Das “ökologische Gleichgewicht”

Tiere aber kennen weder Murphy noch haben sie generell diese Fähigkeit bzw. sie haben sie nur für relativ einfache Abfolgen. Ich habe das an anderer Stelle ausgedrückt mit dem Satz: Tiere leben nie im Konjunktiv. Sie tun also einfach, was sie tun, oft impulsiv, manchmal auch in Bezug auf kurzfristige, unmittelbare Ziele erstaunlich durchdacht und geplant, siehe das Jagdverhalten von Rudeljägern; diese Komplexität ist nicht durch Instinktverhalten zu erklären, sondern nur durch individuelle Intelligenz. Immer aber tun sie das, ohne irgendwelche langfristige Folgen zu bedenken, bedenken zu müssen oder zu können. Sie agieren, sie tun, sie verändern, und die Natur sieht völlig ungerührt zu. Wenn es nötig wird, repariert sie. Ihre Instrumente sind aber vielfältig und fast genauso unberechenbar – von leichten Korrekturen bis hin zum lokalen oder auch kompletten Aussterben ganzer Arten. Das Motto ist: Tu was Du willst – und trage die Folgen. Das ist eine Binsenweisheit. Bisher hat das immer gut funktioniert, seit vielen Millionen Jahren.

Seit einiger Zeit jedoch gibt es ernsthafte Versuche, den Menschen aus diesem Regelkreis zur Gänze herauszunehmen, weit über die Verpflichtungen hinaus, die ihm seine Fähigkeit zum Planen sowieso schon vorgibt. Das Muster ist immer das Gleiche:
Wenn ein Wolfsrudel einen Rothirsch reißt, ist das geradezu toll – wenn ein Jagdmensch einen Rothirsch schießt, ist das neandertaloides Gehabe. Wenn ein Teichwirt ein Wiesental flutet, um einen Karpfenteich anzulegen, ist das mutwillige Zerstörung der Landschaft und, natürlich, Störung des „ökologischen Gleichgewichts“ – wenn ein Biber das tut, ist das Natur pur und wird geradezu hysterisch bejubelt. (Aber auch beim Biberteich saufen ganze Maulwurf- und Hamsterpopulationen, Pflanzengesellschaften ab.) Wenn Jäger in Holland jagen gehen wollen, ist das krank – wenn Naturschutzverbände in Oostvardersplassen über Jahre hin Hunderte von Hirschen, Rehen und Rindern ungerührt verhungern lassen, ist das Natur. Wenn ein Wolfsrudel in Nordamerika in seinem neuen Revier sämtliche Coyoten tötet, ist das der natürliche Gang der Dinge – wenn bei einer Drückjagd in Hessen 70 Füchse geschossen werden, ist das eine Klage wert. (Die dann bezeichnenderweise auch noch zur Entscheidung angenommen wird, nebenbei bemerkt.)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.