Gedächnis des Verbandes

Von Joachim Orbach

Das Landesarchiv Schleswig-Holstein

Das Landesarchiv Schleswig-Holstein

Das jagdkynologische Archiv des Jagdgebrauchshundverbandes ( JGHV ) in Schleswig ist eine einzigartige Fundgrube für Informationen über das deutsche Jagdgebrauchshundwesen. Joachim Orbach hat mit den Archivar interviewt, um diese Institution vorzustellen.
Vom Archiv des JGHV werden alle jagdkynologischen Forschungsergebnisse, Gutachten und andere jagdkynologisch relevante Ausarbeitungen gesammelt, sortiert und katalogisiert, um erhalten zu werden. Neben dieser umfangreichen Sammlung wird eine Bibliothek neuzeitlicher und antiquarischer Literatur unterhalten.
Wenn man über das jagdkynologischen Archivs berichten will, kann man die Namen von Johanna (+) und Helmut Ortlepp (+) aus Cuxhaven nicht unerwähnt lassen. Im Jahre 1984 konnte Helmut Ortlepp vom damaligen JGHV-Präsidenten und heutigen Ehrenpräsidenten Heinrich Uhde zur Übernahme des Archivs gewonnen werden. Wie Heinrich Uhde in seinen beiden Bücher „Das Jagdgebrauchshundwesen“ (100 und 110 Jahre JGHV) berichtet nahm sich Helmut Ortlepp gemeinsam mit seiner Ehefrau Johanna dem umfangreichen, weitgehend unsortiertem Archivmaterial an. Im Jahre 2004 übergab H. Ortlepp aus Altersgründen das gesamte Archivmaterial dem heutigen Archivar des JGHV im Landesarchiv in Schleswig-Holstein, Oberst a. D. Hans-Peter Köster. Der Weg bzw. der Umzug in das Landesarchiv war durch die persönlichen Beziehungen und auf Initiative des Vizepräsidenten Wolf Schmidt-Körby erst möglich geworden. Auf dem Verbandstag 2006 machte H.-P. Köster u. a. nachfolgende Ausführungen:

Deutsches-Gebrauchshunde-Stammbuch

Deutsches-Gebrauchshunde-Stammbuch

„Durch den Umzug in das Landesarchiv Schleswig-Holstein, meine Damen und Herren, sind entscheidende Voraussetzungen erfüllt worden, damit das Archiv seine zentrale Aufgabe als Gedächnis des Verbandes erfüllen und in seiner Funktion die historische Dimension des Jagd- und Hundewesens sichern kann. Im Archivvertrag zwischen dem Landesarchiv und dem JGHV sind die Grundlagen und Prinzipien des Verbandsarchiv festgelegt. Somit wird das Handeln des Verbandes sichtbar, transparent und nachvollziehbar. Das erfordert zwingend neben den Fachzeitschriften, Sach- und Stammbüchern auch die Sicherung des Aktenmaterials, in dem sich die Gremienarbeit des Verbandes spiegelt. Die damit einhergehende und durch tatkräftige Unterstützung seitens des Landesarchiv geschuldete Professionalisierung ist mit dem Präsidium abgestimmt. Nur so können wir über die gedruckte Dokumentation des JGHV hinaus die Qualität unserer Arbeit steigern, die ent- scheidungsbildenden und rechtssichernden Schritte in der Verbandsgeschichte verdeutlichen und die Bedeutung der Verbandsarbeit für den einzelnen und die Gesellschaft allgemein verständlicher und transparenter machen. Gleichzeitig erfordert diese Archivarbeit eine stärker Kommunikation im Innern des Verbandes und erlaubt es, fundierter nach außen zu wirken. … Ich hatte das große Glück, in einem Forsthaus mit Jagd und Hunden aufzuwachsen und habe mein Leben lang mit heißem Herzen gejagt. Deshalb freue ich mich besonders, dass Gesundheit und persönliche Lebensumstände mir die Möglichkeit geben, mich als ehrenamtlicher Archivar für das Hundewesen und die Jagd einzubringen.“

Um der Jägerschaft, den Rüdemännern, den Hundeführerinnen, Buchautoren sowie den Redakteuren von Jagdzeitschriften und den Mitteilungsblättern der Zuchtvereine das Archiv des JGHV -insbesondere aber auch die Möglichkeit der Nutzung- näher zu bringen, habe ich mit Herrn Köster nachfolgendes Interview geführt.

J.O. ( Joachim Orbach ): Was war nach der Übernahme des Archiv im Jahre 2004 zunächst der Schwerpunkt Ihrer Arbeiten?
H.-P. K. ( Hans-Peter Köster ): Der erste Schwerpunkt ergab sich aus dem Standortwechsel von Cuxhaven nach Schleswig, der damit einhergehenden Erfassung der Bestände nach Archiv – Gesichtspunkten und der Auswahl der Räumlichkeiten im Landesarchiv Schleswig – Holstein. Weiter begann nach der ersten Beratung seitens des Landesarchiv über Auswahl, Übernahme, Verwaltung und Sicherung der Unterlagen die Einordnung des Materials in Bibliotheksprogramm Allegro und Archivprogramm Aida. Parallel dazu wurden alle Zeitschriften, Stammbücher usw. katalogisiert.

J. O.: Können Sie dem Leser einen kurzen Hinweis über die Größenordnung der Materialsammlung geben?
H.-P. K.: Von Herrn Ortlepp übernommen habe ich ca. 109 lfdm. Material, aktuell ist dieser Ausgangsbestand auf ca. 130 lfdm. aufgewachsen.

J. O.: Was für eine Materialsammlung bildet den Schwerpunkt des Archivs?
H.-P. K.: Das sind Stammbücher und Zeitschriften, dazu inzwischen der erfasste Geschäftsverkehr des JGHV.

J. O.: Wie umfangreich ist in etwa die Bibliothek neuzeitlicher und antiquarischer Literatur?
H.-P. K.: Ca. 15 lfdm.

J. O.: Wie gut ist das Archiv mit Gutachten bestückt?
H.-P. K.: Da alle Gutachten themenbezogen archiviert und zudem in Zeitschriften veröffentlicht werden, ist der Zugang zu allen kynologischen Gutachten gewährleistet.

Chronik zum 75. jährigen Jubiläum des JGV-"Oberbergischer Jäger" e.V.

Chronik zum 75. jährigen Jubiläum des JGV-„Oberbergischer Jäger“ e.V.

J. O.: Verfügt das Archiv auch über Informationsmaterial seiner Mitgliedsvereine wie z.B. von den Zucht – und Prüfungsvereinen?
H.-P. K.: Das Archiv verfügt über Chroniken und Jubiläen der Vereine und Verbände, kein Werbematerial.

J. O.: Ist das Archiv nach Suchbegriffen sortiert?
H.-P. K.: Nein, Akten werden so archiviert wie sie entstanden sind, nämlich nach dem „Provenienprinzip“, wie in Archiven üblich. Bei der Erfassung werden Inhaltsverzeichnisse erstellt.

J. O.: Wie geht man bei der Suche nach Informationen am besten vor?
H.-P. K.: Kontaktaufnahme mit dem Archivar, dabei klare Definition der Fragestellung.

J. O.: Wie und wann kann man das Archiv nutzen ( evtl. verschiedene Möglichkeiten )?
H.-P. K.: Terminabsprache mit dem Archivar, am besten schriftlich über die im „ Jagdgebrauchshund“ bekannte Adresse.

J. O.: Würden Sie z.B. Redakteuren ( Fachgebiet Jagdkynologie ) von Jagdzeitschriften und Mitteilungsblätter der JGHV – Zuchtvereine einen Informationstag im JGHV – Archiv empfehlen?
H.-P. K.: Nein. Am besten Kontaktaufnahme und Terminabsprache mit dem Archivar. Der Archivar ist ein Einzelkämpfer, die anfallende Arbeit ist nur mit täglicher Präsenz zu schaffen.

J. O.: Sollte der JGHV evtl. einmal hierzu ein Seminar z.B. „ Fundgrube der jagdkynologischen Informationen“ im JGHV – Archiv anbieten?
H.-P. K.: Nein, weil zu aufwändig.

J. O.: Was ist zu beachten, wenn Material an das Archiv geschickt wird?
H.-P. K.: Beim Archivar nachfragen, ob vorhanden oder nicht. Nur Bücher und Zeitschriften, Akten über das Präsidium.

J. O.: Kann man beim Archiv vorab anfragen, ob z.B. Bücher bereits schon vorhanden sind?
H.-P. K.: Ja

J. O.: Worin sehen Sie für die nächsten Jahre die Schwerpunkte Ihrer Arbeiten im Archiv?
H.-P. K.: Fortlaufende Verzeichnung und Katalogisierung der Akten und Veröffentlichungen. Ganz wichtig wäre mir wesentlich mehr Zeit für eigenständige Untersuchungen und Nachforschungen.

J. O.: Was für Hinweise und Wünsche möchten Sie dem Leser dieses Artikels mitteilen?
H.-P. K.: Das Archiv ist u.a. eine Einrichtung des JGHV für seine Mitglieder. Ich verstehe meine Arbeit als Archivar in erster Linie als Dienstleistungsangebot und freue mich, wenn von dem umfangreichen und vielfältigen Möglichkeiten des Archivs Gebrauch gemacht wird. Gleichzeitig bitte ich um Unterstützung durch Zusendung von kynologischem Material zur Schließung mancher Lücke im Bestand.

Kontaktaufnahme Adresse: Landesarchiv Schleswig-Holstein, Archiv des JGHV, z.Hd. Hans-Peter Köster, Prinzenpalais, 24837 Schleswig, Tel: 04621 – 861 800, Fax 04621 – 861 801
Informationen über das Landesarchiv ( einschl. Anfahrt ) im Internet: www.landesarchiv.schleswig-holstein.de

Für das Interview möchte ich mich bei Ihnen Herr Köster bedanken.

Erstabdruck: In: „Der Jagdgebrauchshund“, Heft 5/2011, S. 8-9, mit freundlicher Zustimmung der Redaktion „Der Jagdgebrauchshund“.

Dieser Artikel wurde bisher 2084-mal gelesen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.