Wer vertritt die Interessen des Jagdgebrauchshundwesens?

Von Tobias Paulsen

Tobias Paulsen

Tobias Paulsen

Als ich den jüngsten Rheinisch-Westfälischen Jäger las, traute ich meiner Wahrnehmung nicht. Ich las noch einmal und noch einmal, aber das Bild wollte nicht weichen. Auf neun Seiten dieser LJV-Verbandszeitschrift klagte der Landesjagdverband über die Absicht der Regierung, die Kirrmengen zu halbieren, Fütterungen außerhalb der Notzeit zu verbieten, bleifreie Munition vorzuschreiben usw. usw. Neun Seiten lang! Dann zählte ich nach: Ganze drei Zeilen war das Jagdgebrauchshundwesen dem LJV wert. Drei Zeilen!

Und gerade für das Jagdgebrauchshundwesen und damit den Tierschutz geht es um sehr viel.
Künftig sollen die Hunde nur noch an gesunden Enten üben dürfen. Toll, dann werden Sie wohl lernen, in der Nachbarschaft des Landtags am Rhein die gesunden Enten zu jagen. Künftig soll es keine Baujagd mehr geben. Und eine Duftspur soll den Schliefenfuchs ersetzen.
Seit drei Jahren wird über das neue Jagdgesetz in NRW diskutiert. Wer vertritt dabei die Interessen des Jagdgebrauchshundwesens? Der LJV? Die Jagdkynologische Arbeitsgemeinschaft? Der JGHV? Niemand?
Wer den jüngsten Rheinisch-Westfälischen Jäger gelesen hat, neigt zur Antwort Niemand.
In der jetzt folgenden Anhörung der Verbände zum Gesetzentwurf wird die Jagdkynologische Vereinigung ebenso wenig gehört wie der JGHV. Und dem LJV, der gehört wird, ist das Jagdgebauchshundwesen drei Zeilen wert. Unglaublich!

Hintergrund dieser Situation ist der Alleinstellungsanspruch des Landesjagdverbandes. Neben ihm sollst Du als Jäger keine fremden Götter haben. Er lässt nicht zu, dass beispielsweise eine selbstständige Jagdkynologische Arbeitsgemeinschaft mit einer irgendwann vielleicht auch einmal wirkungsvollen personellen Spitze eigene Ansprüche geltend macht. Das kann der Landesjagdverband ja auch. Aber dann hat er gefälligst auch die Interessen des Jagdgebrauchshundwesens wirkungsvoll zu vertreten. Doch dies findet nicht statt.

Kirrmengen sind es, die die LJV-Spitze umtreiben. Ich nenne das Klientelpolitik, weil hier ausschließlich den Revierpächtern das Wort geredet wird.

Wenn wir über das Hundewesen sprechen, dann sprechen wir über Tierschutz. In Nordrhein-Westfalen geht dieser Tierschutz gerade vor die Hunde, im wahrsten Sinne des Wortes.

Erstveröffentlichung: Hund & Jagd

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2 Gedanken zu „Wer vertritt die Interessen des Jagdgebrauchshundwesens?

  1. Frank Martini

    Hallo Tobias,

    auch ich beobachte das mit Sorge und gebe Dir Recht. Das Problem: Der JGHV begreift sich zu Recht als Bundesverband, verweist auf die JKVen, die aber bundesweit personell höchst ungleichmäßig und meist nicht so stark aufgestellt sind – hier in NRW fällt mir nur der sehr krekele Werner Rohe ein. Der ist nach meiner Kenntnis zwar auch Landeshundeobmann – aber damit im LJV nur einer von vielen Obleuten.

    Und die JGVen und Zuchtvereine verlassen sich natürlich auf Ihre Dachverbände und den JGHV – womit sich auf der Landesebene letztlich niemand wirklich so richtig gefordert fühlt und alles beim LJV bleibt, der leider andere Themen zu stark im Fokus hat, so dass die Rüdeleute auf der Strecke zu bleiben drohen. Mithin ein strukturelles Problem innerhalb der Landeskynoszene.

    Beispiel: Ein besorgter JGHV-Richter schreibt an den kommissarischen Öffentlichkeitsarbeiter mit dem Ansinnen, ob man nicht mehr Publicity für die Hundeanliegen herstellen könne und müsse, indem man Leute mobilisiert. Bspw. der JGHV übers Netz und den Jagdgebrauchshund. Der Öfa-Kom-Mann weist in seiner Antwort das Anliegen zurück – mit obiger Begründung. Es ist ein Kreuz!

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  2. Joachim Orbach

    Was können wir noch tun? In Zusammenhang mit dieser Frage möchte ich auf eine Pressemeldung des DJV vom 01.10.2014 „Zeitgemäße Jagd“ hinweisen. Insbesondere wenn es u.a. um das Jagdgebrauchshundwesen – wie z.B. in NRW- geht, erwarten sicherlich viele Jäger u. Hundeführer entsprechende Anregungen vom LJV NRW und der JKV NRW. Wenn es um die Lebende Ente, Baujagd und Schliefanlagen geht, ist es aber allerdindings meiner Meinung nach auch wichtig, möglichst mit einer Stimme zu sprechen.

    So sagte u.a. bereits schon in der DJV – Pressemeldung der DJV-Pressesprecher Torsten Reinwald: „Es sind alle Jäger gefordert, sich einzumischen, ob mit Leserbrief, Facebook-Eintrag oder Tweet. Es gelte Flagge zu zeigen und den Gegnern nicht die Deutungshoheit zu überlassen – sachlich und fundiert“. Hierzu möchte ich noch auf die Berichte „NEUE MEDIEN NUTZEN!“ und „Potenziale nutzen!“ auf http://www.jagdwissen.net hinweisen. Allerdings gilt es aber u.a. auch noch, andere Wege im Rahmen der Presse – und Öffenlichkeitsarbeit zu gehen.

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