Öffentlichkeitsarbeit

Von Joachim Orbach

Ein Interview mit Bernd Krewer

„Man kann Misstrauen, Unverständnis, Angst oder Feindschaft
gegenüber Jagd und Jägern bei der breiten Bevölkerung nur dadurch abbauen,
dass man ihnen alles Diesbezügliche zeigt, erklärt, beweist und vormacht.“

(Oberforstmeister Walter Frevert, 1897 – 1962)

Bernd Krewer

Bernd Krewer

Bekanntlich kommen in der heutigen Zeit Parteien, Verbände, Vereine usw. kaum an der Öffentlichkeitsarbeit vorbei. Um die sinnvolle Gestaltung der Öffentlichkeitsarbeit auch dem Jagdgebrauchshundwesen näher zu bringen hat Joachim Orbach mit dem langjährigen freien Mitarbeiter der Redaktion der Jagdzeitschrift PIRSCH, Buchautor und über die Grenzen von Deutschland bekannten Jagdkynologen Bernd Krewer ein Interview geführt.

Wie wichtig ist Ihrer Meinung nach die Öffentlichkeitsarbeit für das Jagdgebrauchshundwesen?
B. K. ( Bernd Krewer ): Sie ist sehr wichtig. Es muss uns – mehr als in der Vergangenheit – gelingen, unsere Positionen vor allem der nicht jagenden Bevölkerung und den Politikern darzustellen. Wenn es uns – nur als Beispiele – nicht bald gelingt, die Notwendigkeit der Prüfung unserer Hunde an der „lebenden Ente“, am „Schliefenfuchs“, im Saugatter und auf der Hasenspur zu begründen und Mehrheiten dafür zu gewinnen, werden wir diese Prüfungsmöglichkeiten möglicherweise verlieren. Wir müssen die notwendige Verbindung
des Einsatzes geprüfter, also „brauchbarer“ Jagdhunde und einer waidgerechten, also tierschutzgerechten Jagd transparenter machen als dies bisher gelungen ist. Wenn die Politik den Einsatz „brauchbarer Jagdhunde“ per Gesetz fordert, darf sie den Weg zu diesem nicht kriminalisieren!
Welche Empfehlungen würden Sie den Zuchtvereinen und Jagdgebrauchshundvereinen zur möglichst effizienten Gestaltung der Öffentlichkeitsarbeit geben?
B. K.: „Tue Gutes und rede/schreibe darüber“! Ladet die allgemeine Presse und – wenn es  geht – auch das Fernsehe zu den Prüfungen ein. Stellt eine fachkundige Frau oder einen ebensolchen Mann den Journalisten an die Seite, die alles erklären, was abläuft und warum es so und nicht anders ablaufen muss. Es gibt im Fernsehen etliche Sendungsreihen über „Problemhunde“ und solche, die es infolge absoluter Ahnungslosigkeit der Besitzer bestimmt bald werden. Wir sollten alles daran setzen, hier einen Fuß in die Tür zu bekommen. Ein versierter, medienkompetenter Jäger würde sich gewiss gut neben den vielen Hundeflüsterern behaupten können. Auch wenn es darum ginge, zu erklären, warum die Haltung eines triebstarken Deutschen Jagdterriers, eines Deutsch Drahthaar oder eines Bayerischen Gebirgsschweißhundes in der sechsten Etage eines Münchner Hochhauses einen tierschutzrelevanteren Tatbestand darstellt als die Prüfung eines Jagdgebrauchs-
hundes an der „lebenden Ente“ a` la Müller.

 

Foto: Winfried Edelmann

Foto: Winfried Edelmann

Welche Themen würden Sie zurzeit persönlich als Schwerpunktthemen setzen?
B. K.: Ich würde die streitbewehrten, bereits oben angesprochenen Themen „lebende Ente“, „Schliefenfuchs“, „Saugatter“ und „Hasenspur“ in die allgemeine Diskussion einzubringen versuchen. Es muss einfach gelingen, ihre Notwendigkeit überzeugend darzulegen und zu begründen und auch zu belegen, dass keiner dieser Ausbildungs- und Prüfungsbereiche aus der Sicht des Tierschutzes gesetzesrelevant ist. Es sollte auch die Notwendigkeit des sachkundigen und kontrollierten Einsatz der Elektroreizgeräte noch einmal offen diskutiert werden. Es ist dies aus meiner Sicht das einzige Mittel, auf den im Gehorsam voll durchgearbeiteten Jagdhund auch auf Distanz einwirken zu können, wenn dieser ein klar verstandenes Kommando ignoriert. Das wiederum kann für den Hund lebensrettend sein –denken wir nur an den Hundeeinsatz in Autobahnnähe!
Die Bemühungen der Jagdhund-Zuchtvereine um den Erhalt der Gesundheit ihrer betreuten Rasse(n) sind per Saldo beispielhaft. Qualzuchten gibt es bei den Jagdhunderassen nicht! Auch dies sollte in angemessenem Rahmen dargestellt werden.
Welche Medien sollten Ihrer Meinung nach bevorzugt genutzt werden?
B. K.: Vor allem die allgemeine Presse! Unsere Jagdzeitungen haben nahezu ausschließlich eine „Wirkung nach innen“, wenn man auch nicht ausschließen kann, dass auch Tierschützer pp. diese lesen. Aber eben dann meist nicht, um sich fortzubilden oder neue Erkenntnisse zu gewinnen, sondern eventuell gerichtsverwertbare Tatbestände darin zu finden. Ein einziger guter Beitrag ( möglichst noch optimal bebildert ) über eine Prüfung oder
ein anderes aktuelles Thema aus dem Jagdgebrauchshundwesen in einer lokalen oder noch besser überregionalen Zeitungen erreicht ( durch die Brille der Wirkung auf die nicht jagende Öffentlichkeit ) oft mehr als ein noch so guter Artikel in einem Jagdmagazin. Das Fernsehen wäre ein Forum, in dem wir eine gewisse Präsenz unbedingt anstreben sollte. Walter Frevert und Paul Losenhausen hatten vor einem halben Jahrhundert eigene Sendereihen im öffentlich – rechtlichen Fernsehen. Man sollte zumindest versuchen, dies zu
reaktivieren.
Welche Kenntnisse sind für die Öffentlichkeitsarbeit Ihrer Meinung erforderlich?

Foto: Volker Seifert

Foto: Volker Seifert

B. K.: Der „Öffentlichkeits–Arbeiter“ eines Jagdhund-Zucht- oder Prüfungsvereins sollte neben einer „guten Schreibe“ sich nicht nur in „seiner“ Rasse bestens auskennen, sondern über möglichst umfassende Kenntnisse der wichtigsten in Deutschland geführten Jagdhundrassen verfügen. Dazu gehören deren rassespezifische jagdlichen Einsatzbereiche und das Prüfungswesen. Verbandsrichter sollte es ebenfalls sein und Grundkenntnisse in der Genetik können in diesem wichtigen Amt ebenfalls nicht schaden.
Wie wichtig ist Ihrer Meinung nach für die Öffentlichkeitsarbeit Teamwork (z.B. Jagdgebrauchshundvereine , Zuchtvereine und Kreisjägerschaften)?
B. K.: „Viele Köche verderben den Brei“ -es besteht zumindest die Gefahr, dass der Brei verdorben wird. Ein Zusammenschluss zu einem Öffentlichkeitsarbeit-Team kann m.E. in besonderen Einzelfällen sinnvoll sein, wenn es um den „Transport“ besonders wichtiger Themen in die Öffentlichkeit geht. Aber gerade dann muss sichergestellt sein, dass alle mit einer Stimme sprechen und es nicht zu einer Kakophonie ausartet!
Würden Sie den Nachwuchs in den Verbänden und Vereinen mit in die Öffentlichkeitsarbeit einbinden?
B. K: Nicht grundsätzlich, sondern allenfalls in besonderen Einzelfällen, wenn es um die Öffentlichkeitsarbeit und Wirksamkeit „nach innen“ geht. Die Darstellung „nach außen“, die Werbung für Lösungen unserer Probleme, für die wir die Sympathie oder zumindest das Verständnis der Öffentlichkeit brauchen, müssen in den Händen der Leute bleiben, die das wirklich können.
Welche Ratschläge würden Sie unserem Nachwuchs geben?
B. K.: Besuchen Sie mit Ihrem (jungen) Jagdhund die von vielen Prüfungs- und Zuchtvereinen, aber auch von den Kreisjägerschaften angebotenen Hundeführerlehrgänge. Machen Sie mit ihrem Hund die von den Lehrgangsleitern aufgegebenen „Hausaufgaben“ und führen Sie Ihren Hund auf den Prüfungen, die für die Rasse (oder Rassegruppe), der er angehört, angeboten werden. Es gibt eine Vielzahl guter Jagdhund-Abrichtebücher.
Nutzen Sie die darin niedergeschriebenen Erfahrungen und Tipps. Ihr im Gehorsam gut durchgearbeiteter Jagdhund, mit dem Sie waidgerecht und damit auch tierschutzgerecht jagen, wird auch den Nichtjäger positiv beeindrucken. Und denken Sie immer daran, dass unsere Jagdhunde als einzige Vertreter ihrer Art noch weitgehend artgerecht leben können – aber eben in den Grenzen, die von der Bevölkerung eines so dicht besiedelten Landes wie dem unsrigen toleriert werden.
Würden Sie den Besuch von Seminare für Öffentlichkeitsarbeit vorschlagen?
B. K.: Ja unbedingt, wenn diese Seminare von wirklichen Fachleuten ( diese müssen nicht unbedingt Jäger oder Hundeführer sein ) geleitet werden. Wir müssen lernen, wie wir unsere ( für den Nichtjäger manchmal schwer verständlichen ) Probleme und ihre Lösungen transportieren und so darstellen, dass sie akzeptiert werden können.
Was wünschen Sie sich persönlich in der Zukunft, wenn es um die Gestaltung und Belange der Öffentlichkeitsarbeit des Jagdgebrauchshundwesens geht?
B. K.: Einen breiteren Zugang zu den ( meinungsbildenden ) Medien und eine professionelle und kompetente Darstellung unseres Handelns. Es muss uns gelingen, die Politik und die Bevölkerung davon zu überzeugen, dass unsere (teilweise streitbewehrten) Abrichtemethoden tierschutzkonform und nicht tierschutzwidrig sind. Das wird eine Faustsche Aufgabe sein, weil der organisierte Tierschutz sich weit mehr von Emotionen als von Fakten leiten lässt. Die Jäger sind – gegenüber dem organisierten Tierschutz – eine kleine Minderheit, auf der wunderbar herumhacken und sich dabei des Beifalls der uninformierten Bevölkerung sicher sein kann. Jeder Fernseh- und Printmedien- Journalist, den wir überzeugen können, ist für uns ein unbezahlbar wichtiger Multiplikator.

(Mit freundlicher Genehmigung der Redaktion „Der Jagdgebrauchshund“ )

Buchtip:

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