Das “ökologische Gleichgewicht”

Wir Menschen jedenfalls sind auf dieser schönen Welt die einzige Spezies, die sich über die Auswirkungen ihres Tuns im Voraus im Klaren ist bzw. es zumindest bei gutem Willen sein könnte und sollte. Wir sind in der Lage, um es einmal so auszudrücken, komplexe Vorgänge, Handlungsstränge und ihre wahrscheinlichen Auswirkungen gedanklich vorwegzunehmen – die klassische Definition von Planung. Allerdings mit der Einschränkung, dass mit steigender Komplexität von Handlungsabläufen, mit steigender Anzahl von miteinander verwobenen Handlungssträngen das Endergebnis immer unberechenbarer wird; die Anzahl der potentiell möglichen Ergebnisse wächst exponentiell mit jedem Akteur, jedem Interesse, jedem Faktor (vor allem den Faktor Zeit!), der hinzukommt. Das erklärt auch, warum unsere Wirtschaftsweisen jede gestellte Prognose zur Entwicklung der gesamtwirtschaftlichen Lage mit schöner Regelmäßigkeit spätestens ein halbes Jahr nach Stellung derselben wieder revidieren müssen, natürlich bestens begründet mit Entwicklungen, die man einfach nicht voraussehen konnte. Planwirtschaft, das war der historische Irrtum des Kommunismus, funktioniert schon in der Volkswirtschaft nicht, geschweige denn in der Natur. Aber man versucht es immer wieder. Und, unfassbar, man bezahlt ein irres Geld dafür.

Clausewitz hat das in seinem Werk “Vom Kriege” so zum Ausdruck gebracht: Ein Krieg ist so lange planbar, bis der erste Schuss gefallen ist. Bis dahin kann man sich behelfen mit statistischen Wahrscheinlichkeiten, die rechnerisch so schön darstellbar sind. Und stehen Zahlen da, gibt uns das Sicherheit. Vergessen wird nur, dass diese exakten Zahlen in Wirklichkeit nur Wahrscheinlichkeiten darstellen. Wahrscheinlich aber, das sagt schon das Wort, ist keineswegs sicher. Mit dem ersten Schuss im Krieg, mit dem ersten tatsächlichen Ereignis einer geplanten Aktion übernimmt dann die Realität das Ruder. Und genau deswegen ist das Leben so schwer. Und so schön. Trotzdem, in gewissen Grenzen können wir planen, und wir können damit zumindest theoretisch, entsprechende geistige Kapazitäten vorausgesetzt, die Folgen unseres Tuns und Lassens voraussehen – oder zumindest ahnen. Wenn diese wahrscheinlichen Folgen dann auch oft verdrängt werden. Aber selbst, wenn wir es ahnen, schlimmer noch wissen, wir versuchen es trotzdem oft genug. Motto: Es wird schon gut gehen. Genau das aber hat Murphy mit seiner resignativen Ansage widerlegt: Alles, was schiefgehen kann, geht garantiert auch schief. Man sieht, zumindest homo sapiens sapiens verfügt rein theoretisch über alle denkbaren Instrumente zur Beherrschung seines Lebens. Meistens verstauben sie aber ungenutzt in irgendeiner Ecke der Hausbibliothek.

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