Das Zeichnen des Wildes

Von Bernd Krewer

Das „Quittieren“ der Kugel ist bei allen Wildarten umso aussagekräftiger, je mehr die nachfolgen Kriterien erfüllt sind:

a) Das Stück wurde im Zustand absoluter nervlicher Ruhe beschossen. Es hatte weder Wind vom Jäger bekomme noch vielleicht das leise Klicken des Stechers vernommen.
b) Das beschossene Stück hatte im Moment des Schusses sein Haupt hoch und war nicht etwa beim Äsen.
c) Das Stück stand im Schuss völlig breit.
d) Die verwendete Patrone war „wildartgerecht“.

Das klassische Zeichnen des Wildes wird nur der Jäger mitbekommen, der gelernt hat, „durch den Schuß“ zu schauen und dabei das Verhalten des Wildes in dem Sekundenbruchteil wahrzunehmen, in dem die Kugel auf den Wildkörper trifft.
Meine Persönlichen Erfahrungen sind die, dass das Zeichnen im Schuss umso eindeutiger ist, je stärker das Geschoss ist. Das hat sicher mit der jeweiligen Auftreffenergie der Fläche zu tun, die vom Geschoss direkt getroffen wird. Auch zeichnet nach meiner persönlichen Erfahrung das Wild auf Rumpftreffer nicht so klar und eindeutig wie beispielsweise auf einen Krell- oder Laufschuss. Bei Letzteren ist das Zeichnen eigentlich immer eindeutig und aussagekräftig und man kann seine Schlüsse daraus ziehen, bei Rumpftreffern ist das oft nicht so. Ich habe es schon erlebt, dass Stücke mit guten Blattschüssen wie auf einen klassischen Weidwundschuss zeichneten und auch umgekehrt.
Eines aber sollte jeder Jäger im Schlaf beherrschen: sofort nachladen, beziehungsweise repetieren und – wenn möglich – im Anschlag bleiben und sofort nachschießen, für den Fall, dass das vielleicht zunächst zusammengebrochene Stück noch einmal hoch wird. Dann muss auch spitz von hinter nachgeschossen werden, eine Rücksichtnahme auf etwaige Wildbretzerstörung ist in einer solchen Situation völlig unangebracht. Die erfolgreichste Nachsuche ist immer die, die gar nicht erst entsteht.
Sauen zeichnen weit weniger deutlich und „aussagekräftiger“, was den Sitz der Kugel angeht, als die wiederkäuenden Schalenwildarten. Das liegt sicher an ihrer arteigenen „Härte im Nehmen“ und an ihrem starren Knochengerüst.
Sauen werden im Unterschied zu den anderen Schaelnwildarten zu einem hohen Prozentsatz entweder bei ungünstigen Lichtverhältnissen (Mond) oder aber in mehr oder weniger schneller Flucht bei den herbst-/ winterlichen Gesellschaftsjagden beschossen. In beiden Fällen wird ein etwaiges Zeichnen von der relativen Dunkelheit und / oder vom hohen Adrenalinspiegel gewissermaßen überlagert.
Bei allen Einschränkungen durch meine vorstehenden Ausführungen möchte ich die häufig zu beobachtenden Verhaltensweisen beschossenen Wildes „im Schuss“ beschreiben. Manfred Fahle hat dazu sehr anschauliche Federzeichnungen angefertigt.

Ein Gedanke zu „Das Zeichnen des Wildes

  1. Joachim Orbach

    Ein Hinweis für Hegeringe und Jagdgebrauchhundevereine:

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    Joachim Orbach

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