Die Ansprache der Pirschzeichen am Anschuss – Schlussfolgerungen

Von Bernd Krewer

Die Untersuchung des Anschusses ist oft die halbe Ladenmiete (Foto: Alexander Kelle)

Die Untersuchung des Anschusses ist oft die halbe Ladenmiete (Foto: Alexander Kelle)

Ist der Schuss gefallen und das beschossene Wild in weite Fernen entfleucht, so begibt sich der Jäger nach entsprechender Wartezeit (siehe Kapitel Das Verhalten des Jägers vor und nach dem Schuss) zum Anschuss. Hat er sich vor dem Schuss entsprechende Anhaltspunkte gemerkt, so wird ihm das auch gelingen. Wenn nicht, ist es besser, den später geholten Hund an Anschuss suchen zu lassen, als selbst alles gründlich zu vertrampeln. Ich hatte schon darauf hingewiesen.
Ist der Anschuss gefunden, so sollte er mit den Augen abgesucht werden und nicht mit den Füßen. Am besten breitet man ein sauberes beziehungsweise unbenutztes Papiertaschentuch aus und legt sorgfältig alles darauf, was man so findet: Wildbretstückchen, Organteile, Knochensplitter, schweißbehaftete Blätter sowie Schnitthaare beziehungsweise -borsten.
Ein Schnitthaarbuch kann sehr hilfreich sein. Es ist allerdings in seiner Anlage sehr aufwendig und man findet es eigentlich ausschließlich in den Händen beziehungsweise Taschen der professionellen Schweißhundführer. Es wird selbstverständlich niemand dümmer, wenn er so ein Schnitthaarbuch anlegt. Deshalb sei hier kurz erläutert, wie man das macht:
Man nehme ein frisch erlegtes Stück Rehwild (als Beispiel) und eine Rasierklinge. Dazu schneide man sich ein Rehfoto (Reh breit stehend!) aus einer Jagdzeitung aus; und dann braucht man noch etliche kleine Klarsichtfolien-Taschen sowie mindestens zwei Serien selbstklebender Nummernfolgen von 1 bis 10.
Mit der Rasierklinge schneidet man nun an den verschiedenen Körperstellen (siehe Das Zeichnen des Wildes) kleine Deckenstückchen heraus und steckt diese in je eine kleine Klarsichtfolien-Tasche. Die Stelle am Wildkörper, von der man dieses kleine Deckenstück mit den Haaren daran entnommen hat, wird auf dem Foto mit derselben Zahl markiert beziehungsweise nummeriert wie auch die Klarsichtfolien-Tasche. Ist man damit fertig, überklebt man als vorsichtiger Mensch das Foto komplett mit durchsichtigem Tesafilm; das verhindert, das sich aufgeklebte Nummern ablösen. Leere Schnitthaarbücher sind unterdessen auch im Fachhandel erhältlich; wer damit zurechtkommt, kann sich ggf. die Anfertigung nach individuellem Anspruch ersparen.
Beim Rehwild braucht man eine solche Serie sowohl vom Reh in der Sommer- wie auch der Winterdecke.
Genauso verfährt man mit den anderen Schalenwildarten. Beim Rotwild muss man das Schnitthaarbuch nicht nur getrennt nach Sommer- und Winterdecke, sondern auch jeweils von Hirsch, Alttier und Kalb anlegen. Beim Damwild ist es wegen der Verschiedenfarbigkeit der Stücke untereinander (porzellanfarbig bis schwarz) und bei den „normal“ gefärbten Stücken wegen der übe den ganzen Rumpf verstreuten weißen Flecken noch problematischer und daher wenig aussagekräftig.
Ähnlich schwierig ist es beim Muffelwild, weil es hier – von Population zu Population unterschiedlich viele – Widder mit oder ohne Sattelfleck gibt. Allein die Struktur der Einzelhaare kann hier dem kundigen Schweißhundführer helfen, nicht aber die Farbe.

So könnte ein Schnitthaarbuch aussehen - heir ein Schnittborstenbuch (Foto: Karl Bergien)

So könnte ein Schnitthaarbuch aussehen – hier ein Schnittborstenbuch (Foto: Karl Bergien)

Gleiches gilt auch für das Schwarzwild. Die Farbe der Borsten gibt keinen Aufschluss über den Kugelsitz, es gibt eben „blonde“ und rabenschwarze Sauen und alle Übergänge dazwischen. Aber die Struktur der Borsten, deren Länge, ob „gemischt“ mit Unterwolle oder nicht, lässt schon relativ sichere Rückschlüsse auf den Sitz der Kugel zu. Schnitthaare und -borsten geben nur dann einen Aufschluss über den Sitz der Kugel, wenn sie tatsächlich abgeschossen wurden und nicht etwas mit der Wurzel nur einfach abgefallen sind. Das kann man manchmal nur mit einer Lupe erkennen.
Viele Schnitthaare/Schnittborsten am Anschuss deuten auf einen Streifschuss hin, man sollte sich nicht darüber freuen. Die meisten Haare/Borsten liefert der Ausschuss, sofern vorhanden. Ohne Ausschuss wird man beispielsweise im hohen Gras lange und meist vergeblich nach solchen suchen.
Das Finden dieser Pirschzeichen ist auch Übungssache. Es bedarf schon eines guten Auges, die braunen Haare eines Stückes Rehwild in der Winterdecke auf dem gleichfarbenen braunen Falllaub eines Buchenaltholzbestandes schnell zu finden. Einfacher ist das alles natürlich bei Schnee, aber wann haben wir den schon mal in unserem immer atlantischer = wärmer werdenden Klima.

Ein Gedanke zu „Die Ansprache der Pirschzeichen am Anschuss – Schlussfolgerungen

  1. Joachim Orbach

    Hinweis für Hegeringe und Jagdgebrauchshundevereine:

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    Joachim Orbach

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