Das “ökologische Gleichgewicht”

Ein Beispiel

Schauen wir uns einmal folgende Geschichte an: Im Ruhrgebiet, ich stamme daher, hat es bekanntlich einen der gravierendsten Umbauten an der Landschaft gegeben in der Geschichte der Menschheit, über mehr als zwei Jahrhunderte. Und immer entstanden neue „ökologische Gleichgewichte“, mit jedem Fluss, der begradigt wurde oder als Kloake Verwendung fand. Mit jeder Wald-, Wiesen- oder Ackerfläche, die zugebaut und zubetoniert wurde, als Zeche oder sonstige Industrieanlagen. Verschwand das Leben? Nein, es veränderte sich, genauer gesagt, es veränderte sich die Zusammensetzung der Lebensgemeinschaft von Pflanze und Tier; einzelne Mitglieder verschwanden völlig an diesem Standort, andere wanderten zu. Aber Leben war immer da.

Dann verschwand die Industrie, Zechen, Kokereien, Stahlwerke mitsamt ihren Halden und riesigen Freiflächen wurden aufgegeben. Natürlich fanden sich keine industriellen Nachnutzer, die Flächen und Anlagen lagen brach, teilweise Jahrzehnte lang. Niemand beachtete sie. Die Menschen im Ruhrgebiet sind damit aufgewachsen und empfanden sie als normal, die „Umweltschützer“ fanden, dass damit kein Staat zu machen und vor allem keine Gelder zu sammeln seien. So kam es, dass diese Flächen sich unbemerkt, völlig auf sich allein gestellt und unbeeinflusst, von Brachflächen mit ihrem typischen „ökologischen Gleichgewicht“ über Ruderalflächen mit ihrem typischen „ökologischen Gleichgewicht“ zu den heutigen Trocken- und Feuchtbiotopen mit ihren jeweilig typischen „ökologischen Gleichgewichten“ entwickeln konnten.

Vor ein paar Jahren wurde man in „Naturschützer“- Kreisen dann auf diese Flächen aufmerksam. Die waren völlig perplex – das alles ohne Planung durch uns Übermenschen? Aber nach der ersten Schreckstarre kam prompt, was kommen musste: Die Forderung nach sofortiger Unterschutzstellung, natürlich unter ihrer Aufsicht, steuerfinanziert. Mit der Folge natürlich, dass damit das jetzige „ökologische Gleichgewicht“, die Pflanzen- und Tiergesellschaften in ihrem jetzigen Status „eingefroren“ werden. Ohne jede Chance, sich weiterzuentwickeln. Tja, so geht´s natürlich auch. Das Gleiche passiert im Übrigen tagtäglich in unseren Kulturlandschaften – durch Nutzung der Flächen, Pflege der land- und forstwirtschaftlichen Kulturen, durch regelmäßige Ernten und Wiederanpflanzungen wird der Zustand der Kulturlandschaft künstlich erhalten. Wie es zum Beispiel großflächig auch in der auf weite Strecken nicht mehr in der alten Form (Schnuckenbeweidung) genutzten Lüneburger Heide geschieht. Mit einem Unterschied zur wirtschaftlich genutzten Kulturlandschaft allerdings: Hier muss der Steuerzahler Geld in die Hand nehmen, es werden keine Erträge mit der Landschaftspflege erwirtschaftet, wie Land- und Forstwirte das tun, in solchen Fällen kostet die Landschaftspflege sogar erhebliche Steuergelder.

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