Wald, Wild und Waldbetriebsarten

 Von Joachim Orbach

Foto: Joachim orbach

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Das Jahr 2011 war das „Internationale Jahr der Wälder“. Für Joachim Orbach aus Waldbröl Grund genug, sich auch Thema Wald, Wild und Waldbetriebsarten zu widmen.

Bei allen Diskussionen um den Wald sollte man zunächst einmal die Worte aus der 9.  Auflage „Das Rehwild“ von Ferdinand von Raesfeld, A. H. Neuhaus und Dr. K. Schaich bedenken: „Wir wurden aber auch – selbst bei sehr kritischer Betrachtung – in unserer Auffassung bestärkt, das die Forderung „um unseren schönen Wald zu retten, neun von zehn Rehen abzuschießen,“ bösartiger Unsinn ist und schlecht in die bewegten Klagen über die Ausrottung von Wildarten in der Vergangenheit passt.“

Naturnaher Waldbau

Bedenken wir, in unseren gewachsenen Kulturlandschaft – die wir allerdings auch nicht in die Landschaft von Alaska umwandeln können – werden nach der Meinung einer Reihe von Fachleuten in der Forstwirtschaft oftmals die Ausweisung von Ruhezonen und  Äsungsflächen (einschließlich „Verbisshölzer“ wie zum Beispiel Aspe und Weide) im
Wald nicht genügend berücksichtigt. Aus tierschutzrechtlicher Sicht und aus ethischer Verpflichtung des Menschen gegenüber unserem Wild dürfte aber dies unabdingbar sein. Nur wer dieses alles im Waldbau zu genüge Berücksichtig hat meiner Meinung nach das Recht – auch gegenüber den nachfolgenden Generationen – von einem naturnahen Waldbau zu sprechen. Es müssen daher genügend Flächen für Ruhezonen und Wildäsungsflächen mit entsprechendem Kräuterangebot und angelegten Weichhölzer als Verbisshölzer bereitgestellt werden. Denn mit reichem Nahrungsangebot ist es möglich, angemessene wiederkäuende Schalenwildbestände zu bewahren, ohne jedes Stück Schalenwild (in der heutigen Zeit oft auch als verhetzter Knospenfresser bezeichnet), das einem über den Weg läuft, gleich zu erlegen. Oder hätte ich schreiben sollen wie Schädlinge zu vernichten? Für diese Vorgehensweise dürfte sicherlich auch die breite Öffentlichkeit keinerlei Verständnis haben.

In diesem Zusammenhang stellt sich denn auch die Frage, ob Subventionen – auch vom Bürger gezahlten Steuergeldern – immer richtig eingesetzt werden? Die beste Wildschadensverhütung ist daher auch nach der Meinung von einer Reihe von Fachleuten eine Äsungsverbesserung im Walde durch die Anlage von zerstreut liegenden Äsungsflächen sowie der Anbau beziehungsweise das Belassen von Verbiss- und Prosshölzer. Hier bietet sich auch der Niederwald mit seinen nachwachsenden Rohstoff (Brennholz, Umtriebszeit etwa alle 20 bis 30 Jahre) als eine besondere Waldbetriebsart an – besonders in der heutigen Zeit mit steigenden Energiekosten. Nicht von der Hand zuweisen sind unter anderem auch beste Lebensgrundlagen für Flora und Fauna. Leider findet aber der Niederwald in der heutigen Zeit noch zu wenig Beachtung.

Nach der 2. Bundeswaldinventur in den Jahren 2001 bis 2002 beträgt die Waldfläche etwa 11,1 Mio. ha (etwa 31 % der Staatsfläche) von dieser Fläche sollen etwa 1 % als Niederwald bewirtschaftet werden, so ist die Ausdehnung in anderen Ländern, wie etwa mit 33 % in
Frankreich weitaus höher. In manchen Gebieten Deutschlands wird die Bewirtschaftung des Niederwaldes sogar gefördert, um diese historische Waldnutzung mit stockausschlagfähigen Baumarten, wie zum Beispiel Hainbuche und Eiche und weiterer Vegetation zu erhalten. So bringt der Niederwaldwirtschaft aber auch je nach Region: Birke, Vogelkirsche, Elsbeere, Eberesche, Esche, Faulbaum, Feldahorn, Rotbuche, Traubeneiche, Zitterpappel, Weide, Haselnuss, Bergahorn, Wacholder, Holunder, Mehlbeere, Salbei-Germander, Waldziest, Weißwurz, Draht-Schmiele, Rotes Straußgras, Knoblauchsrauke, Perlgras, Scharbockskraut, Maiglöckchen, Zweiblättrige Schattenblume, Pfaffenhütchen, Brombeere, Heidelbeere, Buschwindröschen, Waldheimsimse, Besenginster, Wiesenwachtelweizen, Besenheide, Hain-Rispengras, Gemeiner Frauenfarn, Gemeiner Wurmfarn, Roter Fingerhut, Speierling, Himbeere, Waldweiden- und Bergweidenröschen hervor.

Pflanzenarten erhalten

Foto: Joachim Orbach

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Mit dem Erhalt beziehungsweise der Schaffung des Lebensraums Niederwald dürfte auch eine Verteilung des Äsungsangebot zu erreichen sein. Neben diesen Gesichtspunkten dient der Niederwald insbesondere aber auch dem Erhalt von Pflanzenarten und nichtjagdbarer Tierarten die wir aber oftmals auch im so genannten „naturnahen Wald“ – Mischwald entsprechender Altersklasse zum Beispiel von Fichten, Eichen und Buchen – vergebens
suchen. Besonders im Altersklassenwald kommt zu wenig Licht an die Gras- und Krautschichten des Waldbodens. Hier dürfte es auch an der Zeit sein, sich an den tatsächlichen Naturwäldern mit ihren Wald-Zusammenbruchformen oder Waldbrandflächen die unter anderem auch die Grundäsung für die pflanzenäsenden Wildarten liefern einmal zu orientieren.

Relikt aus früher Zeit?

Bedenken wir auch, dass einstmals die Niederwaldwirtschaft das Landschaftsbild mit prägte und die vorherrschende forstliche Betriebsart war, welche auch kaum der forstlichen Pflege bedurfte. Brennholz war gefragt, die Rinde der Eiche für die Lohgerbereien bis in die 1960er Jahre und die entrindeten Eichenstangen für die Kohlenmeiler. In der heutigen Zeit kommt der Niederwald als ein Relikt früher Zeiten wie dem nächst sicherlich auch die typisch bäuerliche Landwirtschaft nur noch selten vor. In großen Flächen fiel er dem Nutzungsdenken zum Opfer, sei es durch ökologisch äußerst bedenkliche Aufforstungen oder durch die Überführung in Hochwald. Aus der Sicht des Natur- und Landschaftsschutzes dürfte es nicht nur wünschenswert sein, sondern ist auch
dringend erforderlich die verbliebenen Niederwälder durch entsprechende
Waldarbeiten zu erhalten beziehungsweise auszuweiten. Denn die 40 bis 70-jährige Niederwaldbestände haben weder einen besonderen ökonomischen noch einen ökologischen Wert. Neben dem Erhalt dieser Wälder ist aber auch der Erhalt von bäuerlichen Betrieben (ob nun Bio dran steht oder nicht), die oftmals auch Waldbesitzer sind, zu beachten. Hier kommt der Niederwald durch den Verkauf oder durch die Eigennutzung von Brennholz als nachwachsender Rohstoff zum Tragen – insbesondere bei steigenden Kosten für Öl, Gas und Strom.

Foto: Joachim Orbach

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Fazit: Auf unser Wild, Wälder und Waldbetriebsarten sollte man daher auch breite Öffentlichkeit besonderes hinweisen. Insbesondere sollten aber auch vernünftige Wege in der Forstwirtschaft aufgezeichnet werden, wo unserem Wild noch die Lebensgrundlagen zugestanden werden. Bedenken wir aber auch stets, dass Wildtiere in unserer oftmals naturfremden Welt auch Mitgeschöpfe als ein Teil unserer Kulturlandschaft und keine Schädlinge sind. Wo Wald, Wild und Mensch in Einklang gebracht werden sollen, kann daher die Devise nur „Wald und Wild“ und nicht „Wald vor Wild“ lauten. Die verstärkte Öffentlichkeitsarbeit der Jägerschaft einschließlich aller mit Grund und Boden sowie mit der Jagd verbundener Verbände und Vereine dürfte daher auch zukünftig vordringlich angesagt
sein.

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Erstabdruck: Wald, Wild und Waldbetriebsarten. In: LZ Rheinland, Ausgabe 32/2012, S. 42-43

Mit freundlicher Genehmigung der Radaktion LZ-Rheinland.

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