Modellwechsel bei Land Rover

Von Frank Martini

Land Rover-Fans dürften spätestens seit Oktober vergangenen Jahres neugierig geworden sein – auf den neuen Discovery Sport, der zum Pariser Autosalon im vergangenen Herbst  präsentiert wurde. Sie müssen sich noch bis Ende Februar gedulden. Jagdwissen-Leser erfahren bereits jetzt mehr – wir haben den Neuen vorab gefahren.

Neu oder nicht? Diese Frage hat viele beschäftigt seit bekannt wurde, dass der Discovery Sport die Ära des Freelander nach fast 20 Jahren beenden wird. Ist der Discovery Sport nun „nur“ ein modellgepflegter Freelander, ein neues Design, ein bisschen „Schnickenfittich“ – oder wirklich ein neues Modell?


Tatsächlich kann der Discovery Sport seine Freelander-Gene nicht verleugnen – was er auch gar nicht soll. Dennoch: Der Sprung vom Freelander Modelljahr 2014 zum Discovery Sport ist mindestens so groß, wie der vom Ursprungs-Freelander zum Freelander 2 es war. Das fängt schon bei den äußeren Abmessungen an. Der jüngste Discovery-Sproß ist gegenüber seinem Vorgänger in der Länge um knappe neun Zentimeter gewachsen. Dieser Zuwachs erschöpft sich indes nicht in reiner Karosserie-Kosmetik, sondern hat eine technische Grundlage – auch der Radstand hat um gute acht Zentimeter zugenommen. Dafür ist der Neue mit 16 Millimetern weniger Höhe nicht nur etwas flacher als das Vorgängermodell, sondern ums gleiche Maß auch etwas schmaler. Auch unabhängig bloßen Designs kommt er also deutlich gestreckter daher. Er ist größer als der Freelander, wirkt allerdings weit weniger „kastig“!

Zeitgemäß "chiques" Design - zu Lasten der Funktionalität? (Bild: Land Rover)

Zeitgemäß „chiques“ Design – zu Lasten der Funktionalität? (Bild: Land Rover)

 Neue „Drei-Säulen-Strategie“

Dass aus dem Freelander ein Discovery Sport wurde, ist vor allem einer sukzessiven Umstellung der britischen Modellpolitik geschuldet. Erinnern wir uns: Neben den Defenders gab es stets einen Freelander, einen Discovery und den Range Rover. Dem nach dem RR-Sport zuletzt noch der Range Rover Evoque – basiert auf der Freelander-Plattform(!) – hinzugetreten war.

Hm, drei Defenders (der „Ninety“, der 110er und der 130), dann zuletzt drei Range Rover…und nun kein Freelander mehr, aber ein zweiter Discovery? Der – analog zur Range Rover-Reihe – ein „Sport“ im Namen trägt? Dass erst drei mal drei Neune gibt, weiß nicht nur Pippi Langstrumpf, und so muss mein wohl keine Nachtigallen trapsen hören um zu ahnen, dass Land Rover in den nächsten Jahren noch mehr im Plan haben dürfte, als die Ablösung der Defender-Modelle durch eine Nachfolgereihe nach Jahresablauf…. Doch zurück in die Zukunft. Denn die beginnt für Freelander-Fans bereits Ende des Monats. Dann werden die ersten Discovery Sport bei Deutschlands Händlern stehen.

Novum: Ein Außen-Airbag als Fußgängerschutz (Bild: Land Rover)

Novum: Ein Außen-Airbag als Fußgängerschutz (Bild: Land Rover)

 Die technischen Neuerungen

Airbags, die vor der Frontscheibe nicht der Insassensicherheit dienen, sondern bei innerörtlichen Geschwindigkeiten unachtsame Fußgänger vor Kopfverletzungen bewahren sollen, könnte man noch als Abkehr von der „politisch inkorrekten, reinen Geländewagen-Lehre“ interpretieren. Ebenso einen Haufen USB-Schnittstellen im Fahrzeug und dessen Anbindungsmöglichkeit an diverse Apps zur Steuerung verschiedener Fahrzeugfunktionen via Smartphone oder Tablet. Alles zwar was Technisches, indes eher Ausfluss moderner Lifestyle-Philosophie denn automobiler Faszination. Gleichwohl alles nur „Äußerlichkeiten“ beim Discovery Sport – auch echte fahrzeugtechnische Finessen stecken in dem Neuen, die seinem Vorgänger noch vorenthalten waren.

Da wäre als erstes die neue Mehrlenkerhinterachse zu erwähnen, ein Derivat aus dem Range Rover Sport. Oder das Neun-Gang-Automatikgetriebe aus dem Hause ZF, das jüngst erst im Range Rover Evoque zum Einsatz kam. Ebenso wie übrigens die aktuelle Motorenpalette, die man ebenfalls aus dem kleinsten Range kennt. Auf deren funktionale Anleihen sich der – vorläufig? – kleinste Discovery nicht beschränkt. Mit dem Radstand haben auch verstellbare Rücksitze in den Freelander-Nachfolger Einzug gehalten, die eine Laderaumgrundfläche wie beim Range Rover Sport ermöglichen, wenn man die Sitze volle 16 Zentimeter nach vorn verschiebt. Das setzt, auch wenn der Discovery Sport insgesamt „nur“ maximal 30 Liter mehr Laderaumfläche als der Freelander aufweist, schon mal ein ordentliches Grundmaß voraus.

Unendliche Weiten - ordentlich Platz für seine Klasse im Discovery Sport (Bild: Land Rover)

Unendliche Weiten – ordentlich Platz für seine Klasse im Discovery Sport (Bild: Land Rover)

Ob man das nun für ein Unterflor-Fach oder für die optionale dritte Sitzreihe nutzen mag, bleibt dem Kundenwunsch (und seinem Portemonnaie) überlassen – von praktischem Nutzwert ist es allemal. Und auch sonst weist das jüngste Modell der Land Rover-Familie jede Menge Nützlichkeiten im Innenraum auf, die einem das Autofahren angenehmer machen. Wie das ebenfalls von den Ausstattungsmöglichkeiten abhängige, ziemlich gediegene Ambiente. Aber stimmt: Über die Qualitäten abseits der Straße und im rauen Revieralltag sagt all das noch nichts aus. Wenden wir uns also noch mal ein paar Maßen und ihrem Vergleich zum Freelander zu.

Ein vollwertiger Geländewagen?

Zumindest ist das das Versprechen des britischen Autobauers. Für den, der das bereits im Freelander fand, geben die Rahmendaten leicht einigen Aufschluss. Vom letzten Modelljahr des Freelander weichen, bei gleichen Motorleistungen, Leer- und Maximalgewichte nicht signifikant ab. Untenrum ergibt sich eine Differenz zu Lasten des Neuen von gerade einem guten Zentner, obenrum sind es in der Spitze zwei. Das allerdings gilt nur für den Siebensitzer, als den es den Freelander bekanntlich nicht gab – und scheint fahrphysikalisch darum unschädlich. Die beim Freelander üppigen Böschungswinkel unterschreitet der Nachfolger nur im unteren einstelligen Gradbereich, was ebenfalls kaum praxisrelevant sein dürfte.

Todesmut oder Technikvertrauen? Trotz glatten Untergunds kam er jedenfalls heil unten an. (Bild: LAnd Rover)

Todesmut oder Technikvertrauen? Trotz eisig-glatten Untergunds kam er jedenfalls heil unten an. (Bild: Land Rover)

Zugenommen hat beim Discovery Sport, bedingt durch den längeren Radstand, naturgemäß der Wendekreis, was bei einem guten halben Meter mehr aber auch nicht sonderlich ins Gewicht fällt. Auch hat die Bodenfreiheit unter der tiefsten Stelle, der Hinterachse, um wenige Millimeter abgenommen, liegt aber selbst dort immer noch bei mehr als 21 Zentimetern. Die Wattiefe des Discovery Sport hat dagegen um satte zehn Zentimeter zugenommen. Und auch die Anhängelast hat nicht gelitten – sie liegt, je nach Ausführung, noch etwas über der des Freelander.

Alles Daten also, die uns praktischen Tests in der rauen Wirklichkeit des banalen Jägeralltags und seiner Revierherausforderungen mit Spannung und Zuversicht entgegenblicken lassen. Sowie nach Belieferung des Handels ausreichend Testfahrzeuge verfügbar sind, werden wir uns mit den Ergebnissen wieder melden – natürlich auch wieder mit bewegten Bildern.

Wer es bis dahin nicht abwarten kann, sollte sich zum Händler sputen. Entweder, weil er dem jüngsten Land Rover-Modell auch blind vertraut, oder weil er sich lieber noch schnell den Vorgänger schnappen will. Denn den liefert Land Rover inzwischen nicht mehr aus – Freelander sind nur noch verfügbar, so wie sie noch bei den Händlern stehen. Vielleicht eine gute Chance für ein Schnäppchen? Denn auch im Preis hat der Freelander-Nachfolger etwas zugelegt. Die Preisdifferenz zwischen dem erst im Herbst kommenden eD4 als Fronttriebler – aber wer will den schon? – und seinem Vorgänger liegen am unteren Ende bei runden 4.000 €uro. Nach oben hin wird sie bei den Allradern geringer. In der Spitze unterscheidet sich die neue Preisliste von der alten um knapp über 3.000 €uro – sieht man vom 54.400 €uro teuren HSE-Luxury ab. Aber in einer solch extravaganten Ausführung gab es den Freelander ja auch gar nicht.

Mit allem "Furz und Feuerstein": der HSE-Luxury. Die Option "Furz" dagegen bleibt selbst hier aufpreispflichtig: eine Klimatisierung der Sitze durch das fein perforierte Windsor-Leder. (Bild: Land Rover)

Mit allem „Furz und Feuerstein“: der HSE-Luxury. Die Option „Furz“ dagegen bleibt selbst hier aufpreispflichtig: eine Klimatisierung der Sitze durch das fein perforierte Windsor-Leder. (Bild: Land Rover)

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Ein Gedanke zu „Modellwechsel bei Land Rover

  1. Michael Steinhofe

    Ein sehr schöner und umfangreicher Artikel.

    Bisher waren die Informationen über den neuen Land Rover ja noch recht spärlich, selbst bei der Auto-Fachpresse, geschweige denn bei der Jagdpresse.

    Bin schon auf Ihren ausführlichen Fahrbericht gespannt.

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