Renault baut SUV-Segment aus

Von Frank Martini

Kaum noch jemand erinnert sich an den Scenic RX4 – die Premiere Renaults im SUV-Segment nach der Jahrtausendwende. Dann kam lange nichts – bis zum Koleos, dem bis vor kurzem einzigen SUV der Franzosen. Vor zwei Jahren schließlich meldeten die den Vollzug ihrer auf der IAA 2011 präsentierten Crossover-Studie Captur. Und heute gab es in Paris einen großen Tusch – Carlos Ghosn enthüllte den Renault Kadjar.

Der Auftritt des Renault-Nissan-Konzernchefs ist ein gewichtiges Ereignis. Denn dass der 1996 mit der Sanierung Nissans beauftragte Libanese mit französischem Pass und brasilianischen Wurzeln Zeit für eine Produktpräsentation in Frankreich findet, hat Seltenheitswert. Das lässt ahnen, welche Bedeutung Renaults Modellpolitik dem SUV-Segement beimisst.

So sieht's aus - das neue SUV von Renault. (Bild: Anthony Bernier, Renault)

So sieht’s aus – das neue SUV von Renault. (Bild: Anthony Bernier, Renault)

Auch, wenn zur absoluten Weltpremiere heute noch nicht viel über die technischen Details des jüngsten Renault-Modells bekannt wurde, dürfte angesichts zumindest der verlautbarten Maße klar sein, was das Publikum erwartet: 

Mit einer Länge von 4,45 Metern liegt der Kadjar um acht Zentimeter über dem Qashqai der Konzernschwester Nissan. DIe hatte das Modell zeitweilig auch in einer „+2“ genannten Variante als Siebensitzer auf dem Markt, die das Grundmodell mit 13 Zentimetern mehr Radstand in seiner Länge von 4,53 Metern übertraf. Die Größe des Renault Kadjar dürfte also ziemlich mittig zwischen den vormaligen beiden Qashqai-Versionen liegen und ist allemal merklich größer als der aktuelle Qashqai (MJ 2014). Und, auch wenn sich über Geschmack streiten lässt, gefälliger vom Design.

Sportliche Seitenlinie: der Renault Kadjar. (Bild: Renault)

Sportliche Seitenlinie: der Renault Kadjar. (Bild: Renault)

Über die Geländeeigenschaften ist noch nicht allzu viel bekannt: Die Bodenfreiheit wird mit 19 Zentimetern angegeben, die Böschungswinkel vorn mit 18° und hinten mit 25°. Auch antriebsseitig dürfte sich der Kadjar nicht von seinem Konzernbruder unterscheiden. Im 2WD-Modus wird nur die Vorderachse angetrieben, ein Auto-Modus schaltet die hinteren Räder selbsttätig zu, und der Lock-Modus schließlich koppelt den Kraftfluss auf beide Achsen starr. Unterstützt werden soll die so erreichbare maximale Vortriebssicherheit durch eine „Extended Grip“ getaufte Traktionskontrolle.

Spannend dürfte das Interieur und die Preisgestaltung werden. Bei beidem ist man von den Franzosen nichts Schlechtes gewohnt. Und nun trumpft deren neues SUV auch noch mit einer ganzen Reihe neuer Systeme bis zum Einparkassistenten sowie einem integrierten Panel auf, mit dem sich alle Kommunikationsfunktionen auch mit Sprachbefehlen steuern lassen sollen. Zusätzlich wird es eine App geben, die eine Anbindung externer Geräte erlaubt.

Blick ins Cockpit mit großem Touchscreen und Antriebswahlrad. (Bild Anthony Bernier, Renault)

Blick ins Cockpit mit großem Touchscreen und Antriebswahlrad. (Bild Anthony Bernier, Renault)

Das Thema Konnektivität wird also auch das jüngste Kompakt-SUV unserer Nachbarn auf dem Schirm haben. Viel mehr aber lässt sich momentan kaum verraten – da müssen sich unsere Leser noch bis zur Publikumspremiere im März gedulden. Und im Juni soll der neue Kadjar zu den europäischen Händlern rollen. Für diesen Zeitraum ist der Presse auch noch eine Fahrvorstellung angekündigt worden.

Bis dahin ist aber noch ein bisschen Zeit. Die wir hoffentlich nutzen können, um Versäumtes nachzuholen. Denn auch, wenn die FAZ-online schrieb, der Captur sehe aus „wie ein Geländewagen, der nie mit Gelände in Berührung kommen möchte“ – übernehmen können wir dieses Diktum mangels eigener Tests bislang nicht. Aber wir erinnern uns zumindest, dass schon der Scenic RX4 seinerzeit angenehm überraschte, sich der Koleos als würdiger Nachfolger erwies und wir ergo mit unseren „Hausaufgaben“ noch etwas hinterherhinken. Für uns also höchst nützlich, dass Carlos Ghosn sich die Zeit für den Besuch an der Seine genommen hat.

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