Gedanken zur Jagd

Von Ulrich Dissmann, Reichshof

Auf der Suche nach der jagdlichen Moral

Ich habe in den letzten Jahren immer gehofft, unsere Gesellschaft würde besser verstehen was wir Jäger tun, warum wir jagen, was für uns Jagd bedeutet. Ich habe immer dafür geworben, mehr Akzeptanz für das jagdliche Handwerk zu finden. Doch ich bin immer wieder ernüchtert – ja enttäuscht.

Es sind nicht wenige Jagdscheininhaber, die glauben, Jagd sei ein Hobby. Ja sicher, – wir gehen gerne in den Wald! Aber wir gehen keinem Hobby nach! Jagd ist Berufung, Jagd ist Naturschutz, Jagd ist Verantwortung für das einzelne Tier, es ist legitim zu jagen und Wildtiere zu erlegen. Es ist besser , selbst die Verantwortung für den Umgang mit der Kreatur zu übernehmen, auch bis zur waidgerechten Erlegung. Vor allem das nicht Solchen zu überlassen , die aus abstrusen Ideologien oder blanker Gier heraus immer mehr Wild niederstrecken wollen. Jene , die das im Schilde führen, führen in ihrem Vereinsnamen immer auch das Wort „ökologisch“. — Absolut irreführend .– Es ist nicht hinnehmbar, dass die Jagd alleine auf das Erlegen von Tieren reduziert wird. Die Gier ist wie die Ideologie ein schlechter Ratgeber. Wir alle sollten uns deshalb von Leuten distanzieren, die unser Wild als Ungeziefer bezeichnen, das den Wald wegfrisst und daher totgeschossen werden muss!

Unter dem Begriff Jagd ist nämlich bei weitem nicht nur das Jagen alleine zu verstehen. Das jagen ist noch der geringste Teil der Aufgaben eines Jägers. — Waidgerechtigkeit , Hege und Verantwortung sind die Werte, die untrennbar mit der Jagd verbunden sind und das auch unbedingt bleiben müssen.
Jagd bedeutet den Umgang mit dem höchsten Gut, – mit Leben und Tod – von Kreaturen. Jagd bedeutet – sehen, beobachten, begreifen, sich einfühlen, erkennen, eins werden mit der Natur, wissen dass man selbst nur ein Mitgeschöpf ist. Jagd bedeutet Zusammenhänge verstehen und positiv beeinflussen.

Wie schön kann es sein, einfach nur zuzuschauen und den Finger gerade zu lassen, Tiere zu beobachten, die Idee des Lebens in ihnen zu erkennen , auch „ihnen“ einen Lebensraum zuzugestehen. Jagd ist also ein Synonym für Verantwortung für den gesamten Bereich der Jagd, mehr noch: Für den gesamten Bereich der Natur!

Durch nichts ist es gerechtfertigt, sich auf einzelne Arten zu konzentrieren und alles andere außen vor zu lassen. Die bekannten Vereine mit dem Zusatz ÖKO – kennen doch nur drei Arten: Wolf, Luchs und Wildkatze. Und das genau ist der Unterschied zur verantwortungs-vollen Ausübung der Jagd: Wir Jäger kümmern uns um alle Tiere! Wichtiger denn je ist es auch, dass wir das eigentliche Anliegen der Jagd ganz in den Vordergrund stellen: unser Anliegen ist die Fürsorge für Fauna und Flora, für Wald und Wild. Selbstverständlich sind auch wir Jäger für eine artenreiche Fauna und unterstützen einen notwendigen Waldum-
bau. Die Devise muss also weiterhin heißen: – Wald und Wild, – so wie in der Vergangenheit auch in der Zukunft !

Die Kunst des Waldbaus hat sich zur Zeit auf die einzige Maxime verengt: Tötet soviel Schalenwild wie möglich. Dies alles führt dazu , das die Jagd sich verändert hat und mit ihr die Jäger , die nicht mehr auf Augenhöhe mit der Öffentlichkeit , mit Tier-, und Naturschutz-verbänden als – moralische Kompetenz – werben können.

Wesentliches Element für einen Jäger ist die Hege: Sie ist mit gutem Grund im Jagdrecht verpflichtend verankert. Die Hege erhält und fördert die Lebensgrundlagen aller Wildtiere. Sie ist ein Grundelement des Selbstverständnisses der traditionellen und ethischen Jäger. Die Hegepflicht erstreckt sich sowohl auf alle jagdbaren und nicht jagdbaren Tiere als auch auf die Flora. Kurz gesagt : Wald und Wild!

Die Liste der ökologischen Sticheleien gegen die altbewährte traditionelle Jagd und diesen Grundsatz „Wald und Wild“ könnte man noch unendlich fortführen. Und schließlich haben diese Herrschaften auch ein politisches Sprachrohr gefunden. Wie haben die Grünen im Landtagswahlkampf 2015 plakatiert? „Jeder Baum ist eine Wohnung!“ Dann frage ich mich doch, wie man hunderte dieser Wohnungen abholzen kann, nur um ein einziges Windrad im Wald aufstellen zu können.

Wir sehen also, dass es heute bei weitem nicht mehr reicht, sich auf die Jagd in ihrer Gesamtheit zu konzentrieren. Wenn wir die traditionelle, waidgerechte und ethische Jagd erhalten und die Angriffe von außen abwehren wollen , müssen wir uns auch in Zukunft intensiv jagdpolitisch einbringen. Dazu brauchen wir keine Bevormundung. Von niemandem. Wir Jäger wissen sehr genau , worauf es ankommt: Jagd umfasst die gesamte Fauna und Flora. Dazu gehören die Waidgerechtigkeit, die Hege, die selektive Jagd und der Respekt vor der Schöpfung. Als Teil der Schöpfung müssen wir Jäger das erkennbar nach außen tragen und leben. Jeder von uns soll sich an die eigene Nase fassen und sich auf das Wesentliche besinnen. Es geht auch nicht darum, ob wir jagen oder nicht. Es geht darum , wie wir jagen. Es geht darum, die uns anvertraute Natur in Besonnenheit zu umsorgen für ein vernünftiges Miteinander von Wald , Wild und Mensch!

Wer sich Jäger nennt, darf weder die Ethik noch den Tierschutz aus dem Blick verlieren. Andernfalls degradiert er sich selbst zum gemeinen Wildvernichter. Unsere Aufgabe ist es , durch unser Handeln den Schöpfer im Geschöpfe zu ehren. Erst dann haben wir Jäger die Botschaft unserer jagdlichen Lebenseinstellung richtig verstanden.

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Ein Gedanke zu „Gedanken zur Jagd

  1. Delfin Kalinke

    Hallo Herr Dissmann
    Vielen Dank für Ihren kritischen Bericht.
    Da kann man als Jäger nur dahinter stehen… Wildvernichtung hat bei der Jagd nichts verloren!
    Waidmanssgruss, D. Kalinke – Schweizer Jagdblog

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