecken will? Wenn es um das Thema „Lebende Ente“ geht, kann man den Artikel von Ch. Frucht „Genauer hinschauen -ohne Vorurteile bewerten“ (www.jghv.de) als besonders lobenswert hervorheben und nicht das Geschwätz von Herrn Rohe. Zur tierschutzgerechten Bejagung von Enten und Gänsen brauchen wir entsprechend ausgebildete und geprüfte Jagdhunde (ob nun Vorstehhunde, Apportierhunde oder Stöberhunde). Die JKV-NRW hat nun einen neuen Vorstand, der wohl hoffentlich zukünftig eine bessere Arbeit leistet.

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