Die Öffentlichkeitsarbeit für die Jagd im Zeitalter des Internets

Von Volker Seifert

Startseite des JGV-Oberberg

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Wie alle Firmen, Einrichtungen, Vereine und Initiativen kommt auch die Jagd z.B. die Jagdverbände, Kreisjägerschaften, Hegeringe oder die Vereine im Jagdgebrauchs-hundewesen nicht ohne einen ansprechenden Internetauftritt aus. Sie sind gezwungen, wenn sie und ihr Anliegen in der Öffentlichkeit wahrgenommen werden wollen, sich im Internet zu präsentieren.

Da dies spätestens seit 15 Jahren so ist, ist es umso verwunderlicher, das einige Verantwortliche dieses Medium stiefmütterlich behandeln und sich wenn überhaupt oftmals in einer ungeeigneten Form darstellen und damit ihre Ziele verfehlen. Da kann es einem schon schwerfallen, die Unkenrufe über die Zukunft der Jagd und des Jagdgebrauchs-hundewesens von dieser Seite aus noch ernst zu nehmen, haben sie doch dadurch nur noch den Stellenwert eines reinen Lippenbekenntnisses. Die Probleme bleiben aber bestehen und verschärfen sich.

Dabei sind es nur wenige Regeln, die es zu beachten gibt, um einen sinnvollen und informativen Internetauftritt zu erstellen. Die wichtigsten Überlegungen dazu und deren Umsetzung sollen hier anhand der Internetseite des JGV „Oberbergischer Jäger“ exemplarisch beschrieben werden.

Einfach und kurz

Oberste Regel ist, das man sich immer in die Nutzungsgewohnheiten der derjenigen User versetzt, die man ansprechen bzw. erreichen möchte. Dazu muss man sich fol-gende Frage stellen: Wie präsentiere ich welche Informationen?

Eine Internetseite sollte immer klar, einfach und selbsterklärend sein. Um sicher zu gehen, dass eine Webseite einfach zu benutzen ist, muss der Grundsatz „Don’t make me think“ beherzigt werden. Die Besucher einer Webseite mögen es nicht, darüber nachzudenken, wie die Seite bedient wird.

Viele Vereine missverstehen ihren Internetauftritt als eine digitale Version der Vereins-zeitung zur Mitgliederinformation. Das hat häufig zur Folge, das eine überbordendes Informationsangebot die Nutzer verschreckt, die die Seite wieder verlassen und ihre Inhalte vollkommen unbeachtet lassen.

Internetadresse

Die Internetadresse sollte möglichst kurz und eingängig sein. Der JGV „Oberbergischer Jäger“ entschied sich für www.jgv-oberberg.de. Vermeiden sie ellenlange Adressen mit endlos Bindestrich-Kombinationen.

Suchmaschinenoptimierung

Darunter versteht man alle Maßnahmen, die es den Suchmaschinen erleichtert, die Seite zu finden und auszuwerten. 95% alle User gehen über Suchmaschinen und geben nicht eine direkte Adresse ins Browserfenster ein. Wer also von den Suchmaschinen nicht erfasst wird bleibt ein blinder Fleck.

Design

Halten sie die Seite klar und übersichtlich.
Das Menü sollte nicht mehr als max. 15 Einträge besitzen. Wenn sie mehr brauchen, arbeiten sie mit Untermenüs.
Verwenden sie einen möglichst hohen Kontrast zwischen Hintergrundfarbe und Text-farbe. Helle Hintergrundfarbe gelten allgemein als freundlicher, aber auch dunkle Hinter-gründe, wenn die Farbauswahl zum Thema passt, können einen seriösen Eindruck vermitteln und leicht leserlich sein. Verzichten sie auf grelle Farben und begrenzen sie die Anzahl der eingesetzten Farben auf max. 5.
Halten sie den Umfang des Inhaltes so knapp wie möglich. Sie sollten verhindern, das der Benutzer „scrollen“ muss. Wo dies nicht möglich ist, strukturieren sie den Text so, das die wichtigsten Informationen sich im ersten sichtbaren Teil befinden oder verwenden sie eine Inhaltsangabe.
Sie brauchen das Rad nicht neu zu erfinden. Verweisen sie wenn möglich auf weitere Internetseiten (Links), die die entsprechenden Informationen, auf die sie hinweisen möchten, bereits anbieten.

Texte und Bilder

Stellen sie übersichtliche und klar strukturierte Inhalte bereit.
Verwenden sie serifenlose Schriftarten (am besten ist Verdana für das Web geeignet) und eine Schriftgröße von mindestens 12 Punkt.
Arbeiten sie mit deutlichen Überschriften und strukturieren sie den Text in einzelne kurze Absätze.

Bildergalerie

Bildergalerie

Lockern sie jeden Artikel mit einem höchsten jedoch zwei Bildern auf. Sollten sie mehr Bilder bereitstellen wollen, arbeiten sie mit einer Bildergalerie. Aber auch hier gilt – Weniger ist Mehr.
Für die Suchmaschinen ist es wichtig, das die Bilder mit einem Alternativtext versehen werden, der beschreibt, was auf dem Bild zu sehen ist. Zum Beispiel sollte nicht die Bezeichnung „Bild0815“ verwendet werden, sondern die beschreibende Bezeichnung „Totverbeller“.

Verzichten sie auf bewegte Elemente, wie Animationen oder Pop-up-Fenster. Diese wirken störend und unprofessionell.

Hintergrund-Musik

So stimmungsvoll Jagdhornklänge und Hundegeläut auch im Wald sind, so hat Hintergrund-Musik auf einem seriösen Internetauftritt nichts verloren.
Auch sollten Sie bedenken, das viele Personen Ihre Seite während der Arbeits besuchen, wo sich Hintergrund-Musik störend auswirken kann.
Slbstverständlich spricht nichts dagegen, wenn Sie in einem gesonderten Menüpunkt z.B. Jagdsignale zum anhören anbieten. Beachten Sie aber dabei, wir bei den verwendeten Texten und Bildern auf das Urheberrecht, verwenden Sie nur selbsterstelltes oder holen Sie sich im Vorfeld das schriftliche Einverständnis des Rechteinhabers.

Werbung

Verzichten sie auf Werbung im redaktionellen Teil der Seite. Die geringen Kosten (jährlich ca. 50,- €) einer Internetseite müssen nicht gegenfinanziert werden und sollten Sie auf einzelne Förderer ihres Verein aufmerksam machen wollen, richten sie lieber einen gesonderten Menüpunkt ein.

In diesem Zusammenhang sollten Sie die Seite auf keinen Fall auf einem kostenfreien Server anbieten. Diese Anbieter refinanzieren sich nämlich über Werbeeinblendungen, auf die sie nicht einmal einen Einfluss haben.

Was erwartet der Besucher einer jagdlichen Internetseite?

Entgegen der vorherrschenden Meinung vieler Vereine werden die Seiten in einem verschwindend geringen Umfang von Vereinsmitgliedern besucht.
In erster Linie besuchen Außenstehende ihre Seite und die suchen in 90% der Fälle nach:
– Was macht der Verein oder die Vereinigung
– Wie erreiche ich den Verein – Kontaktdaten
Die wesentlichen Informationen und die Kontaktdaten stellen somit diejenigen Inhalte dar, den der Besucher erwartet leicht zu finden.
Auf der Startseite stellen sie in wenigen Zeilen den Verein, seine Angebote und seine Ziele dar.
Verzichten sie im redaktionellen Teil auf ausführliche Informationen z.B. zur Vereins-geschichte oder detaillierte Ausführungen z.B. über Jagdhundeabrichtung. Diese können sie in einem Download-Bereich anbieten. Auch sucht niemand auf Ihrer Internetseite nach Prüfungsergebnissen aus den 1960er Jahren.

Gästebuch

Auf die Bereitstellung eines Gästesbuches, indem Seitenbesucher einen Kommentar hinerlassen können, sollten sie verzichten. Dieses Angebot wird auf den wenigsten Seiten angenommen und wirkt dann sehr schnell unprofessionell.

Aktualität

Halten sie ihr Internetangebot immer aktuell. Verstrichene Termine oder Prüfungs-ergebnisse aus dem Vorjahr sollten gelöscht werden. Eine regelmäßig gepflegte Internetseite vermittelt immer den Eindruck, das die Personen dahinter engagiert sind.
Alle drei bis fünf Jahre sollten sie ihre Internetseite „refreshen“, d.h. den Programmier-code der aktuellen Programmiertechnik anpassen und dabei, wenn notwenig, Anpassung am Design vornehmen.
Auch sollten sie berücksichtigen, das die auf ihrer Seite hinterlegten Mailadressen täglich abgerufen werden. Das Internet ist ein schnelles Informations- und Kommunikationmedium, bei dem der Besucher erwartet, das seine Mail innerhalb von 24 Stunden beantwortet oder zumindest darauf reagiert wird.

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Ein Gedanke zu „Die Öffentlichkeitsarbeit für die Jagd im Zeitalter des Internets

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