Das “ökologische Gleichgewicht”

Was ich mit alldem sagen will: Wir Menschen, das vergessen diese Öko- Päpste/innen regelmäßig, wir Menschen sind ebenfalls Bestandteil, Akteure dieser Ökologie, dieser Welt. Sicher, wir verändern unsere Umwelt, um sie für uns besser nutzbar zu machen. Aber nicht nur wir tun das.

Einzeller tun das. Vor etwa 2,5 Milliarden Jahren veränderten die sich massenhaft im Wasser verbreitenden Vorläufer der heutigen Cyanobakterien die Lebensbedingungen auf der Erde entscheidend. Sie „erfanden“ die Nutzung des Sonnenlichts zur Photosynthese und setzten als Abfallprodukt massenhaft Sauerstoff (O2) frei, ein hoch reaktives Gas. Diese Zufuhr von Sauerstoff führte natürlich zu einer entscheidenden Veränderung der Atmosphäre, und zwar von einer vorher sauerstofffreien hin zu einer stark sauerstoffbetonten Atmosphäre. Das wiederum führte zum Massensterben der damals existierenden anaeroben Lebensformen. Ohne diesen freien, also chemisch nicht gebundenen Luft-Sauerstoff aber wäre das Leben in seiner heutigen Form gar nicht erst entstanden. Und unsere Eisenerz- Lagerstätten, ganz nebenbei bemerkt, auch nicht. Immerhin das Zeugs, das unsere Industrialisierung ermöglicht hat.
Elefanten tun das, indem sie einfach massenhaft Bäume umstürzen, um an das begehrte Laub zu kommen mit der Folge, dass, zumindest regional, Savannen- Landschaften sich umwandeln in Grassteppen.
Rehe und Elche tun es mit ihrem Verbiss an aufkommenden Bäumen, nicht aus Bosheit, sondern um ihre ökologische Nische, nämlich durch Sturm oder Brand geschaffene baumfreie Flächen mit ihrer Randvegetation, auf die sie angewiesen sind, so lange wie möglich zu erhalten. Das Verhalten ist ihnen einfach angeboren, es liegt auf ihren Genen und im System, im Regelkreis.
Vor allem Biber tun das. Wenn sie ein Bachtal aufstauen, vernichten sie ganze Ökosysteme – angefangen von Mäusen, sonstigen erdbewohnenden Nagern, Insektenfressern wie Maulwürfen (streng geschützt!) und Spitzmäusen, Insekten selbst, kurz, alles, was unter der Erde lebt und nicht ausweichen kann. Dazu kommen noch die Pflanzenpopulationen, vor allem die sonst hysterisch geschützten Feuchtwiesen, Weichholzauen etc.. Die dann noch dazu als Nahrungsbasis für eine Vielzahl unseres Wildes wegfallen – Rehe, Hasen, Rotwild u. v a. m.
Und, natürlich, Menschen tun das. Und schaffen damit permanent andere „ökologische Gleichgewichte“, mit immer anderen Tier- und Pflanzengesellschaften, eine schöner und ästhetischer als die andere, alte. Hermann Löns beschreibt das sehr anschaulich in seiner Erzählung „Die Gefolgschaft des Menschen“.

Um eines klar zu machen: Niemand kann mehr ernsthaft wollen, aus reinen Profitgründen mit Räumbaggern und dergleichen mehr großflächig und gedanken- und bedenkenlos durch unsere Landschaften zu planieren. Es besteht auch keine Notwendigkeit mehr, großflächig z. B. Moor-, Feuchtgebiete trockenzulegen, um Anbauflächen zu gewinnen, in früheren Zeiten eine Frage des Überlebens. Und über das Thema, Flüsse, Umwelt an sich aus reinem Profitstreben zu verseuchen, brauchen wir gar nicht mehr zu reden; die Theorie der Verfügungsrechte gibt einen interessanten Blick auf das Thema. Der Mensch geht heute sorgsamer vor, wägt das Für und Wider, Vor- und Nachteile ab; die Allgemeinheit ist sehr viel wachsamer geworden, die Einstellung, dass das Land, die Umwelt allen gehört, hat Eingang gefunden ins öffentliche Bewusstsein. Aber selbst wenn wir es weiter täten: Die Natur käme damit spielend klar, sie hat wahrhafte Katastrophen weggesteckt, da kann sie über unsere Spielereien lachen.

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