Welpen- und Früherziehungskurse der JGHV-Mitgliedsvereine nutzen!

Von Joachim Orbach

Welpenkurs des JGV Olpe Foto: Joachim Orbach

Welpenkurs des JGV Olpe
Foto: Joachim Orbach

Die meisten der Mitgliedsvereine im Jagdgebrauchshundverband ( JGHV ) als Dachverband des deutschen Jagdhundewesens bieten Welpen- und Früherziehungskurse und spätere Ausbildungslehrgänge an. Man kann daher nur jedem Jäger – bei Anschaffung eines Jagdhundes – empfehlen, sich rechtzeitig zu informieren. Viele spätere Problemfälle entstehen in der Regel erst dann, wenn bereits ab dem Welpenalter bestimmte Dinge nicht richtig genutzt bzw. angewendet werden.

Erkenntnisse der Verhaltensforschung nutzen
Optimale Erbanlagen des Hundes sind keine Garantie für die im Jagdgebrauch so  notwendige Wesensfestigkeit. Der Hund ist von Natur aus ein Lernwesen. Mit seiner Geburt ist keinesfalls auch schon sein späteres Verhalten festgelegt. Durch sein Erbgut ist lediglich der Rahmen für die Entwicklungsfähigkeit künftiger Verhaltensweisen vorgegeben. Dieser Rahmen wird bereits im frühen Welpenalter innerhalb einer sehr kurzen Zeit, der sogenannten Prägungsphase, durch unzählige Erfahrungen ausgefüllt. Durch die in diesem Zeitraum gemachten Erfahrungen wird das Verhalten des Hundes in seinen Grundzügen unverrückbar festgelegt. Ein Teil der Erfahrungen ergibt sich aus den Welpen umgebenden Umwelt. Der größere Teil an Erfahrungen kann dadurch zustande kommen, dass der Welpe erblich mit einem ausgeprägten Neugier-, Erkundungs- und Spieltrieb ausgestattet ist. Daraus folgt, dass diese Triebe frei und ungehemmt ihre Erfüllung finden müssen.

Besonders im Spielen, sei es mit Artgenossen oder dem Menschen, liegen unendlich viele Elemente des Lernens und der Persönlichkeitsentwicklung. Der entscheidende Zeitraum, in welchem das Verhalten, also das Wesen des Hundes geprägt wird , erstreckt sich etwa von der 4. bis 16. Lebenswoche. Insbesondere ist auch der Züchter dabei besonders in die Verantwortung genommen, seine Welpen allgemein auf Mensch und Umwelt zu prägen und ihnen dabei den Neugier- und Erkundungstrieb möglichst oft außerhalb des Zwingers zu erfüllen. Der später in der Verantwortung stehende Welpenkäufer und Führer muss selbstverständlich über den Rahmen des angebotenen Welpenkurs hinaus die begrenzte Zeit der Prägbarkeit und Sozialisierung abwechslungsreich nutzen. Die beabsichtigte Prägung muss dabei immer mit dem allgemeinen Entwicklungsfortschritt des Welpen einhergehen. Auch hier darf niemals der zweite Schritt vor dem ersten getan werden. “Spiel heißt beständiger Wechsel des Tun und nicht stures Drillen von Einzelhandlungen!“ ( Der Welpe darf noch nicht überfordert werden )

Allgemeinverhalten
* Spielen mit dem Führer in der Welpengruppe an immer wieder wechselnden Plätzen wie beispielsweise auf der freien Wiese, am Waldrand, im Wald, an einem Graben, in einer Pfütze, am oder im seichtem Wasser usw. Um eine möglichst große Situationsvielfalt zu erlangen , sind die unterschiedliche Bewuchsformen wie auch die durch Tageszeit und Bewuchs ( Wiese, Dickung, Hochwald ) bedingten Lichtverhältnisse wechselnd einzubeziehen.
Dabei sollten unterschiedliche Geräuschkulissen berücksichtigt oder hilfsweise dosiert, z.B. Radio, Blechbüchsen, Fahrzeuge, Jagdhorn, usw. arrangiert werden.

* Kontrolliertes- Gruppenspiel der Welpen des Welpenkurs untereinander.

* Wechselndes Spielen mit immer wieder anderen Menschen durch Austausch der beteiligten Führer untereinander und evtl. auch einmal mit einem verträglichen Althund .

Foto: Joachim Orbach

Foto: Joachim Orbach

* Schrittweise Gewöhnung an stärkere optische und akustische Reize, z.B. durch ein schnell entfalltetes Tuch, Aneinanderschlagen von Blechdeckeln, Autohupe, Schreckschusspistole usw. Zunächst sollten diese Reize bei laufenden Spielaktionen eingestreut werden, später aber für sich als überraschende Aktion gebracht werden.

* Gemeinsames Füttern der Welpen unter Berücksichtigung der Gleichaltrigkeit und Größe in der Gruppenzusammensetzung nach Abschluss der anfänglich geringeren, später etwas ausgedehnten Spielzeit.

Jagdverhalten

*Spielerische Nachlauf-Übungen mit dem einzelnen Welpen an der Reizangel, dabei Feststellung und Förderung der Vorstehanlage ( bei Vorstehhunden ).

* Lustbetonte Beutefangspiele an der Reizangel, die später als Variation in seichtes Wasser übergeleitet werden. Oder Fangspiele für spätere Bauhunde an einem kurzen und freien Wegdurchlass oder an einer Röhre von einem entsprechenden Durchmesser.

* Beutefangspiele mit geeigneten Futterstücken an der Reizangel zur Herausforderung und Kanalisierung des Agressionstriebes.

* Beutekampfspiele zwischen Welpen und Führer unter Verwendung von Spielgerät und Attrappen als Beuteersatz.

* Spielerisches Wecken und Fördern des Fährtenwillens durch Variationen von Futterschleppen, die durch ihre Einfachheit in jedem Falle immer zu einem Erfolgserlebnis führen.

* Abgrenzung der Handlungsfreiheit des einzelnen Welpen und Forderung der Autoritätsanerkennung gegenüber dem Führer durch art- und augenblickgerechtes Eingreifen des Führers in die jeweiligen Handlungsabläufe, z.B. durch spontanen Spielabbruch und artgerechte Disziplinierung .

Drahthaarwelpen Foto: Joachim Orbach

Drahthaarwelpen
Foto: Joachim Orbach

* Weckung und Förderung des allgemeinen Interesse sowie der Geruchsempfindungen an dem im Jagdbetrieb vorkommenden Wild durch die Möglichkeit, sich mit erlegtem Wild befassen zu können.
Mögliche Tollwutträger sind selbstverständlich auszuschließen.

* Parallel zu den Spielphasen beginnt man in der Sozialisierungsphase auch behutsam aber konsequent Schrittweise mit der Erziehung und Ausbildung sowie Förderung zur Führerbindung.
Anfänglich ist es zu empfehlen, den Kurs mit einem Einführungsvortrag zu beginnen. Die ersten Kurstage mit den Welpen sollte man – falls die Möglichkeit gegeben ist – auf einem eingezäunten Gelände beginnen.

Fazit:
Bekanntlich führen viele Wege nach Rom und so soll dieser Artikel den Lehrgangsleitern und Hundeführer vielleicht die eine oder andere Hilfe geben. Ein jeder mag daher nach eigenen Erfahrungen das eine zu eigen machen oder das andere lassen. Allerdings dürfte der Welpenkurs für Jagdhunde ( mit anschließenden Hausaufgaben ) gegenüber dem Eintagesangebot des Welpenspieltages bevorzugt als empfehlenswert zu betrachten sein. Hierzu haben erwiesene wissenschaftliche Erkenntnisse (insbesondere von Eberhard Trumler und Heinz Weidt) zu beigetragen.

Nach 10-11 Monaten sollte die Erziehung des Welpen bzw. Jundhundes abgeschlossen sein und man kann mit der eigentlichen Abrichtung des Jagdhundes beginnen.
Hierzu ist die Teilnahme an den angeboten Ausbildungslehrgängen der JGHV – Mitgliedsvereine zu empfehlen.

Buchtipp:

Weitere Informationen:
Joachim Orbach: “Entwicklungsphasen unserer Jagdhunde richtig nutzen.“
Joachim Orbach: “Begriffe der Kynologie und Jagdkynologie.“

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