Info oder Demo? Überraschung in Mechernich

Von Frank Martini und Volker Seifert

Es sollte ein Heimspiel werden – der Informations- und Diskussionsabend, mit dem die Euskirchener Grünen gemeinsam mit der SPD der Öffentlichkeit im Mechernicher Ratssaal den ÖJV-Gesetzentwurf schmackhaft machen wollten. Doch dann kam alles ganz anders.  

Rund 300 Demoinstranten, darunter viele Auswärtige, waren zu der Infoveranstaltung gekommen. (Bild: V. Seifert)

Rund 300 Demoinstranten, darunter viele Auswärtige, waren zu der Infoveranstaltung gekommen. (Bild: V. Seifert)

Mit dem von der Mitveranstalterin erwarteten „Heimspiel“ war es damit „Essig“ – mehr noch: Wie die Grüne Kreisvorsitzende Nathalie Konias freimütig zugab, ist auch bei ihr zu Hause seit Monaten „Strom in der Tapete“. Denn, so Konias, sie sei mit einem Jäger verheiratet. Und der habe naturgemäß wenig Verständnis für die Auffassungen und Pläne ihrer Partei in Sachen Jagdpolitik. Die Veranstaltung eröffnete sie deshalb angesichts der „Lodenmehrheit“ im Mechernicher Ratssaal mit einem Wort an den Moderator des Abends: „An Ihnen liegt es nun, ob ich morgen friedvoll mit meinem Mann frühstücken kann.“ Das Spaltpotential des ÖJG-Entwurfs belastet damit nun erkennbar nicht mehr nur die Rot-Grüne Düsseldorfer Regierungsehe, es ist längst in den Haushalten der Beteiligten angekommen.

Schwerer Stand für Grüne Jagdrechts-Ideen: Nathalie Konias (Grüne) begrüßte Podium und Publikum. (Bild: V. Seifert)

Schwerer Stand für Grüne Jagdrechts-Ideen: Nathalie Konias (Grüne) begrüßte Podium und Publikum. (Bild: V. Seifert)

Immerhin: Die Einlassung der Grünen Mitgastgeberin verdient Respekt. Denn der Verlauf des Abends war gewiss auch dem von SPD und Grünen sehr ausgewogen besetzten Podium geschuldet. Neben dem SPD-Vertreter Norbert Meesters fanden sich der BUND-Landesvorsitzende Holger Sticht und der Grünen-MDL Norwich Rüße, die „Contra-Fraktion“ bestand aus dem LJV-Vize Georg Kurella, dem Euskirchener KJS-Vorsitzenden Rudi Mießeler sowie dem technischen Leiter des Blankenheimer Forstbetriebs Rolf Heller. Der ebenfalls für eine Überraschung gut war. Zwar konnte man ihn als Garant für die „Wald-vor-Wild“-Forderung des ÖJG-Entwurfs sehen, weil dem Forstamt Bad Münstereifel, dem Hellers Betrieb zugeordnet ist, Probleme mit der Rotwilddichte nicht fremd sind. Das hinderte ihn jedoch nicht daran, sich zu anderen Punkten der geplanten Gesetzesänderung durchaus kritisch zu äußern. Darunter einem, den sonst kaum noch jemand zu kritisieren wagt: das generelle Katzen-Tötungsverbot.

Ausgewogene besetzt: Das Podium im Mechernicher Ratssaal. (Bild: V. Seifert)

Ausgewogene besetzt: Das Podium im Mechernicher Ratssaal. (Bild: V. Seifert)

Auch zwei weitere Besetzungen überraschten: Der BUND-Landesvorsitzende Holger Sticht und der LJV-Vize Georg Kurella. Während der Erstgenannte sich durch ungewöhnliche Ruhe und Schweigsamkeit auszeichnete, fiel der LJV-Vize durch eine gewisse Dünnhäutigkeit auf. Mancher erlebte darin sogar eine Gereiztheit, die ihm zu weit ging. So musste Kurella sich gleich bei seinem ersten Diskussionsbeitrag für eine entnervte Bemerkung vom Moderator des Podiums, Manfred Lang, in die Schranken weisen lassen. Auch der den LJV-Vize sekundierende Pressesprecher Andreas Schneider bekam sein Fett weg. Natürlich war es in seinem Falle der Grüne „Agent provcateur“ Nörwich Rüße, der Schneider einen „dauernd beleidigten Unterton“ vorhielt.

Entnervt im Konflikt - LJV-Vize Kurella und der insgesamt sehr souveräne Manfred Lang. Sticht wirkte nur interessiert, stichelte aber ausnahmsweise nicht. (Bild: V. Seifert/Montage)

Entnervt im Konflikt – LJV-Vize Kurella und der insgesamt sehr souveräne Manfred Lang. Sticht wirkte nur interessiert, stichelte aber ausnahmsweise nicht. (Bild: V. Seifert/Montage)

Gespannt erschien auch das Verhältnis der örtlichen Demonstrationsveranstalter zu ihrer Landesspitze in Dortmund. Nicht ein einziges Plakat des LJV war vor dem Rathaus zu sehen – alle in die Höhe gehaltenen Schilder trugen das Signet des DJV oder waren Eigenkreationen. Erstmals war dafür auch die Landwirtschaft spürbar mit von der Partie. Ein ganzes Dutzend Schlepper, zwei davon sogar mit Anhängern, bezeugte die Solidarität der Landwirtschaft.

Die beteiligte sich auch im Saal rege an der Diskussion. Sogar ein Schäfer fiel dabei auf – ihm bereiten die Wolfserfahrungen seiner niedersächsischen Kollegen Sorgen – und die mangelnde Unterstützung des grünen Umweltministeriums dort. Der Wolf, so der Hirte, werde schließlich auch in NRW nicht mehr lange auf sich warten lassen. Weitere hitzig diskutierte Sachthemen waren die Baujagd, die Rabenvogelbejagung sowie die Hundeausbildung.

Ließ am Unmut über den ÖJG-Entwurf keinen Zweifel aufkommen - der zum Bersten gefüllte Ratssaal von Mechernich. (V. Seifert)

Ließ am Unmut über den ÖJG-Entwurf keinen Zweifel aufkommen – der zum Bersten gefüllte Ratssaal von Mechernich. (V. Seifert)

Die Summe all dieser Widersprüche schien Norbert Meesters, SPD-Sprecher im Landes-Umweltausschuss erneut merklich zu beeindrucken. Bei einigen Punkten sieht er von Seiten der SPD noch „Redebedarf“, weil der vorliegende Gesetzentwurf „noch nicht rund“ sei. In diesem Zusammernhang verwies er auch auf die anstehende Expertenanhörung am 22. Januar in Düsseldorf – zu der Jagdwissen gemeinsam mit der KJS Düsseldorf-Mettmann bereits die nächste große Demo vorbereitet.

Dass aber weitere Demos allein nicht reichen werden, um am Ende nicht mit einem faulen Kompromiss leben zu müssen, zeigte auch ein Redebeitrag aus dem Publikum: Dieter Bertram verwies, wie zuvor auf Jagdwissen bereits der CDU-MDL Rainer Deppe, auf die dringende Notwendigkeit, Abgeordnete auch im direkten persönlichen Gespräch weiter „ins Gebet“ zu nehmen.

Szenen einer Ehe - Unterordnung, Gleichberechtigung oder Scheidung? Rot-Grün hat's in der Hand. (Bild: V. Seifert)

Szenen einer Ehe – Unterordnung, Gleichberechtigung oder Scheidung? Rot-Grün hat’s in der Hand. (Bild: V. Seifert)

Dass dies die Demonstrationsbereitschaft unter Jägern und Landwirten ersetzen kann, ist damit freilich nicht gesagt. Im Gegenteil – auch der Druck der Straße muss noch weiter zunehmen. Am besten am 22. Januar in Düsseldorf. Die Expertenanhörung an diesem Tag wird zweifelsfrei ein Meilenstein im Gesetzgebungsverfahren sein – und ein ebensolcher für die Einflussnahme der Betroffenen. Ganz abgesehen von der guten Gelegenheit, von solch schönen und treffenden Plakatkreationen wie der oben Bild noch mehr zu sehen.

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Ein Gedanke zu „Info oder Demo? Überraschung in Mechernich

  1. Joachim Orbach

    Ein schönens Bild, wenn sich auch Landwirte an derartigen Aktionen beteiligen. Bedenken wir als Bürger auch stetz was insbesondre die Grünen als Verbotspartei schon so alles verbieten, verteuern und erlauben wollte! Ich finde daher solche und andre Aktionen besonders begrüssenswert. Auch bereits schon Kommentare zu Berichten ( wie z.B. auf http://www.jagdwissen.net ) sind wichtig.

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