Das Zeichnen des Wildes

All diese typischen Verhaltensweisen wird aber – ich sagte es schon – nur der Jäger erkennen, der es sich angewöhnt hat durch den Schuss zu sehen. Steht das variable Zielfernrohr auf sehr hohe Vergrößerung und zeigt folglich nur ein sehr kleines Gesichtsfeld, kann es passieren, dass der Jäger das beschossene Stück erst wieder suchen muss, weil es ihm im Schuss sozusagen „aus dem Glas gerutscht“ ist. In einem solchen Falle wird der Jäger dem Schweißhundeführer nur sehr vage Auskünfte geben können.
Bei den Bewegungs- /Drück- /Treibjagden kann es passieren, dass der Jäger eine Weile nach dem Schuss auf eine Sau beispielsweise in seiner Nähe den Standlaut der Hunde hört. Diese akustische Beobachtung muss er unbedingt dem Nachsuchenführer mitteilen. Es könnte ja beispielsweise sein, dass ein Führer von Stöberhunden anlässlich dieser Jagd die kranke Sau dort vor seinen stellenden Hunden erlegt hat. Natürlich wurde diese Sau nach dem Treiben abtransportiert und lag bereits auf der Strecke. Der am Folgetag eingesetzte Schweißhundführer kommt mit seinem Hund an diesem Punkt natürlich nicht weiter, weil ja von dort aus keine Fährte mehr weiterführt. Erst die Untersuchung der dort erlegten Sau im Kühlhaus kann die Gewissheit bringen (oder eben nicht), ob oder dass es sich tatsächlich um die nachgesuchte Sau handelt (wenn Stärke der Sau, vermuteter Sitz der ersten Kugel, Kaliber und Zeitpunkt des Anschusses sowie der Erlegung durch den Stöberhundführer zueinander passen).
Wichtig sind auch alle übrigen optischen wie akustischen Wahrnehmungen nach dem Schuss und deren Weitergabe an den Schweißhundführer. Vorbeigeschossenes, also gesundes Wild wird auch in dichter Dickung weniger Geräusche verursachen als ein beispielsweise laufkrankes Stück, das dort in Folge seines nicht mehr koordinierten Bewegungsablaufes Bäume anflieht oder einfach nur laut und unüberhörbar „wegpoltert“.
Wird ein Kalb beschossen, das mit seinem Alttier in die nahe Dickung geflüchtet ist – und kommt dann das Alttier alleine und „verstört wirkend“ wieder aus der Dickung heraus, so kann man getrost 10 gegen 1 wetten, dass das Kalb dort in der Dickung zusammengebrochen ist oder sich schwerkrank niedergetan hat.
Der Jäger muss also sämtliche Beobachtungen und Wahrnehmungen dem Schweißhundführer mitteilen. Dieser kann und wird – den jeweiligen Umständen entsprechend – daraus wichtige Schlüsse für seine Nachsuchenarbeit ziehen.

Auszug aus: Bernd Krewer: Rund um die Nachsuche. Melsungen: Neumann-Neudamm, 2. überarbeitete. und erweiterte Auflage, 2011, S. 35-43

Mit freundlicher Genehmigung des Neumann-Neudamm Verlag

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Ein Gedanke zu „Das Zeichnen des Wildes

  1. Joachim Orbach

    Ein Hinweis für Hegeringe und Jagdgebrauchhundevereine:

    Verlinken Sie diesen Beitrag auf ihrer Homepage.

    Joachim Orbach

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