Was erklärt der Begriff >Waidgerecht<?

Kunstfertigkeit und der Umgang mit der Tradition

Waidgerecht scheint somit bestimmbar als eine qualitative Aussage über die Fertigkeiten, die der Jagd dienen. >Gerecht< ist, wenn man sein Handwerk versteht und >waidgerecht< ist, wenn man die Kunst des Jagens beherrscht.

Die Aneignung einer Kunstfertigkeit geschieht durch Zeigen – als Vorbild – und eigener Übung. Wobei >Übung< heute didaktisch verkürzt verstanden wird. Ursprünglich bedeutete >Übung< neben dem Erlernen auch und wahrscheinlich vor allen Dingen das reine Ausüben. Daran erinnern z.B. musikalische Werke, die im Titel zwar als Übung bezeichnet werden, deren Schwierigkeitsgrad aber über jedes Anfängerstadium hinausreichen.

Gerechtes Handeln liegt dann vor, wenn wir die richtigen Mittel zur Erreichung unseres Handelungszieles – das Um-Willen der Handlung – verwenden. Es ist somit die Anwendung von Wissen.

Sicherlich romantisch aber ob diese Leiter den Unfallverhütungsvorschriften entspricht ist fraglich

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Einer Situation gerecht zu werden geht die Wahrnehmung der objektiven Gesamtwirklichkeit voraus. Tradierte Handlungsanweisungen beziehen ihre Geltung daraus, dass sie sich aus Erfahrungen früherer Generationen entwickelt haben. Das bedeutet, dass auch in der Pflege der Traditionen, Erkenntnisse den Maßstab darstellen. Tradierte Handlungsschemata stellten nie einen Selbstzweck dar. Traditionen sind nicht vom Himmel gefallen und beanspruchen keine absolute Gültigkeit, sondern stellen praktische Anweisungen, bewährte Verfahren bereit. Veränderte Bedingungen (z.B. der Erkenntnisse über die Natur, der gesellschaftlichen Konventionen, der Gesetze) oder veränderte Wahrnehmung der objektiven Wirklichkeit (z.B. durch Forschung oder Technik) können eine Anpassung oder gar Verwerfung der Traditionen notwendig machen, da ihre Befolgung der nun erkannten Wirklichkeit nicht mehr gerecht wird. Erkenntnis und Interpretation ist immer zeitbezogen. In den Wissenschaften wird dies berücksichtigt, indem man den z. Z. gültigen Erkenntnissen nur einen hypothetischen Wahrheitswert einräumt. Der Prüfstein für die Waidgerechtigkeit ist nicht der normgerechte sondern der sachgerechte Umgang mit den konkret sachlichen Gegebenheiten. Waidgerecht ist es nicht, Normen zu erfüllen, sondern der Wirklichkeit gerecht werden.

Die Tradition, das Übernommene stellt dabei nur die Ausgangslage, die angenommenen bzw. eingesehenen Orientierungen dar. Sie stellen immer das Selbst- bzw. Naturverständnis ihrer Begründer dar. Sie sind der Anfang und nicht das abschließende Wort. Der Umgang mit Traditionen hat sich an den aktuellen Gegebenheiten der Wirklichkeit zu orientieren, er ist nicht statisch sondern prozeßhaft d.h. geschichtlich zu verstehen.

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