Erst denken, dann kaufen!

Von Joachim Orbach

Was alles sollte der Erstlingsführer beim Kauf eines Jagdhundes im Vorfeld bedenken? Ein Rüdemann entwickelte eine Checkliste, die hilft, das der (Erstlings)Käufer eines Jagdhundes keinen Reinfall erlebt.

Winfried Edelmann

Foto: Winfried Edelmann

Bevor man sich einen Jagdgebrauchshund anschafft, wird man nicht spontan handeln, sondern gewisse Dinge zuvor gründlich abwägen. Am wichtigsten sind Fragen wie: Ist artgerechte Haltung des Vierläufers garantiert? Hat man genügend Zeit und rassetypische Arbeit im Revier für ihn? Wie steht die Familie zu diesem Schritt? Schließlich müssen alle im Haus bereit sein, gemeinsam Verantwortung für dieses Lebewesen zu übernehmen, das nicht nur Jagdgehilfe sein soll, sondern gerade heutzutage ein dem Jäger und seiner Familie über lange Jahre zur Seite stehender vieläufiger Kamerad. Ich habe mir zu diesem Thema einige Gedanken gemacht und sie zu Papier gebracht. Vielleicht helfen meine Ausführungen bei der Überlegung zur Anschaffung eines Jagdgebrauchshundes.

1. Unterbringung

Der Jäger wird sich nur dann einen Jagdhund anschaffen, wenn er in der Lage ist, den Hund art- und tierschutzgerecht zu halten und ihm die täglich erforderliche Zuwendung zukommen lassen zu lassen. Besteht im Haus die Möglichkeit, dem Hund einen angemessenen Stammplatz einzuräumen, ist das gut. Andernfalls wird draußen ein Zwinger gebaut, der den gesetzlichen Vorschriften entspricht. Man ist sich heute weitgehend darüber einig, dass eine kombinierte Haltung in Haus und Zwinger eine gute Lösung der Haltung darstellen kann. Und dann ist da noch ein Knackpunkt: Wie werden sich die Nachbarn verhalten? Schließlich gibt ein Hund auch mal Laut.

2. Auslauf

Wo kann dem Hund der tägliche Auslauf gewährt werden, ohne sich überwiegend auf Asphalt oder Beton zu bewegen? Der Bewegungsdrang der meisten Jagdhunde ist groß. Besteht daher die Möglichkeit und Zeit, die Bedürfnisse, auch was die Reviergegebenheiten angeht, je nach Rasse zu erfüllen? Oft wird nicht bedacht, dass das Gelände um den eigenen Wohnort das Revier eines anderen Jägers ist. Da sind Konfrontationen programmiert.

3. Urlaub

Wohin mit dem vierläufigen Kameraden im Urlaub? Was kommt für den Hundehalter in Frage? Mitnehmen, in die Hundepension mit Kosten zwischen 10 und 20 € pro Tag, zu Freunden oder Verwandten? All das sollte man vorher überdenken, sonst steht man plötzlich vor Problemen.

4. Laufende Kosten

Futterkosten, Hundesteuer, Medikamente, Tierarztkosten sowie eventuelle Beiträge bei einer Mitgliedschaft bei einem Jagdgebrauchshunde- oder Zuchtverein fallen an. Versichert sind Jagdhunde fast stets durch den Jagdschein über die Jagdhaftpflicht – für bis zu zwei Hunde, wenn sie sich nachweislich in Abrichtung befinden oder ihre jagdliche Eignung auf einer Prüfung nachgewiesen haben.

5. Einmalige Kosten

Der Anschaffungspreis ist – je nach Rasse, Welpe oder abgerichteter Hund unterschiedlich. Hundekorb, Decken, Zwinger, Hütte, Näpfe, Leinen, Hundeflöte, Fachliteratur, Übungshilfsmittel vom Apportierbock über Dummies bis zu teuren Schweißleine und eventuell Schlepp- und Übungswild sowie Lehrgangs- und Prüfungsgebühren bei einem noch nicht fertigen Hund.

6. Ausbildung

Bringt man entsprechende körperliche Verfassung, ausreichende Geduld, genügend Zeit, bestimmtes Grundfachwissen und die erforderlichen guten Nerven mit, kann man seinen vierläufigen Jagdhelfer selbst ausbilden. Andernfalls empfiehlt es sich, an einem der Welpen- oder später Hundekurse des Jagdgebrauchshundvereins oder der örtlichen Jägerschaft teilzunehmen. Steht geeignetes Gelände zur Verfügung oder muss man jedes Mal einen Revierinhaber fragen, ob man in seinem Revier mit dem Hund üben darf?

7. Bereits abgerichtet

Foto: Reinhard Görgens

Foto: Reinhard Görgens

Vorteile: Der bereits abgerichtete Jagdhund ist in der Regel stubenrein. Untugenden der Welpenzeit sind vorbei. Eventuelle Mängel sind dem Käufer bekannt zu geben (Kaufvertrag). Der Hund ist abgerichtet bzw. eingearbeitet und man kann nach einer gewissen Eingewöhnung bald mit ihm jagen. Allerdings wird man sich mit Verkäufer und Hund einige Stunden im Revier aufhalten, um sich den künftigen Jagdgefährten vorführen zu lassen. Dabei sieht und hört man – auf Kommandos und Handzeichen achten -, wie das Gespann sich auch verbal bisher verständigt hat. Für den zukünftigen Besitzer und Führer ist es wichtig herauszufinden, wie der Verkäufer als Führer agiert. Sowohl man selbst muss den neunen Jagdgefährten verstehen lernen, als auch umgekehrt. Nur so kann der Anfang harmonisch verlaufen und man zum Team werden.
Nachteile: Der unterschiedliche Kaufpreis für einen abgerichteten Jagdhund im Unterschied zur Anschaffung eines Welpen kann verständlicher Weise erheblich sein. Der fertige Hund ist bereits auf sein bisheriges Umfeld geprägt und abgerichtet. Auf sein Wesen und seine Persönlichkeit kann daher nur noch ein geringer Einfluß genommen werden. Es gibt aber Beispiele, in denen sich selbst erwachsene Hunde bereitswillig und problemlos umstellen.

8. Welpe

Foto: Birgit Wermerskirchen

Foto: Birgit Wermerskirchen

Vorteile: Wenn der Welpe in einem Alter von acht bis zehn Wochen zu seinem neuen Besitzer kommt, ist er noch leicht zu prägen und zu erziehen. Welpenkäufer und seine Familie finden in der Regel viel Freude daran zu erleben, wie sich der junge Hund geistig und körperlich entwickelt. Man kann ihn selbst formen und ausbilden sowie auf Prüfungen führen. Darauf möchten viele Hundefreunde nicht verzichten, die das einmal erlebt haben. Aus die Teilnahme an Welpen- und Abrichtekursen bringt neben den Fortschritten bei der Ausbildung des jungen Hundes viel Spaß durch die Arbeit mit anderen. Bevor man sich zum Kauf eines Welpen entschließt, wird man sich vor Ort überzeugen, wie er aufgezogen wurde. Züchter und Aufzuchtstätte sagen viel aus.
Nachteile: Ein Jagdhundwelpe verlangt viel Zeit, Einfühlungsvermögen Geduld und Konsequenz in der verschiedenen Prägungs-, Sozialisierungs-, Rangordnungs- und Rudelordnungphasen. Es wird ihm beispielsweise schwer fallen – vorallem nachts -, anfangs lange alleine zu sein, da der kleine Kerl ja plötzlich aus der gewohnten Wurfgemeinschaft gerissen wurde. Sein Ersatzrudel muss nun die Menschenfamilie werden. Ein Welpe braucht zu dem in den ersten Wochen bis zu vier Mahlzeiten am Tag, zudem entsprechende Impfungen sowie Entwurmungen (was später jedoch auch für einen erwachsenen Hund erforderlich ist). Er geht gerne auf Entdeckungsreisen, versucht überall zu zerren und zu beißen oder stellt seinem Spieltrieb entsprechend so einiges an. Die Gewöhnung/Erziehung zur Stubenreinheit nimmt auch – wenn auch individuell unterschiedlich – Zeit in Anspruch.

9. Rüde oder Hündin

Die Leistungsfähigkeit betreffend kann man guten Gewissens Rüde und Hündin gleichstellen. Die Behauptung, Hündinnen seien leichtführiger, trifft lange nicht immer zu. Ein Rüde hat jedoch unbestritten den Vorteil, dass er einem das ganze Jahr über zur Verfügung steht, was besonders für die Zeiten der Gesellschaftsjagden wichtig ist. Die Hündin hingegen fällt – abgesehen von den hygienischen Begleiterscheinungen bei Wohnungshaltung – alle sechs bis sieben Monate durch ihre mehrere Wochen andauernde Hitze aus. Allerdings raufen sich Rüden lieber mit anderen Geschlechtsgenossen, als das Hündinnen tun. Die oft größere Anhänglichkeit der Hündinnen kann bei Ausbildung und Abrichtung später von Vorteil sein.

10. Rasseauswahl

Foto: M. Knitter

Foto: M. Knitter

Da der Jagdgebrauchshund nur bei Ausübung seines „Berufs“ glücklich wird, wird man die Wahl der Rasse nach den vorhandenen Jagdmöglichkeiten treffen. Allein die Vorliebe für eine bestimmte Rasse darf nicht ausschlaggebend sein, wenngleich der Sympathiefaktor gegeben sein muss. Jeder wird unter der vielzahl unserer anerkannten Jagdhunderassen sicher fündig. Es kann zum Beispiel nicht jeder einen Schweißhund führen. Das sollte den Nachsuchen-Spezialisten vorbehalten bleiben. So werden beispielsweise unsere

Foto: Dieter Honsálek

Foto: Dieter Honsálek

kontinentalen Vorstehhunde als Allrounder angesehen udn sind für gemischte Reviere mit Schwerpunkten Feld, Wald und Wasser besonders geeignet. Ein Pointer gehört ebensowenig in ein Hochwildrevier im Gebirge wie eine Bracke in ein reines Niederwildrevier. Neben diesen Rassen leisten Stöber– und Erdhunde vielseitige und gute Arbeit in Waldrevieren. Reine Spezialisten möchte ich dem Erstlingsführer nicht empfehlen, da man damit weder Hund noch Führer einen Gefallen tut. Grundsätzlich spielt die Haltungsmöglichkeit ebensfalls eine entscheidene Rolle bei der Rassewahl.

 

11. Ahnentafel

Jghv-titelDa ich kein Freund der wilden Hundezucht bin, empfehle ich ausschließlich Hunde mit Ahnentafel eines vom Jagdgebrauchshundverband (JGHV) anerkannten Zuchtvereins. Bei diesen Hunden ist auf der Ahnentafel der „Sperlingshund“, ein Deutsch-Kurzhaar der einen Fuchs apportiert, als geschütztes „Markenzeichen“ aufgedruckt. Über die bestandenen Prüfungen und Leistungen der Vorfahren geben entsprechend verwendete Kürzel und Leistungszeichen auf der Ahnentafel Auskunft. Da nicht alle Mitgliedsvereine des JGHV ausschließlich auf jagdliche Anlagen und Leistungen züchten, wird der Hundekäufe auch dieses stets beachten und sich ggf. von einem Fachmann seines Vertrauens beraten lassen. Auf keinen Fall wird man sich mit den üblichen Redensarten einiger Verkaufsstrategen abspeisen lassen wie: „Meine Hunde bringen die besten Veranlagungen mit. Es fehlt ihnen nur an Übung und Gelegenheit zur Teilnahme an Prüfungen!“ Solche Behauptungen mancher Hundevermehrer sind keine bewertbaren Beweise, am allerwenigsten in der Jagdgebrauchshundezucht. Daher ist ein Nachweis von Anlagen und Leistungen unverzichtbar. Gesundheit, Wesensfestigkeit, Anlagen sowie Leistungen auf Prüfungen und in der praxis – und nicht übertriebenes Schönheitsgeplänkel – sind die Grundfesten der Jagdgebrauchshundezucht. An den Züchtern und Zuchtvereinen des Vertrauens liegt es daher auch, die Hundekäufer sachlich und korrekt diesen Grundsätzen entsprechend zu beraten. Eine Garantie gibt es allerdings nirgends, aber man kann die Risiken mindern.

12. Weitere Infos

Insbesondere empfehle ich zunächst jedem Hundekäufer, sich durch Fachliteratur und bei den regionalen Jagdgebrauchshundvereinen zu informieren. Sie geben Auskunft über die Möglichkeiten der Teilnahme an Kursen, Lehrgänge sowie Prüfungen und sind behilflich bei der Auswahl einer geeigneten Jagdgebrauchshundrasse. Hierbei ist allerdings zu berücksichtigen, dass fast jeder Rüdemann seine eigenen Rasse-Prioritäten vertritt. Weitere Infos über Zucht-, Prüfungsvereine und Jagdgebrauchshundrassen gibt der Jagdgebrauchshundverband. Gute und korrekte Information beugt in der Regel Fehlentscheidungen vor.

Erstveröffentlichung „Jäger“, 1/2009, S. 63-65

Mit freundlicher Genehmigung der Redaktion „Jäger“.

Hier finden Sie eine Liste der vom JGHV anerkannten Zuchtvereine.

Weitere Informationen:
Joachim Orbach: Denn vielseitig soll er sein.
Joachim Orbach: Die Welt der Kürzel und Leistungszeichen der Jagdhunderassen

Buchtip:

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