Öffentlichkeitsarbeit in den Neuen Medien, Teil 1

Von Volker Seifert

Internetseiten von Vereinen und Verbänden

Beispiel für eine gelungenen Internetseite. Der neue Webauftritt des Deutschen Jagdverbandes.

Beispiel für eine gelungenen Internetseite. Der neue Webauftritt des Deutschen Jagdverbandes.

Warum sollen meine Kreisjägerschaft, Hegering, Zuchtverein oder Jagdgebrauchshundeverein einen aussagekräftigen Internetauftritt haben?

Die Antwort ist so einfach und gleichzeitig so erschreckend. Weil ohne eine ansprechende Präsentation im Internet, als dem neuen Leitmedium, die Vereine der Bedeutungslosigkeit anheimfallen. Kurz gesagt: sie können sich dann auch gleich auflösen.

Klar, übersichtlich und informativ. Der Webauftritt der Tiroler Jägerschaft.

Klar, übersichtlich und informativ. Der Webauftritt der Tiroler Jägerschaft.

Nicht nur, das viele Vereine unter einem Mitgliederschwund leiden und die Bereitschaft der Mitglieder sich für den Verein einzusetzen schwindet, die Vereine haben auch immer größere Schwierigkeiten, ihre Anliegen in der Öffentlichkeit darzustellen, oder – beim Fokus auf jagdliche Themen – Erklärungen der Öffentlichkeit zu geben.

Und das diese Erklärungen notwendig sind, liegt im wesentlichen an zwei Fakten: zum einen die vielbeschworene Naturentfremdung der Stadtbevölkerung, zum anderen und viel wichtigeren Punkt, die Akteure der ökologischen Bewegung der 80er und 90er Jahre befinden sich nun in politisch wirkungsträchtigen Positionen. Und jemand, der über die Jahre durch die grüne politische Bewegung sich ein Pöstchen oder gar Ministeramt ergattert hat, wird nun bestrebt sein, die Auffassungen seiner Unterstützer umzusetzen.

Adressaten

Eine Internetseite ist in erster Linie ein Informationsmedium. Und diese Informationen sollen bei einem Verein auch unterschiedliche Adressaten ansprechen und erreichen.

Mitglieder

Da wären erst einmal die Vereinsmitglieder, die erwarten zeitnahe, aktuelle Informationen über das Vereinsleben, die Bekanntgabe von neuen Terminen und ggf. die Bereitstellung von Dokumenten wie z.B. Vordrucke für Adressenänderungen, Mitgliedschaftsanträge, Anmeldungen für Veranstaltungen usw.. Darüber hinaus haben die Mitglieder auch ein berechtigtes Interesse, über Ereignisse, die das Vereinsziel betreffen, informiert zu werden. Dazu gehören z.B. Informationen über Änderungen der Jagdzeiten, von Prüfungsordnungen, Zuchtbestimmungen usw.. Bei all diesen Punkten müssen die Mitglieder jedoch mit wenigen Klicks auf der Seite den richtigen Ansprechpartner mit den Kontaktdaten (Adresse, Telefon, Mail) finden können.

Selbstverständlich kann ein Internetauftritt nicht alle notwendigen Mitteilungen ersetzen, so bleibt z.B. die schriftliche Einladung zur Jahreshauptversammlung an die Mitglieder unumgänglich. Er kann aber sich als Hauptinformationsquelle für die Mitglieder erweisen, wenn er nicht nur mit Worten sondern auch mit Bildern und ggf. Video’s erweitert wird.

Nicht-Mitglieder

Ganz andere Ansprüche an einen Internetauftritt haben Nicht-Mitglieder. Hier möchte ich eine Trennung der vorstellbaren Nutzer der Internetseite vornehmen. Beiden gemein ist, das sie die Internetseite des Vereins selten gezielt aufsuchen, sondern viel eher per „Zufallstreffer“ über eine Suchmaschine auf das Angebot des Vereins kommen. Was selbstverständlich nur bedeutet, das die Seite und deren Inhalte suchmaschinenfreundlich aufgearbeitet gehören. Dazu gehe ich jedoch in einem späteren Teil noch näher ein.

Da sind zum einen diejenigen, die in einer bestimmten Region, eine bestimmte Information suchen z.B. Prüfungstermine für Jagdgebrauchshunde, Jagdscheinkurse u.ä., was der Verein auch anbietet. Dann wiederum gibt es Nutzer, die durch einen Zeitungsartikel o.ä. eine Fragestellung an die Jagd bzw. Jägerschaft haben, z.B. ein erschütternder und sachferner Artikel über die „lebende Ente“ in der Tagespresse, kann manchen dazu veranlassen die Suchmaschine danach arbeiten zu lassen und mit etwas Glück – oder Können – landet derjenige auf Ihrer Seite und findet eine sachlich fundierte Ausführung über die Notwendigkeit der Ausbildung und Prüfung an der lebenden Ente.

Auf der anderen Seite befinden sich die Journalisten der verschiedensten Medien, seien sie nun lokal oder überregional. Diese bedienen sich als wichtiges Rechercheinstrument dem Internet. Wenn diese sich nun einem jagdlichen Thema widmen wollen, kann es nur unser aller Anliegen sein, das sie nicht nur auf Informationen der jagdkritischen bzw. jagdfeindlichen Seiten angewiesen sind, sondern auch profunde Informationen von jagdlicher Seite erhalten, bestensfalls mit einem vom Verein ausgewiesen Pressesprecher als Kontakt (auch dies ein Thema für einen folgenden Teil).

Nun mag sich mancher sagen: „Das ist doch Aufgabe der Verbände.“ Und darauf kann ich nur auf die Arbeit von NABU oder BUND hinweisen, deren noch so kleine Ortsgruppen über engagierte Internetseiten verfügen und dadurch die Position der übergeordneten Einrichtungen multiplizieren. Eine Strategie, die die Jägerschaft noch nicht ansatzweise erkannt hat, und dadurch auch immer mehr ins Hintertreffen fällt, wenn es heisst die Öffentlichkeit von der Notwendigkeit der Jagd zu überzeugen. Ein unsachlicher Bericht über die Fallenjagd wird sofort – innerhalb von wenigen Stunden – über diese Vervielfältiger zigfach ins Internet gestellt. Und eine entsprechende Richtigstellung durch die jagdlichen Verbände findet sich nach Tagen und Wochen bestenfalls auf einer Handvoll Seiten wieder.

Die jagdlichen Verbände und Vereine versäumen es seit 15 Jahren, eine entsprechende Strategie zu entwerfen und umzusetzen. Und die Verbände sind bisher nicht in der Lage – oder gewillt –  was im Ergebnis gleich bleibt, ihre angeschlossenen Vereine zu unterstützen. Das ist jetzt wirklich kein Luxusproblem mehr, vielmehr befindet sich die Jagd seit Jahren in einer immer schneller werdenden Talfahrt ihrer Akzeptanz. Die durchgeführten Änderungen der Landesgesetze haben alle der Jagd zum Nachteil gereicht. Und nur ein weltfremder Optimist kann sich in der Sicherheit wiegen, das die noch anstehenden Änderungen der Gesetze und Verordnungen schon nicht so schlimm werden.

Im 2. Teil geht es um grundsätzliche Überlegungen bei der Planung eines zeitgemäßen Internetauftritts.

Weiterführende Links:

Joachim Orbach: Neue Medien nutzen

 

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Ein Gedanke zu „Öffentlichkeitsarbeit in den Neuen Medien, Teil 1

  1. Joachim Orbach

    Eine Beitragsreihe (bzw. entsprechende Anregungen), die auch längst von den Landesjagdverbänden hätte kommen müssen – denn vorhande Potenziale (Internetseiten der Kreisjägerschaften, Hegeringe, Zuchtvereine und Jagdgebrauchshundvereine) sind vorhanden. Oder haben die Verantwortlichen des Landesjagdverbände in Deutschland etwa nicht die Schlusserklärung der 51. Int.- Jagdkonferenz (2013) gelesen? Aber auch ohne diese Schlusserklärung kommen wir im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit nicht ohne die Nutzung der neuen Medien aus. Wer aber tatsächlich in der heutigen Zeit noch glaubt, es geht auch ohne die neuen Medien, der lebt meiner Meinung nach noch in einer anderen Welt.
    Nutzen wir daher die bereits vorhandenen Potenziale einschl. die Möglichkeiten der Verlinkungen u.a. auch im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit.
    Joachim Orbach

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