Beutetrieb und Fährtenwille

Pressemitteileung vom Jagdgebrauchshundverband e.V. vom 25.11.2018

Von Heiko Wessendorf

Mit Beginn der Laubfärbung richten viele Waidgesellen in freudiger Erwartung auf die anstehende Saison der Drück- und Bewegungsjagden ihren Jagdrucksack. Geselligkeit, Rauch und Wärme des Feuers, Hundegeläut und Büchsenknall lassen Erinnerungen an die vergangene Saison wach werden. Wenngleich inzwischen das ganze Jahr Jagdzeit, zumindest aufs Schwarzwild, ist, gibt es in der Drückjagdsaison doch besonders viel zu tun für Hunde auf der Schweißfährte.

„Nicht geschossen ist gleich gefehlt“ scheint das Motto des Einen und „Pech“ ein Umstand für den Anderen, warum es zu Nachsuchen kommt. „Es ist des Jägers Ehrenschild…..“ wird ja häufig zum Ende der Jagd am Feuer oder beim Schüsseltreiben lautstark aufgesagt.

Ist es denn wirklich so, dass im Nachgang auch alles Notwendige veranlasst wird um Tierschutz und Jagdgesetz einzuhalten und vor allem um wo möglichen Leiden ein Ende zu setzen?

Es ist zunächst Aufgabe des Jagdleiters sicherzustellen, dass auch für den Nachsuchenbereich tatsächlich brauchbare Hunde zur Verfügung stehen. Als brauchbar gelten sie nach dem Gesetz wenn sie entsprechende Prüfungen im Bereich Schweiß nachgewiesen haben und damit legitimiert werden Nachsuchen durchzuführen. Hier verhält es sich allerdings wie mit den Fahranfängern. Ein frisch bestandener Führerschein macht noch keinen Rennfahrer. Tatsächlich brauchbar wird ein Hund erst durch Erfahrung – und diese Erfahrung muss ein Hund zunächst durch Arbeit erlangen. Dieses gilt uneingeschränkt für Hunde aller Rassen – auch für Schweißhunde. Ein Schweißhund kommt namentlich bzw. entsprechend seiner Rassezugehörigkeit zwar als solcher zur Welt und er verfügt in aller Regel auch über die notwendigen Anlagen, als Profi wird er jedoch mit Sicherheit nicht geboren. Erst eine penible und kontinuierliche Einarbeitung und im Weiteren dann die Routine schaffen einen zuverlässigen Spezialisten. Ein langer Weg welcher mit viel Aufwand für den Hundeführer verbunden ist. Vollkommen unabhängig von guten oder schlechten Prüfungsergebnissen kommt es darauf an, dass der Hundeführer selbst über den entscheidenden Fährtenwillen verfügt und seinem Hund ausreichend Zeit und Möglichkeiten bietet den Erfahrungsschatz auszubauen. „Gefunden“ wird erst auf den letzten Metern – nicht auf den ersten.

Natürlich möchte und soll jeder Jäger mit seinem Hund auf der Wundfährte arbeiten sofern die Voraussetzungen erfüllt sind. Selbstreflexion und kritische Einschätzung eigener Fähigkeiten sind allerdings sehr viel notwendiger als die Befriedigung des eigenen Egos. Für den Hund ist es natürlich erfreulich wenn er Beute macht bzw. zum Stück findet. Bei Misserfolgen scheint es jedoch mitunter so, dass der Hund diese schneller verkraftet als das hintere Ende des Schweißriemens. Natürlich spiegelt dieses „gedankliche Nachhängen“ auch den notwendigen Fährtenwillen des Hundeführers wieder und ist besser zu bewerten als Gleichgültigkeit.

Entscheidend im Sinne von Tierschutz und Waidgerechtigkeit bleibt allerdings, die am Anschuss schon als gefunden verbuchten Stücke nicht nach 1000m Riemenarbeit gesund zu fabulieren. Knochensplitter bleibt Knochensplitter – auch an der Reviergrenze wo man sonst immer abgebrochen hat, auch wenn plötzlich kein Schweiß mehr zu finden ist. Laufender Keiler und Schießkino zeigen, das relativ wenige Schüsse ganz vorbei gehen! Sogenannte Kontrollsuchen bringen sehr häufig sauber erlegte Stücke zu Tage. Selbst wenn der Schütze sicher war gefehlt zu haben, kein Schweiß am Anschuss zu finden war und der Stöberhund nichts angezeigt hat. Größe zeigt man nicht dadurch, dass man die Meinung vertritt, dass sein Hund alles findet. Zumal jeder Hundeführer auch irgendwann wieder einen jungen Hund am Riemen hat wird auch er einmal auf die Hilfe eines Kollegen mit einem erfahrenen Hund angewiesen sein. Nachsuchen sind keine Olympiade unter Hundeführern sondern gelten seit je her als Dienst am Wild.

Organisatorisches für den Jagdleiter einer Bewegungsjagd:

  • Schweißhunde bzw. Nachsuchengespanne rechtzeitig und in angemessener Anzahl akquirieren
  • Wildfolgevereinbarungen mit Nachbarn im Vorfeld regeln.
  • Ansteller / Gruppenführer instruieren alle abgegebenen Schüsse und eindeutige Anschüsse zu verbrechen. Schützen klar zu den Informationen befragen.
  • Informationen aller Gruppenführer umgehend und zentral an einen mit der Materie vertrauten Nachsuchenkoordinator geben lassen.
  • Nachsuchenkoordinator verknüpft die Angaben mit sonstigen jagdlichen Geschehnissen und teilt die Suchen entsprechend der Erfahrung ein.
  • Ortskundige Begleiter bereithalten.
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