Was erklärt der Begriff >Waidgerecht<?

Die Kunst des Jagens

Waidgerecht wäre somit im ersten Ansatz als die kunstgemäße Ausübung der Jagd zu verstehen. Jagen nach allen Regeln der Kunst.

Aber was ist das Ziel der Jagd, wann ist die Jagd beendet und somit die Tätigkeit abgeschlossen? Das Ziel der Jagd ist die Erlangung von verwertbarer Beute, von wildlebenden Tieren, sei es als Nahrung, Kleidung und/oder Trophäe oder als regulativ für die Wildbestände. Die jagdliche Handlung zergliedert sich weiter in Mittel zur Zielverwirklichung. Diese Mittel sind zu bewerten hinsichtlich ihrer Qualität, ihrer Zweckdienlichkeit. Wobei jedoch der Zweck nicht die Mittel heiligt. So ist beispielsweise der Kirrungsmissbrauch (und da sind selbst die gesetzlichen Vorgaben schon grenzwertig) oder der Einsatz von Nachtzielgeräten bzw. künstlichen Lichtquellen kein kunstgerechtes Jagen mehr. Das eine grenzt an Nutztierhaltung und das andere lässt den Jagddruck zu jeder Tages- und Nachtzeit zu.

Die jagdlichen Handlungen müssen bei der Wahl der verwendeten Mittel auf normative Vorgaben Rücksicht nehmen, z.B. muss die Jagd den Anforderungen des Tierschutzes entsprechen. D. h. dem Tier sind unnötige körperlichen Qualen und unnötiger Stress zu ersparen. Daraus kann man beispielsweise ableiten, dass Elterntiere zu schonen sind. Zu demselben Ergebnis kommt aber auch die Betrachtung, dass die Schonung der Elterntiere Bedingung einer nachhaltigen Bewirtschaftung der Wildbestände darstellt.

Wenn es überhaupt Sinn machen soll, dem Begriff der Waidgerechtigkeit eine über die handwerkliche Fähigkeit hinausgehende normative Bedeutung zuzuschreiben, so kann dies nur gelingen, wenn Waidgerechtigkeit verstanden wird als Gebot zur Einhaltung rechtlicher und gebotsmäßiger d.h. zweckdienlicher Bestimmungen. Und als Haltung äußert sie sich, indem ich diese Regelungen befolge, nicht aus Angst vor drohender Sanktion sondern aus Überzeugung. Selbstverständlich ist man dennoch verpflichtet, Regelungen zu hinterfragen und ggf. ihre Änderung zu betreiben aber sie nicht zu umgehen.

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