Langhaarteckel

Von Joachim Orbach

Langhaarteckel waren lange Zeit eine äußerst beliebte Hunderasse in Deutschland. Unser
Autor nennt die Gründe, warum diese Teckel auch heute noch besondere Jagdbegleiter sind.

Foto: Francine Doneux

Foto: Francine Doneux

Wie bei allen anderen Jagdhunderassen auch, lässt sich beim Langhaarteckel nicht unterstellen, dass er der Schönheit willen aus der Taufe gehoben wurde.
Wollte man sich nicht auf die heutige Situation konzentrieren, würde eine lange Geschichte zur züchterischen Entwicklung dieser Rasse erforderlich sein.
So sei in Kürze festgehalten, dass der Langhaarteckel seine Entstehung – genau wie der Rauhaarteckel – dem Kurzhaarteckel unter Beimischung von Fremdblut verdankt. Welches Fremdblut genau im Einzelfall zugeführt wurde, wird mit Sicherheit wohl nie lückenlos zu ergründen sein. Vorwiegend soll es sich beim Langhaarteckel aber um das Blut von klassischen Stöberhunden wie das vom Deutschen Wachtelhund und das vom Spaniel gehandelt haben.
Bis 1921 wurde der Langhaarteckel im Verein für langhaarige Dachshunde gezüchtet. Etwas später erfolgte der Anschluss an den Deutschen Teckelklub. In der Folgeentwicklung – insbesondere nach dem 2. Weltkrieg – nahm die Langhaarteckelzucht einen stets steigenden Umfang an. Insbesondere in den „Wirtschaftswunderjahren“ der Nachkriegszeit nahm die zahlenmäßige Verbreitung des zum „Lieblingshund der Deutschen“ erkorenen Hundes zu, wovon der Rauhaarteckel aber in den Folgejahren auch nicht verschont blieb.
Festzustellen bleibt aber allerdings auch, dass es bis zum heutigen Tage (trotz seit einigen Jahren geringer Eintragungszahlen beim Langhaarteckel) immer genügend Gebrauchszüchter gab beziehungsweise noch gibt, die eine straffe Leistungszucht betreiben. Allerdings sind sie in der Züchtermasse nicht immer leicht zu finden. Gesundheit, Wesensfestigkeit sowie jagdliche Anlagen und Leistungen auf Prüfungen und in der Praxis sind bei der Jagdgebrauchshundezucht – gleich welcher Rasse – als vorrangiges Zuchtziel zu beachten.

Foto: Grudun Greb

Foto: Grudun Greb

Diese bewährten Grundsätze dürften mit Sicherheit auch der mehrheitlichen Meinung der im
Jagdgebrauchshundewesen vertretenen Jägerschaft entsprechen. Daher müssen aus der Ahnentafel des zu erwerbenden Welpen ersichtliche Eigenschaften – wie bestandene Anlageprüfungen – der Eltern, Großeltern und Urgroßeltern zu erkennen sein.
Dies trifft auch auf den Langhaarteckel zu, denn schließlich werden bestandene Anlageprüfungen oder erfolgte Bewertungen von der Jägerschaft auch von den anderen Jagdhunderassen verlangt. Der Welpenkäufer lasse sich daher auch nicht mit den üblichen Redensarten abspeisen: Meine Hunde bringen die besten Veranlagungen mit sich, es fehlt ihnen nur an Übung und Gelegenheit. Behauptungen sind keine verwertbaren Beweise; am allerwenigsten in der Gebrauchshundezucht!
Der Nachweis des Spurlautes und der Arbeit am Naturbau sind daher für mich (und hoffentlich für den überwiegenden Teil der Jägerschaft auch) Grundvorraussetzung der Gebrauchsteckelzucht. Um der Sache zu dienen, muss auch einmal gesagt werden, dass die Verwendung des Teckels im Jagdbetrieb nie und nimmer dazu führen darf, andere bewährte

Foto: Georg Uphues

Foto: Georg Uphues

Jagdhunderassen ersetzen zu wollen oder ihnen gar die Eignung – trotz vorhandener Vorraussetzung – für bestimmte Jagdarten aberkennen zu wollen.
Auf derartiges Expertentum sowie auf ein übertriebenen Dirigismus kann meiner Meinung nach das deutsche Jagdgebrauchshundewesen recht gut verzichten. Schließlich ist in der heutigen Zeit eher die Information gefragt als der Dirigismus.
So brachte auch unter Anderem die Auswertung der DJZ-Aktion – 1/05 „Jagdliche Zukunft“ – bei den Jungjägern klar den Wunsch nach mehr Information beim Jagdgebrauchshundewesen zum Ausdruck.
Für den Langhaarteckel gilt es, gerade der Jägerschaft – insbesondere den angehenden Jägerinnen und Jägern – die Vielseitigkeit dieser Rasse nahe zu bringen, ohne dabei die Grenzen der Einsatzfähigkeit zu vergessen. So wird trotz guter Leistung der Teckel die offiziell anerkannten Schweißhunderassen, die Apportier- und Wasserhunde sowie bei der Feldjagd auf Fasan und Hühner den Vorstehhund nicht ersetzen können.

Foto: Joachim Orbach

Foto: Joachim Orbach

Allerdings sollte man diesen Rassen – wie dem Teckel auch – bei Haltung und Führung genügend Einsatzmöglichkeiten zugestehen. Dieses zu berücksichtigen, trifft oftmals auch für die sich veränderten Revierverhältnisse und Wildvorkommen zu. Es gibt noch genügend Reviere, in denen beispielsweise Teckel und Vorstehhunde zusammen gehalten und geführt werden, weil sie sich oftmals hervorragend ergänzen (z.B. Teckel für die Bodenjagd und der Vorstehhund für die Feldjagd).
Fazit: Dem Langhaarteckel, einem Hund entstanden aus harten Stämmen mit hervorragenden jagdlichen Eigenschaften eines Waldhundes, ist zu wünschen, dass sich ihm in seinem Ursprungsland mehr Jäger zuwenden, die seine ursprünglichen Eigenschaften – sei es bei der Bodenjagd oder bei der Nachsuchen- und Stöberarbeit – kennen und schätzen lernen wollen.
An den Zuchtvereinen und Züchtern liegt es, die Jägerschaft dahingehend entsprechend sachlich und korrekt zu beraten und dass Welpen den Grundsätzen der  Jagdgebrauchshundezucht entsprechend vermittelt werden. Daher ist auf der Ahnentafel des zu erwerbenden Welpen auch möglichst auf eine lückenlose Ahnenreihe mit Prüfungen zu achten.
Gleichzeitig kommt es – insbesondere bei Erstlingsführern und Führerinnen – auf weitere Informationen und Hilfestellungen wie Gebrauchsteckellehrgänge sowie Welpenkurse im Rahmen der gesicherten Erkenntnisse der Verhaltensforschung an.

Steckbrief
Ursprung: Deutschland
FCI-Rassestandard-Nr.: 148/03.07.1998/D.
„Das Erscheinungsbild des Teckels ist eine niedrige, langgestreckte und muskulöse Gestalt mit herausfordernder Kopfhaltung. Der Bodenabstand soll etwa ein Drittel der Widerristhöhe betragen. Der Teckel soll im Wesen
freundlich mit ausgeglichenem Temperament sein, sowie ein passionierter, ausdauernder und feinnasiger Jagdgebrauchshund mit robuster Gesundheit. Der Langhaarteckel unterscheidet sich gegenüber dem Kurz-
haarteckel durch längere u. weiche Behaarung.“
Gewicht: Obergrenze etwa 9 kg
Farbe: Die überwiegende Mehrzahl ist rot oder rot mit Deckhaar, eine bescheidene Minderheit ist schwarz-rot.
Getigerte und braune kommen recht selten vor.
Zuchtvereine: Deutscherteckelklub 1888 e.V. (DTK) Mitglied im JGHV, VDH, FCI und der WUT
Verein für Jagdteckel e.V. (VJT) gegründet 1989, Mitglied im JGHV
Beratung: Siehe Anzeigen der Zuchtvereine und Züchter in der DJZ oder auf Jagdmessen, wo die Zuchtvereine vertreten sind.
Literatur: Vor Anschaffung eines Teckels zu empfehlen: Der Jagdteckel. 7. Auflage Hans Lux/Rolf Kröger,
Kosmos Verlag,

Erstveröffentlichung „Deutsche Jagd-Zeitung“, 9/2006, S. 40-41

Mit freundlicher Genehmigung der Redaktion „DJZ“.

Dieser Artikel wurde bisher 1985-mal gelesen.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.