Im Zeitalter rasanter Entwicklungen


„Die manchmal vorwurfsvoll geäußerte Erklärung, die Spitzenfunktionäre der Jagd seien meistens eher älteren Semesters, ist nicht stichhaltig. Es geht nicht um das biologische Alter, sondern um die ( kritische ) Aufgeschlossenheit gegenüber dem Fortschritt, dem Verständnis für rasante Entwicklungen und die Notwendigkeit für „Waffengleichheit“ im Wettstreit der Meinungen. Da gibt es eben junge Alte, aber genauso auch umgekehrt alte Junge.“ ( Dr. Ernst Albrich, Landesjägermeister Vorarlberg nachzulesen auf www.jagdwissen.net „NEUE MEDIEN NUTZEN“ )

Nicht um unser Mitteilungsblatt „ Der Jagdgebrauchshund“ zu ersetzen, sondern Antworten auf die Fragen zu rasanten Entwicklungen in unserem Zeitalter zu finden, hat daher Joachim Orbach mit dem Ehrenpräsidenten des JGHV, Herrn Christoph Frucht ein Interview geführt.

J.O.: Sollte der JGHV und seine Mitgliedsvereine Ihrer Meinung nach verstärkt Presse- und Öffentlichkeitsarbeit leisten?
C.F.:“Ohn‘ Hund kein Waidwerk !“ Dieser Spruch hat immer noch Gültigkeit und wird sie behalten, solange wir jagen.
Die Arbeit der Jagdgebrauchshunde ist die Säule der Jagd ! Wir Hundeleute alle sind der Jagdgebrauchshundverband ! Ein Verband muss verbinden ! So ist eine Verbindung aller Hundeleute in der Öffentlichkeit genauso wichtig, wie der Verbund der Jäger. Für diese Verbindung ist die Öffentlichkeitsarbeit besonders wichtig ! Wenn wir sie nicht erstmal anpacken, verstärken können wir sie dann immer noch, verschwinden wir in der Bedeutungslosigkeit !

J.O.: Auf welchen Wegen und welchen Mitteln hat Ihrer Meinung nach die Öffentlichkeitsarbeit zu erfolgen?
C.F.: So wie sich unsere Welt verändert hat, hat sich sicherlich auch die Öffentlichkeitsarbeit verändert ! Man kann heute jede Tageszeitung auch in virtueller Ausgabe lesen. (Fast) Jeder hat heute ein Tablet, mindestens aber ein Handy. Mit beiden kann man meist auch fotografieren. Man kann sich im Handumdrehen per PC ( auch dem im Taschenformat) über alle Dinge des täglichen Lebens sofort informieren. Aber eine solche Information, die uns alle angeht, muss gebündelt vorliegen. Wir brauchen nicht nur eine „web site“, die muss auch dauernd gepflegt werden, wenn sie denn informieren soll und kann ! Allein diese Pflege, sprich: dauernde Unterhaltung auf dem neuesten Stand, braucht natürlich auch einen „Pfleger“. Das kann kein „Alleinunterhalter“ sein, der/die muss in ständigem Kontakt mit dem JGHV Präsidium, der Stammbuchkommision, den unterschiedlichen Zuchtvereinen, dem Tier- u./oder Naturschutz, dem Justitiar, der Redaktion „Jagdgebrauchsund“ stehen. Das bedeutet immense Arbeit, die aber virtuell ja relativ leicht abrufbar und verteilbar ist. Natürlich auch durchaus weiterhin die bisherigen Möglichkeiten nutzen, aber daneben ist ein virtuelles Angebot das Gebot der Stunde! Wenn z.B. ein Vorsitzender eines JGV sich im Kreis seiner Jäger-Kreisgruppe zu einer Hundearbeit äußern soll, zu der er bisher wenig oder keinen Zugang hatte, dann muss er sich doch ganz rasch über eine vorbereitete und vorhandene Position „seines“ Verbands dazu, allgemeingültig informieren können !
Bisher fehlt das leider völlig !

J.O.: „Im Zuge geplanter Jagdrechtsnovellen auf Landesebene wird bundesweit über die Jagd diskutiert – oftmals dominieren Emotionen statt Fakten. Der DJV hat 10 kritische Fragen gesammelt und gibt Antworten. „Alle Jäger sind gefordert, sich einzumischen, ob mit Leserbrief, Facebook-Eintrag oder Tweet“, sagte DJV-Pressesprecher Torsten Reinwald. Es gelte Flagge zu zeigen und den Gegnern nicht die Deutungshoheit zu überlassen – sachlich und fundiert. ( DJV-Pressemeldung vom 01.10. 2014 „Zeitgemäße Jagd“ ) Welche Bedeutung messen Sie dieser Aussage bei?
C.F.: Das ist ja das, was ich versucht habe darzustellen. So etwas ist bitter nötig. Kein Mensch ist allwissend, aber wenn man die Möglichkeit hat, sich rasch umfassend zu jeglichem kynologischem Thema zu informieren, dann kann man alle immer gut vertreten und macht da keinen Fehler. z.B. hörte ich neulich, dass jemand, gefragt nach der Notwendigkeit der lebenden Ente, nur wusste, dass die für die VGP nötig sei!!??? Mein Gott, wenn wir Wassergeflügel bejagen müssen – und das wird ja doch besonders deutlich an den nachträglich hergerichteten Biotopen, die so gern von Sonnenanbetern, Schwimmern und Badelustigen angenommen werden, aber eben auch als Biotop fungieren und von Wildgänsen und Wildenten als Lebensraum freudig genutzt werden. Dort müssen wir jagen, um die Populationen im Griff zu behalten. Und dazu brauchen wir ordentlich gezüchtete, ausgebildete, geprüfte und geführte Hunde. Jagd und Jagdgebrauchshundewesen müssen Hand in Hand arbeiten. Einer braucht den Anderen !

J.O.: Erachten Sie es evtl. als notwendig, von seitens des JGHV ein Positionspapier zu erstellen und seinen Mitgliedern als Argumentationshilfe zur Verfügung zu stellen?
C.F.: Das sollte dringend vorhanden sein bzw. schnellstens erstellt werden, damit jeder sich, bevor er seine eigene u.U. unqualifizierte Meinung in der Öffentlichkeit äußert, erstmal sachlich bestens informieren kann !

J.O.: Würden Sie ggf. die Abhaltung von Seminaren „Presse – und Öffentlichkeitsarbeit“ durch den JGHV anregen?
C.F.: Da ja viele von uns – und da will ich mich gar nicht ausnehmen – wenig, schlecht oder schwach in dieser neuen Info Sparte ausgebildet oder informiert sind, wäre das eine zwingende Grundsätzlichkeit, wenn man sie zum „eigenem Nutz und Frommen“ verwenden will.

J.O.: Werden Ihrer Meinung nach bereits die vorhanden Potentiale, wie z.B. die Internetseiten des JGHV und seiner Mitgliedsvereine im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit zu genüge genutzt?
C.F.: Schauen Sie sich doch nur mal unter www.jghv.de um. Da findet man kaum Aktuelles. Das muss sich dringend ändern. Dazu ist zwingend und dringend ein „Super virtueller Virtuose“ notwendig, der das ständig auf dem Laufenden hält und damit den Mitgliedern, die ja doch die potentiellen Nutzer sind, überhaupt erst mal die Möglichkeit schafft, sich dort zu informieren und die Verbandsposition kennen zu lernen.

J.O.: Was kann/sollte sich Ihrer Meinung nach hier ggf. ändern?
C.F.: Da muss im Zweifel erstmal der Beitrag geändert werden, denn zusätzliches, gutes „Personal“ gibt es nicht umsonst ! Und dann muss in aller Ruhe, nicht nur mit allen eigenen Verbänden und Vereinen, auch mit dem DJV und den LJV’s besprochen werden, wie wir uns zweckmäßig einbringen können, um dem Jagdgebrauchshundewesen den Stellenwert in der Jagd einzuräumen, den es braucht, denn, wie eingangs gesagt:
„Ohn Hund kein Waidwerk ! Und das ist gesetzlich auch fixiert !

J.O.: Da man nicht immer das Rad neu erfinden muss, stellt sich auch die Frage: Welche Bedeutung messen Sie der Möglichkeit der Verlinkung ( Links ) zu anderen Internetseiten wie z.B. www.jagdverband.de oder www.aktionsbuendnis-neue-medien.de auf den Internetseiten der JGHV – Mitgliedsvereine bei?
C.F.: Auch das ist ganz wichtig. Wie steht die offizielle Meinung der Jägerschaft dazu ? DJV, LJV ? Das muss man doch wissen, um sich einen Überblick verschaffen zu können und die eigene Argumentation entsprechend danach einbringen zu können. Leider scheint da jetzt schon manches im Argen zu liegen. Der JGHV ist Mitglied im VDH und der FCI. Es gibt ihn seit 120 Jahren. Ebenso alt ist unser Stammbuch. Wenn es also bei der Jagd um zertifizierte Jagdgebrauchshunde geht, dann ist der JGHV die Adresse. Leider haben das auch bisher die obersten Jagdbehörden nicht verinnerlicht. Es gibt sogar entsprechende Urteile. Ein „sehr erfahrener und längstjähriger“ Hundeflüsterer vertritt den „Verband“ der jagdhundezüchterischen Zufallsergebnisse. Ich fürchte auch, dass unsere Landesjagdverbände ( wenigstens nicht alle) sich nicht darüber klar sind, was der JGHV eigentlich für ein Wertpotential für die Jagd ist. Sonst könnten ja wohl auch nicht die leider doch so unterschiedlichen Brauchbarkeitsprüfungsordnungen mit den abenteuerlichsten und unterschiedlichen Schweißfährtenlängen auftauchen.
Aber, haben z.B. alle Verbandsrichter dazu eine verbandseigene Meinung ? „Einer sagt so, einer so !“
Solange wir daran über gemeinsame, verbandsvertretene Positionen nichts ändern, wird sich daran auch nichts ändern !

J.O.: Wie wichtig ist es Ihrer Meinung nach, dass alle möglichst im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit mit einer Stimme sprechen, wenn es um die „lebende Ente“, „Schliefanlagen“ und „Baujagd“ geht?
C.F. Das ist doch die Priorität Nr. 1. Ist es nicht schon schlimm genug, dass wir innerhalb unseres Landes unterschiedliche Rahmen für z.B. die Schweißarbeit haben ? Sicherlich hat sich Vieles verändert, aber die Grundlage für eine „normale“ Schweißarbeit ist doch geblieben ? Wenn ich ordentlich schieße und weiß, wie die von mir abgegebene Kugel wirkt, dann sind die 400 m von der guten alten VGP doch immer ausreichend. Bei schlechten Schüssen – wem sind sie noch nicht passiert ?? – und wenn mir das Anschussbild, sofern ich es lesen kann, und vielleicht Beobachtungen nach meinem Schuss, am beschossenen Stück zeigt, dass es keine Totsuche geben wird, dann war es noch nie verkehrt, sich einen Spezialisten zu holen. Nicht jeder, der mit seinem Hund z.B. eine VSwP oder VFSP bestanden hat, ist damit auch geeigneter Nachsucher (siehe UHDE: „Der Schweißhundführer hat immer Recht“ !! Wie kann ein LJV seine kynologischen Empfehlungen herausgeben, ohne vorher mit der Landes JKV und die wiederum mit ihrem Dachverband sich abgesprochen zu haben ? Über Baujagd und Schliefanlagen kann man sich erst dann äußern, wenn man ihre Notwendigkeit für das Revier erkannt hat. Bei der immensen Zunahme von Prädatoren in den Revieren ( an Zahl und Arten !!!) bekommen wir das anders gar nicht in den Griff.

J.O.: Kann Ihrer Meinung nach der JGHV in seiner jetzigen Aufstellung überhaupt die Koordinierung der öffentlichen Meinungsbildung übernehmen?
C.F.: Der JGHV kann das zwar leisten, aber nicht in der derzeitigen Aufstellung. Dazu wäre es notwendig, bestimmte Positionen neu zu schaffen und zu besetzen. Interessierte und entsprechend versierte Mitglieder gibt es allemal.

J.O.: Was für Anregungen möchten Sie dem JGHV und seinen Mitgliedsvereinen noch geben?
C.F.: Mit einer unausweichlichen Beitragserhöhung müssen wir im Verband dringend eine Sektion „Öffentlichkeitsarbeit“ schaffen. Jeder Zucht- u. Prüfungsverein aller Schläge und Rassen ist damit gefragt.
Diese Arbeit umfasst aber auch die verbesserte Fortbildung über die sich aus den „Neuen Medien“ sich ergebenen Möglichkeiten. Wir brauchen z.B. eine gute DVD für die Wasserarbeit. Damit kann man wesentlich einfacher, als sich jedes Mal einen ungeeigenten Hund zu suchen und vorzuführen, all das zeigen, worauf es ankommt, bei einer Richterschulung. Dies ist aber auch geeignet, um z.B. interessierten Jägerschaften, politischen Parteien und/oder Interessengruppen Tier- und/oder Naturschutz aufzeigen zu können, wie so etwas abläuft. Zu jeder Sparte z.B. der VGP: Wald, Feld, jeweils mit Untergruppen: Stöbern, Buschieren, Ablegen, Verhalten auf dem Stande, Schleppen, Suche ist so etwas möglich. Damit wäre auch der „level“ von Fortbildungen einheitlicher.
Und dann ist es m.E. zwingend notwendig, dass wir uns auf unsere jagdliche Gemeinsamkeit besinnen !
Alle Jagdgebrauchshunde haben die Jagd zum Beruf. Einer kann dies besser, der andere Jenes. Aber den anderen schlecht zu reden und nur die eigene Rasse/Schlag anzuerkennen, bringt uns nichts, höchstens in Verruf. Und ein Verbandsrichter ist auch das Aushängeschild des Jagdgebrauchshundewesens. Man sollte sich dessen stets bewusst sein und entsprechend auftreten. Wenn die Verbandsrichter zertifiziert sind, dann müssen sie sich auch entsprechend verhalten und verbandstreu auftreten.
Unser gutes altes Stammbuch ! Die ganze (Hunde-) Welt beneidet uns darum !
Auch besteht die Möglichkeit, es virtuell aufzuarbeiten und man könnte dann viel rascher an all das Wissenswerte ran, was einen interessierten Führer oder Züchter daraus wichtig ist.
…. es gibt viel zu tun, packen wir’s an !

J.O.: In diesem Interview hat Herr Frucht eine Reihe von Anregungen geben. Bleibt vom JGHV und seinen Mitgliedsvereinen zu prüfen, was vordringlich angegangen werden muss / kann. Für das Interview meinen besten Dank!

Erstveröffentlichung: Der Jagdgebrauchshund, 3/2015, S. 10-12

Mit freundlicher Zustimmung der Redaktion „Der Jagdgebrauchshund“.

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