Vereine und ihre Vorstände im Jagdgebrauchshundwesen

Von Joachim Orbach

Interview mit Heinrich Uhde

488px-Uhde1Wenn man generell in der heutigen Zeit über Vereine spricht, hört man oftmals das Wort Vereinsmüdigkeit. Joachim Orbach hat mit dem langjährigen JGHV Präsidenten und heutigen Ehrenpräsidenten, Heinrich Uhde ein Interview über Anforderungen und Aktivitäten, die heutzutage an Vorstände und Mitglieder eines Jagdgebrauchshundvereins gestellt und gefordert werden, geführt.

Könnte die sogenannte Vereinsmüdigkeit Ihrer Meinung nach auch zu einem Problem für das Jagdgebrauchshundwesen werden?
H. Uhde: Das generell zu beobachtende Phänomen der Vereinsmüdigkeit verdient besondere Beachtung in Bezug auf das Jagdgebrauchshundwesen, da dies nicht Selbstzweck ist, sondern einem gesetzlichen Postulat dient. Wenn die „Vereinsmüdigkeit“ zu einem Schwund von Mitgliedern und damit interessierten Jagdgebrauchshundleuten führt, sind Gefahren nicht auszuschließen, genauso, wenn ein Verein oder Verband seine Hauptaufgabe nicht mehr darin sieht, den „brauchbaren Jagdhund“ für eine waidgerechte Jagdausübung bereitzustellen, sondern zu einer davon losgelösten Spielwiese wird. Daraus können sich Gefahren für das Jagdgebrauchshundwesen ergeben.

Was erwarten die Mitglieder als Jäger Ihrer Meinung nach in der heutigen Zeit von einem Jagdgebrauchshundverein oder von einem Zuchtverein der jagdliche Lehrgänge und Prüfungen ausrichtet?
H. Uhde: Je nach Lebensalter und Erfahrung im Jagdgebrauchshundwesen erwarten Jäger von Jagdgebrauchshundevereinen Anleitung und Begleitung bei der Ausbildung ihrer Hunde. Sie erwarten zum Teil die Möglichkeit eines Einstiegs in jagdliche Betätigungen, sie erwarten eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung mit der Möglichkeit, Bekanntschaften oder Freundschaften anzuknüpfen und sie sehen z. T. die Möglichkeit eines gesellschaftlichen Engagements.

Was für Aktivitäten ( Prüfungen usw. ) sollte ein Jagdgebrauchshundverein Ihrer Meinung nach grundsätzlich im Jahresprogramm anbieten?
H. Uhde: Zu den „Pflichtaktivitäten“ eines jagdkynologischen Vereins gehören Prüfungen, wobei sich deren Art und Umfang nach dem Aufgabengebiet des Vereins richten und auch Rücksicht nehmen muss auf die zur Verfügung stehenden Reviere. Zuchtvereine werden die für ihre Rasse wesentlichen Zuchtprüfungen abhalten, Jagdgebrauchshundvereine möglichst VJP,HZP und VGP und auch VPS, bei Stöberprüfungen und insbesondere Schweißprüfungen ist Zurückhaltung geboten. Hier kommt es in besonderem Maße auf die Reviere, auf Tradition und Bedarf an. Neben den Prüfungen sollte der Verein nie die Mitglieder aus dem Auge verlieren, die noch recht jung sind, die gerade keinen Hund führen oder der älteren Generation angehören. Es sollten Seminare abgehalten werden, möglichst auch mit anderen Vereinen, wenn irgendwie möglich, Früherziehungs – und Fortgeschrittenenlehrgänge, nicht zu vergessen auch „Familientage“ die mit Übungen verbunden werden können. Auch Jubiläen sollte man feiern und auf diese Weise den Zusammenhalt der Mitglieder fördern.

Sollte über die Aktivitäten im Rahmen des Möglichen grundsätzlich der Vorstand oder auch die Mitglieder ( Jahreshauptversammlung ) entscheiden können?
H. Uhde: Um das Interesse der Vereinsmitglieder wach zu halten oder möglicherweise wieder zu erwecken, sollten jeweils für 1 Jahr die ins Auge gefassten Aktivitäten auf einer Hauptversammlung diskutiert und auch entschieden werden. Im Rahmen der getroffenen Entscheidungen sollte dann allerdings der Vorstand die Freiheit haben, zu beschließen.

Was für Anforderungen sollte ein Verein an seine Mitglieder stellen?
H. Uhde: Mitglieder eines Vereins, der sich mit dem Jagdgebrauchshundwesen befasst, sollten möglichst Menschen sein, bei denen man sich über ihr konsequentes Engagement für die Jagdgebrauchshundsache sicher ist. Dabei denkt man möglicherweise zunächst nur an Hunde führende Jäger, unter den heutigen Verhältnissen sind jedoch gleichermaßen bedeutsam und wertvoll junge Menschen, die auf dem Wege zum Jäger und der Jagdhundeführung sind oder diejenigen, die gegenwärtig, aus was für Gründen auch immer, keinen Hund führen können. Menschen, die im Jagdhund ein modisches Accessoire oder ein Mittel zur unverbindlichen Freizeitgestaltung sehen, sollte man mit Vorsicht begegnen.

Was für Anforderungen können die Mitglieder in der heutigen Zeit an den Verein / Vorstand stellen?
H. Uhde: In der heutigen Zeit, da jagdliche und natürlich auch jagdkynologische Institutionen kritisch und mit Argusaugen beobachtet werden, müssen „Vereinsführer“ insbesondre auch sich entsprechend auszeichnen, d. h. nicht persönliches Profilierungsbedürfnis darf ausschlaggebend sein, sondern die Bewährung als Jäger, Hundeführer und „Mensch“ ( soziale Kompetenz ).

Was sollte/ kann man von einem Mitglied erwarten was sich in den Vorstand wählen lassen will?
H. Uhde: Die Bemerkungen zu den Eigenschaften, die ein Vorstandsmitglied auszeichnen müssen, umschreiben auch den Erwartungshorizont, den man von jemandem haben darf, den man in den Vorstand eines Vereins wählt.

Sollte man junge Mitglieder, die noch nicht Mitglied im Vorstand sind bereits im Vorfeld mit der Vorstandsarbeit bekannt machen?
H. Uhde: Ganz wichtig erscheint es mir, fortwährend auf „Talentsuche“ unter den Mitgliedern eines Vereins zu sein, um einmal erkannte Stärken zu fördern, damit diese sich zu ihrem eigenen Nutzen und dem Nutzen des Vereins weiterentwickeln können. Sie in diesem Zusammenhang schon mit einzelnen Aufgaben zu betreuen oder auch teilweise zu „Assistenten“ des Vorstandes werden zu lassen, sind sicherlich für alle nützlich.

Sollten Vereine ihre Vorstände ggf. erweitern um zu einer besseren Aufgabenteilung zu gelangen?
H. Uhde: Ein Verein sollte nicht den Fehler machen wie bisweilen die Politik, die Anzahl der Ministerien einfach zu erweitern, um Pfründe zu schaffen oder Erwartungen zu befriedigen. Wenn allerdings die Größe des Vereins und der Umfang der Aufgaben es erfordern, sollten Vorstände ruhig erweitert werden.

Was sollten/ können Vereine grundsätzlich zur Nachwuchsförderung tun?
H. Uhde: Wenn man unter Nachwuchsförderung auch die Förderung junger Leute begreift, die außerhalb eines Vereins dem Jagdgebrauchshundwesen zugetan sind, so sollten die Vereine versuchen Einfluss zu nehmen auf die Ausbildung der Jungjäger im Jagdgebrauchshundwesen, insbesondere außerhalb der Jagdschulen. Sie sollten versuchen zusammenzuarbeiten mit Organisationen wie „Junge Jäger“ und sollten bewusst junge Jagdhundführer ansprechen wo immer sich passende Gelegenheit dafür bietet, wie auf Messen, Versammlungen etc..

Abschließend möchte ich Sie noch um eine Schlussbemerkung bitten und mich gleichzeitig bei Ihnen für das Interview bedanken.
H. Uhde: Meine Antworten mögen vielleicht etwas idealistisch klingen und ich bin mir bewusst, dass sich nicht alles in Reinkultur verwirklichen lässt. Allerdings sollte jeder, der sich mit dem Jagdgebrauchshundwesen befasst, sich bewusst sein, dass man nur gemeinsam etwas erreicht und das geht insbesondre in Vereinen und man sich immer bewusst sein soll, dass man nicht einem Selbstzweck huldigt, sondern immer im Interesse des brauchbaren Jagdhundes für eine waidgerechte Jagdausübung wirkt.

Mit freundlicher Zustimmung der Redaktion „Der Jagdgebrauchshund“

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