Die Ausbildung unserer Jagdhunde in Kursen und Lehrgängen

Ein Interview mit Uwe Tabel

Von Joachim Orbach

Uwe Tabel

Uwe Tabel

Wenn man von Lehrgängen und Kursen im Jagdgebrauchshundwesen spricht, kommt man  an dem Namen von Franz Strasmann als Pionier der Abrichtelehrgänge nicht vorbei. Er war es, der im Jahre 1936 den ersten offiziellen Abrichte- und Führerlehrgang in seinem Jagdgebrauchshundverein „ Bergisch Land“ einführte. Später war es denn u. a. Altmeister Dr. Carl Tabel der sich in der Praxis, Vorträgen und der Fachliteratur für diese Lehrgänge einsetzte. In die Fußstapfen des Vaters traten denn auch schon früh seinen beiden Söhne Uwe und Jörg. Bedingt durch die langjährige Erfahrung mit diversen jagdkynologischen Lehrgängen, eigene Erkenntnisse und die vielen ehrenamtlichen Tätigkeiten im Jagdgebrauchshundwesen von Uwe Tabel hat Joachim Orbach mit ihm ein Interview geführt.

Muss Ihrer Meinung nach der Lehrgangsleiter Verbandsrichter sein?
Uwe Tabel: Soweit es sich um reine „Abrichtelehrgänge“ handelt, die dem Jagdhundeführer den Weg zur Grundausbildung des Jagdhundes vermitteln, muss der Lehrgangsleiter nicht unbedingt Verbandsrichter sein, schon gar nicht genügt der Status allein.
Handelt es sich aber um Vorbereitungslehrgänge für Verbandsprüfungen, sollte der Lehrgangsleiter neben weiterer Qualifikation auch Verbandsrichter sein, dem Inhalt und Zielsetzungen der jeweiligen Prüfungsordnung geläufig sind.

Foto: Joachim Orbach

Foto: Joachim Orbach

Was für Kenntnisse und Befähigungen sollte Ihrer Meinung nach ein Lehrgangsleiter grundsätzlich mitbringen?
Uwe Tabel: Kenntnisse über Lernvorgänge beim Hund sind vorauszusetzen. Zudem sollten eigene, umfangreiche bzw. hinreichende Erfahrungen in der Ausbildung von Hunden unterschiedlicher Wesensart vorhanden sein. Der Lehrgangsleiter bzw. Lehrgangsgruppenführer soll sich in den Hund eines Teilnehmers kurzfristig einfühlen und ihn übernehmen können, um dem Lehrgangsteilnehmer einen Lernschritt seines Hundes zu demonstrieren. Schließlich muss der Lehrgangsleiter zu jedem Teilnehmer die richtige „Wellenlänge“ finden, um dessen angemessene Motivation aufrecht zu erhalten.

Sollte Ihrer Meinung nach der JGHV entsprechende Seminare für Lehrgangsleiter anbieten?
Uwe Tabel: Grundsätzlich sind Seminare für Lehrgangsleiter zu begrüßen. Ich meine allerdings, dass solche Seminare nicht eine vorrangige Aufgabe der Zentrale des JGHV sind. Sinnvoller erscheinen mir solche Seminare auf der Ebene von jagdkynologischen Vereinigungen der Bundesländer oder ähnlicher Organisation.
An Ihre Einführungsbemerkung anknüpfend will ich auf unterschiedliche, regionale Traditionen der Etablierung von Jagdhundeführerlehrgängen hinweisen. Während Franz Strasmann die „Abrichtelehrgänge“ über seinen JGV initiierte, werden diese Jagdhundeführer-Lehrgänge hier in Rheinland-Pfalz seit mehr als 50 Jahren vornehmlich von den Jagdhunde-Obleuten der LJV-Kreisgruppen durchgeführt. Auf deren jährlichen Tagungen sind sie Thema für Erörterungen.

Foto: Joachim Orbach

Foto: Joachim Orbach

Macht es einen Sinn einen sogenannten Stundenplan ( wie einst auch von Ihrem Vater angeregt) für Lehrgänge und Kurse zu erstellen?
Uwe Tabel: Stundenplan erscheint mir zu eng gegriffen, aber ein Leitfaden zu den Lernschritten sollte jedem Lehrgang zugrunde liegen. Der kann relativ detailliert niedergeschrieben sein, wie ihn z. B. der LJV Rhld.-Pfalz für die Hundeführerlehrgänge zur Verfügung stellt, oder in Form allgemeinerer Vorgabe durch die Lehrgangsleitung, nach denen sich die Gruppenleiter (Mentoren) richten, wie es z. B. der Pfälz. JGV für VJP– und VGP-Vorbereitungslehrgänge praktiziert.

Würden Sie ggf. die Ausarbeitung einheitlicher Musterstundenpläne durch eine entsprechende Kommission/ Ausschuss des JGHV empfehlen?
Uwe Tabel: Ein solches Unterfangen ist immer gut für Anregungen! Ich halte es aber besser bei den unter Frage (3) genannten nachgeordneten Organisationen aufgehoben, als beim JGHV zentral, weil die regional aktiven Lehrgangsleiter besser zu einer „gemeinsamen Sprache“ finden. Zu viele Unterschiede sind vor Ort betroffen, wie Übungsgelände, verfügbare Gruppenleiter (Mentoren), zeitliche Organisation, lehrgangstragende Vereine . . . u. a. m.
Demgegenüber wäre es m. E. besonders hilfreich, wenn – ggf. durch den JGHV koordiniert – eine Stoffsammlung zu Inhalten der diversen Lehrgänge erstellt würde, aus denen viele Anregungen übernommen werden könnten. Das betrifft weniger die Lehrgänge für die Grundausbildung von Jagdhunden als vielmehr die Vorbereitungslehrgänge zu bestimmten Verbandsprüfungen. Die Sammlung reicht vom reibungslosen Fangöffnen zur Gebiss-Kontrolle gelegentlich der VJP bis zur zentralen Bedeutung des Gehorsams bei der VGP oder gar VSwP.

Foto: Joachim Orbach

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Falls es möglich ist, sollte man da ggf. Lehrgänge in Lehrgänge zu Brauchbarkeitsprüfungen oder Verbandsprüfungen unterteilen?
Uwe Tabel: Die herkömmlichen Lehrgänge für Ausbilder von Jagdgebrauchshunden zielen auf die Grundausbildung. Vielfach steht am Lehrgangsende die Brauchbarkeitsprüfung. Abgesehen von der VJP sind sie zugleich eine Grundlage für die Vorbereitungslehrgänge zu Verbandsprüfungen. Daraus ergeben sich m. E. Unterteilungen.

Können die oftmals angebotenen ein- oder zweitätige Seminare die Teilnahme an Kursen oder Lehrgängen der Zucht – oder Prüfungsvereine Ihrer Meinung nach ersetzen?
Uwe Tabel: Kurzzeitige Seminare können natürlich Anregungen geben, sind insofern begleitend positiv wirksam. Sie können aber keineswegs einen bis zur Zielumsetzung andauernden Lehrgang ersetzen.
In dem Zusammenhang sei mir eine zusätzliche Anmerkung erlaubt:
Welpenspieltage“ sind z. Z. im Trend, nicht zuletzt auch nette, gut besuchte Vereinsveranstaltungen. Wenn davon aber kein Antrieb zu regelmäßigen Aktivitäten mit dem Welpen im Alter zwischen 8 und 20 Wochen ausgeht, bewegen sie wenig. In der Welpenziehung liegt ein enorm hohes Potential für die Entwicklung des Hundes, welches nur im regelmäßig und sachgerecht durchgeführten Lehrgangsablauf während der wichtigen 12 Wochen genutzt werden kann.

Was würden Sie jedem Erstlingsführer empfehlen?
Uwe Tabel: Jedem Erstlingsführer empfehle ich, sich über die Angebote an relevanten Lehrgängen frühzeitig kundig zu machen, vom Welpen-Erziehungslehrgang über den Grundausbildungslehrgang (Führerlehrgang), die Anlagenprüfungs-Vorbereitungslehrgänge bis zum VGP- (GP-)-Vorbereitungslehrgang, und diese nach Möglichkeit zu nutzen.

Würden Sie den Lehrgangsteilnehmer empfehlen, sich in kleinen Gruppen auch außerhalb zu den sogenannten Hausaufgaben zu treffen?
Uwe Tabel: In jedem Falle! Gemeinsam ausgeführte „Hausaufgaben“ bringen zusätzliche Lerngewinne, beflügeln die gegenseitige Konkurrenz in positivem Sinne und machen schlicht Spaß.

Foto: Joachim Orbach

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Wie oft sollten die Hausaufgaben zwischen den Lehrgangstagen ihrer Meinung nach sein ( Welpen-Junghundekurs u. Abrichtelehrgang )?
Uwe Tabel: Täglich, nach Möglichkeit mehrmals täglich, nicht das ganze Programm auf einmal und jeweils zeitlich begrenzt, besser 3 x 15 Minuten als 1 x 1 Stunde.

Abschließend möchte ich Sie noch um eine Abschlussbemerkung zum Thema Lehrgänge im Jagdgebrauchshundewesen bitten.
Uwe Tabel: Für die Institutionen unter dem Dach des JGHV und der Landesjagdverbände sind Lehrgänge für die Aus- und Fortbildung von Jagdhunden eine andauernde Dienstleistungsaufgabe. Sie dienen schließlich der sauberen, tierschutzgerechten Jagdausübung.

Erstveröffentlichung: Unter „Frühjahrszeit ist Lehrgangszeit“, In: „Der Jagdgebrauchshund“, 5/2013

Mit freundlicher Zustimmung der Redaktion „Der Jagdgebrauchshund“.

Weitere Informationen:
Joachim Orbach: “Entwicklungsphasen unserer Jagdhunde richtig nutzen.“
Joachim Orbach: “Begriffe der Kynologie und Jagdkynologie.“

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