Jäger im Tiefschlaf?

Von Frank Martini

Nun sind sie vorbei, die schönen Regionalkonferenzen. Richtig Stimmung war da! Selbst wenn man mit den offiziellen Zahlen des LJV vorsichtig umgeht – knapp 20 Prozent der organisierten NRW-Jäger waren auf einer der fünf Veranstaltungen ihres LJV erschienen.

Die Positionen der Jäger ließen dort nichts an Deutlichkeit zu wünschen übrig. Und das Echo in den Medien war über Wochen überbordend. Nicht nur quantitativ, es war auch überbordend gut! Was der LJV da an Mobilisierungs-Kraftakt auf die Beine gestellt und an zunehmender Offensivität geboten hat, war beachtlich. Da muss in der Rückschau die Frage erlaubt sein: Haben wir das verdient? Und haben die Verbandsoberen uns verdient?

Ich gehöre bekanntermaßen nicht zu denen, die LJV-Positionen mit päpstlichen Botschaften verwechseln und bin nicht für eine unkritische Haltung bekannt. Vielleicht bin ich auch deswegen kein allzu häufiger Besucher der LJV-Homepage. Neulich war ich es, weil ich an der Online-Abstimmung gegen das neue ökologische Jagdgesetz teilnehmen wollte, von der ich gehört hatte.

Jetzt wirklich nicht mehr zu übersehen - die Aufforderung zum Mitzeichnen. (Foto: Screenshot LJV-Homepage)

Jetzt wirklich nicht mehr zu übersehen – die Aufforderung zum Mitzeichnen. (Foto: Screenshot LJV-Homepage)

Und musste: suchen! Irgendwann habe ich sie gefunden, dort brav meine Daten eingetragen und auf „Jetzt unterschreiben!“ geklickt. Und „gemeckert“, dass sie so gut versteckt ist. Zu diesem Zeitpunkt, das ist jetzt gut zwei Monate her, wies der Zähler etwa 7.000 virtuelle Unterzeichner aus. Da stand das Positionspapier gerade etwa einen Monat zur Mitzeichnung online. Und seither?

Der Aufruf des LJV datiert auf den 08. September. Kurz nach meinem „Gemecker“ beim LJV-Pressereferenten Andreas Schneider hatte der ihn permanent ganz oben auf der Startseite des LJV verankert. Unübersehbar! Ohne Rumsuchen zu finden!!! Heute –  wir schreiben den 04. Dezember – steht er also schon mindestens sechs Wochen dort. Und was steht heute , Stand 17.03 Uhr mitteleuropäischer Zeit, unten auf der Uhr? „Bisher haben 08727 Personen die Positionen und Forderungen per Unterschrift unterstützt.“ 8727 Personen! Ganze 1.700 mehr, als noch vor zwei Monaten! Bei 80.000 NRW-Jägern, derer immerhin drei Viertel Im LJV organisiert sind! Nach insgesamt fast drei Monaten! Ich bin fassungslos!

Waidgenossen, seid Ihr eigentlich noch zu retten? Da reißt sich der LJV so richtig den Arsch auf, um endlich mal das Abschneiden einer Salamischeibe vom Landesjagdrecht zu verhindern, die nur noch den Kanten der Wurst auf dem Brettchen lassen würde – und was macht Ihr? Euch mal einen netten, stimmungsvollen Abend in Fahrgemeinschaft mit ein paar Jagdkumpels auf einer Regionalkonferenz – maximal. Und sonst? Nicht mal eine Unterschrift? Online? Ganz bequem vom Schreibtischsessel aus? Schämt Euch!

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Noch volles Engagement – die Besucher der Regonalkonferenz in der Bielefelder Stadthallte. (Foto: V.Seifert)

Stattdessen höre ich aus meinem Umfeld von tollen Schüsseltreiben jüngster Drückjagden. „Och, ich kann mit dem neuen Gesetz zur Not leben, trifft ja vor allem die Niederwildjäger.“ Oder wahlweise die Hundeleute. Oder – bald auch mal solche, mit Verlaub – unsolidarischen Idioten? Wer hat denen denn das Wild vor die Büchsen gebracht? Waren da keine Hunde dabei? Gab’s unter den Treibern niemanden, der gern auch mal mit Flinte und Hund mit durchgeht?

Idiot leitet sich ethymologisch aus der griechischen Antike ab. Idiotes bezeichnete in der griechischen Polis – i. e. Gemeinschaft, daher der Begriff Politik – Zeitgenossen, die sich aus Gemeinschaftsanliegen heraushielten, keine Ämter übernahmen, sich nicht in die Polis einbrachten. Privatiers, könnte man wertfrei sagen. Dass der Begriff zum Schimpfwort wurde, zum Synonym für Trottel, liegt an der demokratischen Entwicklung seit der Antike. Genauer: An der Erkenntnis, dass jede bürgerliche Freiheit – heute gerade auch die der Jagd – stets aufs Neue verteidigt werden muss.

Das erfordert freilich Engagement – zumindest ein bisschen. Und in diesem Falle mindestens ein bisschen mehr, als alle paar Jahre ein Urnengang. Beim letzten CDU gewählt? Prima! Hat für die Jagdgesetzgebung nur leider nix gebracht. Und nu‘? Mindestens mal zwei Minuten am Rechner das Positionspapier mitunterzeichnen – schon zuviel verlangt?

Hatte sogar vor Bielefeld eine Demo organisiert - der Hegering Telgte. (Foto: Jana Diekrup)

Hatte sogar vor Bielefeld eine Demo organisiert – der Hegering Telgte. (Foto: Jana Diekrup)

Andere haben schon deutlich mehr gezeigt. So organisierte der Hegering Telgte- Westbevern anlässlich eines Remmel-Besuchs eine örtliche Demo, Bad Driburger Jäger folgten dem Beispiel aus gleichem Anlass unmittelbar nach Bielefeld. Nun kann man sich natürlich für schlauer als die Telgter und Bad Driburger halten. Meinen, dass sich mit Kleindemos sowieso nix mehr ändern lässt, weil das neue Jagdgesetz jetzt eh im Eiltempo durchs Parlament gepeitscht wird. Morgen, am Freitagmittag steht’s ja schon zum ersten Mal nach der Entwurfsänderung durch das Kabinett auf dem Stundenplan des Landtags! Deshalb bräuchte dann ja auch niemand auf die Demo zu kommen, die die KJS der Landeshauptstadt nun Morgen (Freitag, 05. 12.) vor dem Landtag macht. Oder die der Essener, die am Sonntagmorgen (07.12.) den Parteikonvent der Grünen in Mülheim dazu nutzen.

Aufruf zur Demo am 07. Dezember auf der Homepage der KJS-Essen. (Foto: www.kreisjägerschaft-essen.de)

Aufruf zur Demo am 07. Dezember auf der Homepage der KJS-Essen. (Foto: www.kreisjägerschaft-essen.de)

Das Positionspapier auf der LJV-Homepage aber nicht mitzuzeichnen, dafür taugt nicht mal Bequemlichkeit und vermeintliches Besserwissen als Entschuldigung. Denn erstens lässt sich das ganz bequem am heimischen PC in zwei Minuten erledigen. Und zweitens kommt es auf jede Unterschrift dabei an. Denn selbst für den Fall, dass sich an dem Gesetzentwurf nichts mehr ändern ließe, ist doch eines gewiss: Eine geringe Anzahl an Unterzeichnern wird todsicher Wasser auf die Mühlen der organisierten Jagdgegner sein! Es bedarf keiner Glaskugel, um kristallklar vorherzusehen, wie dann argumentiert wird: „Die geringe Beteiligung an der Unterschriftensammlung des Jagdverbandes hat doch gezeigt, wie überfällig diese ökologische Jagdreform auch in den Augen der Mehrheit der Jäger war.“

Gelänge es dagegen bis Weihnachten jedem Jäger in NRW, zu seiner eigenen Unterschrift nur zwei weitere Mitzeichner – die nicht mal Jäger oder LJV-Mitglieder sein müssen! – für das LJV-Papier zu finden, könnte der Landesjagdverband dem grünen Umweltminister eine Viertelmillion Unterschriften gegen sein Jagdgesetz unter den Christbaum legen! Bei der gegenwärtigen Progression dürften es bis dahin allerdings vielleicht gerade 10.000 werden.

Niemals zuvor also war es – dem Internet sei Dank – so leicht, die „Argumente“ der Jagdegner öffentlich Lügen zu strafen. Selbst wenn das den Gesetzgebungsprozess nicht mehr beeinflussen würde, wäre doch bewiesen, was vielen von uns längst dräut, von Grünen, NABU, BUND und Peta  indes beharrlich geleugnet wird: Dass es von vornherein nur darum ging, der eigenen Ideologie zu Gesetzesrang zu verhelfen – zur Not auch über die Köpfe hundertausender Betroffener hinweg. Wollen – nein dürfen! – wir uns diese Chance entgehen lassen?

Also, liebe Waidgenossen: Werdet bitte endlich wach und zeichnet das Positionspapier mit. Zumindest mal zwei Minuten am PC auf die LJV-Website, soviel – nein – so wenig sollte Euch die Jagd doch zumindest wert sein.

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