Koordinierte Reviergestaltung und Wildbewirtschaftung

Von Joachim Orbach / Volker Seifert

GoldkauleSeit Jahrzehnten werden innerhalb der Jägerschaft die Verschlechterung der Jagdmöglichkeiten, wenn nicht beklagt, so doch zumindest festgestellt. Neben der schwindenden gesellschaftlichen Akzeptanz der Jagd und der daraus resultierenden ständigen Verschlechterung der gesetzlichen Bestimmungen, die den jagdlichen Handlungsraum beschränken, wird eine großräumige Verschlechterung der Revierverhältnisse bemerkt.

Diese Verschlechterung zeigt sich in verschiedenen Bereichen, z.B. in dem Verschwinden von Biotopen, in der Verschlechterung der Äsungsmöglichkeiten in Wald und Feld, Verringerung von Ruhezonen für unser Wild, Zunahme des Raubwildes, der seit jahrzehnten zu verzeichnenden Verkleinerung der einzelnen Reviere oder dem Ansteigen von Wildschäden in Wald und Feld.

Selbstverständlich gibt es die Lösung der Probleme nicht, dazu ist die Vernetzung der Problemfelder zu eng. Einen gelungenen Versuch die Schwierigkeiten, wenn nicht zu lösen, dann doch ihre negativen Auswirkungen abzumildern, stellen zwei Projekte in Nordrhein-Westfalen dar, die hier kurz vorgestellt werden sollen.

Hegeverein Engelskirchen

Walter Stein (2006) Foto: Elly Linder

Walter Stein (2006)
Foto: Elly Linder

Bereits Anfang der 1990er Jahre begannen Überlegungen im Hegering Engelskirchen im Oberbergischen Land, die Wildbewirtschaftung und Reviergestaltung intensiver zu Koordinieren. Die Wildmeister Walter Stein und Bernd Bahr fanden innerhalb des Hegeringes, für ihre Idee einen Revierjäger mit den Aufgaben zu betreuen offene Ohren und so wurde 1994 der „Hegeverein Engelskirchen e.V.“ gegründet. Bis 2011 bestand dieser aus 17 Revieren mit eine Gesamtfläche von ca. 4.500 ha.

Die Mitglieder des Vereins – gleichzeitig Mitglieder des Hegeringes bzw. Förderer des Verein – stellten einen Revierjäger ein, der gleichzeitig Geschäftsführer des Vereins war. Eine Besonderheit dieses Modells war, das die vier bis 2011 angestellten Revierjäger die Möglichkeit hatten in der Zeit ihrer Anstellung die Meisterprüfung abzulegen.

In den ersten fünf Jahren des Projektes wurden die Personalkosten zu 80% vom Land NRW durch Mittel der Jagdabgabe gefördert. In den folge Jahren ging der Anteil der Förderung jedoch zurück. Der übrige Teil der Personalkosten wurde von den Mitgliedern des Vereins mit einem Schlüssel der Reviergröße je ha getragen.

Der Revierjäger stand jedem Revierinhaber beratend z.B. bei der Anlage von Deckungs – und Äsungsflächen, der Koordination von revierübergreifenden Jagden zur Verfügung. Auch war er Ansprechpartner bei der Raubwildbejagung sowie bei der Wildschadenverhütung und Wildschadenfeststellung. Im Laufe des Projektes gewannen auch die Wildbretverarbeitung und – vermarktung in einer eigens hergerichteten Wildkammer an Bedeutung. Nicht zu vergessen sind auch die Leistungen im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit wie z.B. Informationsveranstaltungen, Rollende Waldschule, usw..

Hegegemeinschaft „Davert Hochwildring e.V.“

Die guten Erfahrungen aus dem Projekt des Hegevereins Engelskirchen veranlasste 2001 die Hegegemeinschaft des „Davert Hochwildringes“ eine vergleichbare Organisation zu installieren.

Das südlich von Münster gelegene Waldgebiet „Davert“ beherbergt einen Rotwildbestand der durch die Revierinhaber innerhalb der Hegegemeinschaft bewirtschaftet wird. Die 57 Reviere verteilen sich auf ca. 15.000 ha.

Gerade in einer Region mit starker Hausschweinehaltung sind koordinierte Maßnahmen gegen die Ausbreitung der Schweinepest beim Schwarzwild von hoher wirtschaftlicher Bedeutung.

Auch hier wurde und wird die Anstellung des Berufsjägers aus Mitteln der Jagdabgabe vom Land NRW gefördert.

Nutzen

Niederwaldparzelle Foto: Joachim Orbach

Niederwaldparzelle
Foto: Joachim Orbach

Eine großfläche Koordinierung der Reviergestaltung und der Wildbewirtschaftung haben in den Projekten nur Vorteile für die Reviere und die Beteiligten Personen bezeigt. Die Qualität der Reviere haben hinsichtlich der Äsungsflächen und der Biotopgestaltung zugenommen, den Revierinhabern, Jagdaussehern, Jagdgenossen und Landwirten steht ständig eine kompetente Ansprechperson zur Verfügung. Besonders die Regelung von Wildschäden hat sich als Vereinfacht herausgestellt.

Gerade für die Förderung durch öffentliche Mittel ist ein wichtiger Punkt, das durch die Maßnahmen Betätigungsfelder für Berufsjäger geschaffen werden, die schließlich unserem Wild, den nicht jagdbaren Arten, unserer Umwelt und für alle Beteiligten von Nutzen sind.

Ausblick

Das die beiden hier vorgestellten Projekte in Hochwildgebieten installiert wurden, lässt selbstverständlich den Schluss zu, das hier das ausschließliche Tätigkeitsfeld der Berufsjäger anzusiedeln sei. Vielmehr scheint der Nutzen einer koordinierten Reviergestaltung und Wildbewirtschaftung sich auch in die klassischen Niederwildgebiete zu übertragen.

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