Die Fuchsbejagung durch die Bodenjagd und deren „Gesetze“

Von Joachim Orbach

Genau wie in früherer Zeit werden in der heutigen Zeit auch Füchse noch wegen des Balges und der Niederwildhege bejagt, aber auch andere Gründe spielen eine große Rolle. Einmal ist eine Regulierung überhöhter Fuchsbesätze aus Gründen zum Erhalt der Artenvielfallt im Wald und Feld in unserer gewachsenen Kulturlandschaft unabdingbar, und dann spielt die Bekämpfung von Seuchen in einem dichtbesiedelten Land wie Deutschland eine nicht zu unterschätzende Rolle. Dieser Tatsache sollte sich auch jeder Politiker bewusst sein, der verantwortungsbewusst in der Jagdgesetzgebung handelt. Mit steigenden Fuchsbesätzen wachsen nämlich die Gefahren von Seuchen / Erkrankungen wie Räude, Staupe, Fuchsenzophalitis, Fuchsbandwurm und in der Vergangenheit auch der Tollwut. Genau wie in der Vergangenheit auch, ist es auch in der heutigen Zeit angesagt, den ausgesprochenen Kulturfolger Fuchs durch alle jagdlichen Möglichkeiten intensiv zu bejagen und damit eine überhöhte Population flächendeckend zu verhindern. Hierbei sollten alle Verantwortlichen einmal bedenken, wie in der Vergangenheit auch Aktionen der Behörden versagten, was auch in der heutigen Zeit geschehen kann, wenn falsche Entscheidungen von der Politik gefällt werden. In diesem Zusammenhang fällt mir ein Zitat von Prof. Dr. Carlo Schmid – Völkerrechtler und einer der Väter unseres Grundgesetz- ein: „Als ich jung war, glaubte ich, ein Politiker müsse intelligent sein. Jetzt weiß ich, dass Intelligenz wenigstens nicht schadet“.

Die hohe Flexibilität des Fuchses, nicht nur bei der Wahl der Geheckbaue, ließ die unselige europaweite Begasungsaktion der Baue zur Welpenzeit im Rahmen der Tollwutbekämpfung Ende der 60er Jahre scheitern. Die Begasung traf derzeit nicht wie beabsichtigt die Füchse, sondern -mit dem Artenschutz wenig zu vereinbaren- den „reinen“ Erdbewohner den Dachs. Bekanntlich gingen danach die Dachsbesätze zurück, haben sich aber in der Zwischenzeit mehr als erholt.

Die Jäger sind durch das Gesetz verpflichtet, wegen der Gesundheit des Wildes, aus Gründen der Tierschutzrelevanz sowie der volkswirtschaftlichen Komponente Aufgaben der Überwachung und Bekämpfung von Wildseuchen zu übernehmen. Weiterhin sollen Jäger ja noch zum Erhalt eines artenreichen Wildbestandes und nicht jagdbarer Arten beitragen. Damit ist die Jagd auf Raubwild, insbesondere auf den Fuchs, zeitgemäß und unverzichtbar. Eine nachhaltige Populationsregulierung durch Treib -, Drück – und Ansitzjagd allein ist aber nicht möglich, wie es die Vergangenheit uns bewiesen hat. Daher sind die Möglichkeiten der Bodenjagd zu nutzen. Zu dieser Schlussfolgerung gelangte auch bereits 1989 der bekannte Prof. Dr. L. G. Schneider als Direktor des WHO Tollwutzentrum an der Bundesforschungsanstalt für Viruskrankheiten der Tiere in seinem Artikel „Notwendigkeit der Bejagung des Fuchses in Deutschland“ ( DJV-Nachrichten 2/1989 ).

Die Bodenjagd mit firmen Erdhunden in den Herbst- und Wintermonaten, also in einer Zeit, in der es keine Kinderstube gibt, ist zugleich spannend und lohnend. Besonders wenn bei winterlicher Bodenjagd zur Zeit der Ranz oftmals mehrere Füchse ( in der Regel eine Fähe und Rüden ) zugleich im Bau stecken und gesprengt werden. In diesem Zusammenhang kann man auch nicht von „Hausfriedensbruch“ sprechen, wenn Füchse in dieser Zeit gesprengt werden, denn der Fuchs ist im Gegensatz zum Dachs kein reiner Erdbewohner. Zudem wollen Jäger Füchse sprengen und nicht Dachse graben. Ein erfahrener Bodenjäger erkennt schon den Unterschied zwischen einem Dachs – und Fuchsbau. Und was wichtig ist, die im Winter erlegten Füchse sind in der Regel sogenannte Standfüchse. Überdies ist diese Jagdart von hohem Reiz für jeden Jäger, der seine Befriedigung auf der Jagd nicht am kunstlosen Totschießen sucht, sondern Freude an der errungenen Beute und am feinen Zusammenspiel mit dem Hund findet. Ebensowenig taugt die Bodenjagd für denjenigen, der glaubt, der Fuchs sei „überflüssig“ und gehöre nicht in unsere Wildbahn. Da der Jäger Füchse sprengen will, ist die Bodenjagd auch nicht mit einer Hetzjagd zu vergleichen, sondern mit einer Stöberjagd unter der Erde. Damit ist die Bodenjagd auch eine tierschutzkonforme Jagdart genau wie alle anderen Jagdarten bei denen brauchbare Jagdhunde erforderlich sind. Wer käme schon auf den Gedanken von „Hausfriedensbruch“ zu sprechen, wenn Sauen in einem Maisfeld stecken?

Der DJV, die LJV,s , der JGHV, die JKV´s und die Zuchtvereine für Erdhunde müssen / sollten sich daher weiterhin verstärkt für den Erhalt dieser Jagdart flächendeckend in Deutschland engagieren, denn die Bejagung des Fuchses ist weiterhin eine Notwendigkeit.

Was man bei der Bodenjagd beachten sollte!

Revidieren der Baue

Soll insbesondere am Naturbau gearbeitet werden, beginnt man am Vormittag mit dem Revidieren der Baue, die dem Revierführer als eventuell befahren bekannt sind.

Beginn der Bodenjagd

Vor 10 Uhr sollte man nicht loslegen, da immer noch Füchse unterwegs sein können. Bei zu späterem Beginn könnte eintretende Dunkelheit die Arbeit allerdings erschweren, wenn zum Beispiel einmal ein Einschlag gemacht werden muss oder eine Nachsuche ( Verlorensuche ) ansteht, was immer vorkommen kann.

Naturbaue

Fuchs und Dachs stecken gerne gemeinsam in großen Naturbauen. Da der Dachs nur selten vor dem Hund springt und sowieso in den meisten Bundesländern in den Wintermonaten Schonzeit hat, sollte man solche Baue nur mit einem erfahrenen Erdhund arbeiten, der am Dachs abbricht. Ansonsten solche Baue meiden. Diese erkennt man oft an den Dachsrinnen oder – kloaken.

Künstliche „ Behausungen“

Erfahrungsgemäß steckt der Fuchs weit weniger oft in den angestammten bekannten Naturbauen, wenn trockenliegende Wegdurchlässe, Drainagerohre oder künstliche Revierbaue vorhanden sind. Die Anlage von künstlichen Revierbauen empfiehlt sich besonders dort, wo die Fallenjagd nicht möglich ist und / oder natürliche Tagesdeckung für die Füchse fehlt.

Erdhunde

Egal ob Terrier oder Teckel – reine Vorlieger, also Erdhunde, die stundenlang verbissen am Raubwild vorliegen, wenn der Fuchs einmal nicht nach einer gewissen Zeit springt, sind für die „zügige“ Jagd ungeeignet. Altmeister Oberforstmeister Rudolf Frieß bezeichnete einst den Prototyp für die Fuchsjagd unter der Erde als „ Flieger“. Das ist ein Erdhund, der der dem Fuchs zusetzt, aber zwischendurch immer wieder ans Tageslicht kommt, um eine andere Röhre anzunehmen oder um sich zu vergewissern, ob oben sein Führer noch steht. Wichtig ist, dass er sich notfalls auch abnehmen lässt.

Einsatz der Erdhunde

Über den Einsatz seines Hundes oder seiner Hunde entscheidet grundsätzlich der Hundeführer allein. Dies trifft insbesondere auf die Anzahl der Bodenjagdeinsätze sowie auf Dachsburgen und Felsenbaue zu. Vorrangig ist immer die individuelle Kondition des Vierläufers zu berücksichtigen.

Mitführen eines Verlorenbringers

Wird ein am Raubwild geeigneter Verlorenbringer zur Bodenjagd mitgeführt, muss er Standruhe halten und angeleint bleiben, so lange der Erdhund im Bau arbeitet ( bzw. angeleint ist ). Weitere Hunde haben bei der Bodenjagd am Bau oder in der Nähe des Bau nichts zu suchen.

Jagdleitung

Der Jagdleiter sollte natürlich mit der Bodenjagd vertraut sein, sonst überlässt man für den Tag der Bodenjagdeinsätze besser die Jagdleitung dem erfahrenen Hundeführer –selbst wenn dieser ein Gast ist.

Angehen des Fuchsbau

Äußerste Ruhe –gilt auch für Handys- ist bereits beim Angehen und anschließendem Anstellen selbstverständlich.

Anstellen der Schützen Die Windrichtung ist schon vor dem Anstellen zu beachten: Immer gegen den Wind anstellen. Nach Möglichkeit, vor allem bei Bauen, die in einem unübersichtlichen Gelände liegen, ist es ratsam, die beteiligten Schützen weiträumig abzustellen. In keinem Fall ist der angewiesene Stand unaufgefordert zu verlassen. Es ist auf gutes Schussfeld zu achten, und jeder Teilnehmer muss sich durch Handzeichen mit dem Nachbarschützen verständigen. Sitzstöcke ggf. nicht vergessen! Direkt am Bau agiert nur der Hundeführer.

Anzahl der Schützen

Bodenjagd sollte nicht in Treibjagdstärke ausgeübt werden. Je nach Geländebeschaffenheit genügen in der Regel drei bis fünf Schützen. Natürlich kann die Bodenjagd als revierübergreifende Aktion viele Jäger ansprechen, wenn die entsprechende Anzahl an Hundeführer zur Verfügung steht.

Schussabgabe

Nicht nur für die Sicherheit des Hundes ist es wichtig, niemals den Fuchs kurz vor oder in der Einfahrt zu beschießen, sondern ihn vom Bau weg flüchten zu lassen. Vorsicht ist auch geboten, wenn der Hund dem flüchtenden Fuchs dicht folgt. Mit Ausnahme für einen Fangschuss bei einem Einschlag durch den Hundeführer werden bei der Bodenjagd keine Kugelgeschosse verwendet –ich habe da schon so einige Dinge erlebt.

Wenn der Fuchs einmal nicht springt

Flüchtet der Fuchs oder die Füchse –was durchaus auch einmal vorkommen kann- auch vor dem firmen Erdhund nicht aus dem Bau, nimmt der Hundeführer –falls möglich – seinen Vierläufer ab. Die Schützen verharren aber weiter auf den Ständen. In der Regel springt der Fuchs nach kurzer Zeit –wenn jetzt auch äußerst vorsichtig- von selbst.

Grabeinsätze beziehungsweise Einschläge

Falls einmal ein Grabeinsatz erforderlich ist, sollte entsprechendes Schanzzeug zur Verfügung stehen.

Bauhundsender

Mit dem Bauhundsender ist man in der Lage, seinem Hund unter der Erde genau zu orten und ihm notfalls durch einen Einschlag zur Hilfe zu kommen. Einschläge sollte man aber immer nur Notfalls machen und nicht dann, wenn der Fuchs einmal nicht nach einer kurzen Zeit springt.

Versorgung von Hund und Mensch

Schutzimpfungen der Erdhunde gegen Tollwut, Staupe, eine regelmäßige Entwurmung, eine vorsorgliche Behandlung gegen Ektroparasiten sowie das Mitführen von Material zur Behandlung von Verletzungen und zur Augenspülung ( wie bei anderen Jagdarten mit Hunden auch ) sollten in der heutigen Zeit selbstverständlich sein. Ebenso sind für den Menschen gewisse Vorsichtsmaßnahmen, wie die Benutzung von Einweghandschuhen beim Umgang mit gestreckten Füchsen, angeraten. Nach Ende des Bodenjagdeinsatzes sollte auch eine entsprechende Versorgung unseres vierläufigen Jagdhelfers –insbesondere mit Trinkwasser-selbstverständlich sein.

Verwertung von Fuchsbälgen

Es gab einmal eine Zeit, da konnte man für wenige Fuchsbälge einen Drilling kaufen. Daran hat sich in der heutigen Zeit so einiges geändert, aber wir können und sollten dennoch Fuchsbälge verwerten. In diesem Zusammenhang möchte ich auf die „Fellwechsel GmbH“ hinweisen. Es handelt sich hierbei um ein Pilotprojekt des DJV in Zusammenarbeit mit den Landesjagdverbänden zur nachhaltigen Nutzung von Bälgen.

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6 thoughts on “Die Fuchsbejagung durch die Bodenjagd und deren „Gesetze“

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