Begriffe und Grunderkenntnisse der Genetik

Von Joachim Orbach

Vor längst vergangener Zeit wurde vielfach noch von Blut geredet und geschrieben, wenn es um die Erbanlagen unserer Hunde ging. Aber schon lange ist die Zeit her, in der man glaubte, das Blut sei Träger von Erbanlagen.

Wie die moderne Vererbungswissenschaft ( Genetik ) uns ja wissen lässt, sind die Träger des Erbgut an die in der Keimzelle enthaltenen Chromosomen gekettet. Jedes Individuum hat eine für seine Art spezifische Anzahl von Chromosomen als der Träger des Erbgutes.

Da die moderne Genetik aber oftmals recht kompliziert und differenziert ist, fehlt es vielen Züchtern an Zeit und Neigung, sich damit herumzuschlagen. Wer aber in der heutigen Zeit seriös Hunde züchten und nicht nur vermehren will, muss sich u. a. gezwungenermaßen mit den Grundbegriffen und Grundkenntnissen der Genetik ver- traut machen. Nun sind aber für den Nichtwissenschaftler so manche Begriffe, wie wir sie in der Fachliteratur, in Referaten oder in Mitteilungsblätter finden mitunter nur schwer verständlich ,da oftmals hierzu eine entsprechende Definierung und Erläuterung fehlt.

Es soll es aber nicht Aufgabe der nachfolgenden Tabelle sein, a l l e Begriffe der modernen Genetik aufzulisten und zu erläutern, dieses sollte man den Wissenschaftlern überlassen. Die Tabelle soll lediglich den Züchtern, insbesondere a b e r solchen, die es noch werden wollen als übersichtliche Informationsquelle dienen – wobei diese Tabelle auch kein Ersatz für ausführliche Fachliteratur sein soll.

Allele

Allele sind unterschiedliche Formen desselben Gens, die den, bzw. die gleichen Entwicklungsprozess -/ prozesse – wenn auch auf diversen Wegen

beeinflussen. Bzw. sind es Zustandsformen eines Gens, die phänotypische Unterschiede hervorrufen, aber in homologen Chromosomen an homologen Orten lokalisiert sind.

Ahnenverlustkoeffizient ( AVK )

Als Ahnenverlustkoeffizient bezeichnet man zwei- oder mehrfach Vorkommen ein und desselben Ahnen innerhalb einer Ahnenreihe. So hat z.B. ein Hund, innerhalb der ersten 5 Generationen und bei Dopplung eines Ahnen ( gleich bei welcher Generation ) nur 61 statt 62 Vorfahren. Kommen z.B. 6 Ahnen doppelt vor, so hat er nur 56 statt 62 Vorfahren. Der AKV gibt nun die Abweichungen der Anzahl tatsächlicher vorhandener Ahnen von der Anzahl der möglicher Ahnen an. Er berechnet sich mit folgender Formel: AKV -1 A m = tatsächlich vorhandener Ahnenzahl / möglicher Ahnenanzahl. Vermerk: den AVK sollte man aber nicht mit dem Inzuchtkoeffizienten ( IK )verwechseln.

Autosome

Autosome sind alle Chromosomen, außer den Geschlechtschromosomen.

Basen

Eine Base und ein Kohlenstoffmolekül bilden zusammen ein sogenanntes Nykleotid. Nykleotide bilden wiederum einen langen Strang, an den sich durch Basenpaarungen ein Gegenstrang bindet. Guanin paart sich mit Adenin und Cytrosin an Thymin. Der DNS – ( DNA ) Doppelstrang windet sich um Histonproteine ( Cormatin ) und liegt hoch verdichtet als Chromosom im Zellkern. Die Basenfolgen / Gene codieren für bestimmte Proteine, die wiederum für spezielle Körper – oder Zellfunktionen und letztendlich für das äußere Erscheinungsbild, den Phänotyp, verantwortlich sind. Die Chromosomen sind also Träger der Gene.

BLUP und BLUE

BLUP ist die Abkürzung von englisch Best Linear Unbiased Predictin, auf deutsch beste linare unverzerrte Vorhersage. Es ist eine statistische Methode, mit der zufälligen Größen in Mehrebenenmodellen vorhergesagt werden können. Die beste linere unverzerrte Schätzung wird dagegen als Best Linear Unbiased Estimator ( BLUE ) bezeichnet. Die mit BLUP errechneten Werte minimieren den Schätzfehler im Durchschnitt ( Minimumvorianz ). Die Berechnung erfolgt auf Basis von Mischmodell – Gleichungen, in denen deterministische ( eine Prozedur ist deterministisch, wenn zu jedem Zeitpunkt während des Prozesses bestimmt ist, wie weiter verfahren werden soll ) und zufällige Effekte gemeinsam modelliert werden. BLUP gilt als das derzeit beste Schätzmodell in der Zuchtwertschätzung von Tieren. Die Größen von BLUP und BLUE wurden in den 1950er Jahren von Charles Roy Hendersen eingeführt.

Chromatin

Chromatin ist der stark färbbare Teil des Zellkerns, der wie ein Netzwerk von feinen Fäden erscheint; diese Fäden sind Chromosomen.

Chromosomen

Chromosomen sind dunkel färbbare -bei der Zellteilung sichtbare Körperchen, die aus Desoxyribonuleinsäure ( DNA ) und Eiweiß bestehen und die Träger der vererbbaren Eigenschaften der Gene sind. Sie sind paarweise vorhanden und in ihnen sind die Gene wie eine Kette geradlinig aufgereiht, wobei ein Teil vom Vater und der andere Teil von der Mutter stammt. Die Teile eines Paares tragen dieselben Gene in identischer Anordnung. Bei dem Wachstum zugrundeliegenden Zellteilung spalten sich die Chromosomen in Längsrichtung, und jede der neu entstehenden Zellen ist wiederum mit der gleichen Chromosomenzahl versehen. Jedoch ist bei der Befrucht- ung, wenn sich die Keimzelle des Vaters und der Mutter vereint, etwas anderes, denn die Keimzelle geht aus einer Mutterzelle hervor, in der die Chromosomen genau zur Hälfte vorhanden sind, so dass bei der Vereinigung der weiblichen und der männ – lichen Keimzelle die arttypische volle Chromosomenzahl wieder entsteht.

Chromosomenanzahl und Bezeichnung

Von den Chromosomen hat der Hund 78 = 39 Paare. Bei der Hündin sowohl beim Rüden sind 38 Chromosomenpaare völlig gleich, wobei beide Eltern gleichermaßen an der Erbmasse -mit Ausnahme der Bestimmung des Geschlechts beteiligt sind. Da das Geschlecht der Nachkommen aus einer Paarung durch die männlichen Samenzellen bestimmt wird, ist beim Rüden als Vater das 39. Genpaar verschieden. Die eine Hälfte, die man ihrer Form nach als X – Cromosomen bezeichnet, ist identisch mit dem Paar der Hündin. Das andere Chromosom des Rüden ist etwas kleiner und trägt die Bezeichnung Y.

Es ist jedoch eine Sache des Zufalls, ob nach der Befruchtung Zellen mit XX = weiblichen Nachkommen oder solche mit XY = männlichen Nachkommen entstehen.

Chromosomenaberration

Chromosomenaberration ist die angeborene ( konstitutive ) Abweichung von der regulären tierartspezifischen Chromosomenzahl ( Genommutation ) oder Cromo- somenstruktur ( Chromosomenmutation ).

Defekte ( genetisch bedingt )

Genetische Defekte sind unerwünschte Zustände, die entweder die Lebensfähigkeit der Tiere herabsetzen oder ihre Fähigkeit beeinträchtigen, mit anderen Individuen der gleichen Art oder Rasse in der natürlichen bzw. künstlichen Umwelt -für die sie gezüchtet wurden- zu konkurrieren. Es handelt sich um Erbkrankheiten, Erbumwelt-krankheiten, gesundheitliche Störungen, Wesen- und Leistungsmängel sowie Ab-weichungen vom Rassestandard ( Rasse- oder Zuchtfehler ).

dominate Gene

Dominate Gene überspringen keine Generation. Nur die Nachkommen, die ein dominantes Merkmal zeigen, können es auch weitervererben. Denn Eigenschaften, die sich dominant verhalten, sind immer sichtbar, auch wenn der Träger für die betreffenden Eigenschaften mischerbig ist. Sie vererben sich aber nur dann konstant, wenn der Träger dafür reinerbig ist, also ein identisches Genpaar besitzt. Denn es sind eben nicht alle Genpaare doppelt dominant -oder doppelt rezessiv- reinerbig. Die Tiere können demnach in Bezug auf ein Merkmal reinerbig oder mischerbig sein, jedoch ist die Dominanz eines Merkmals über das Entgegengesetzte nur selten ganz vollständig.

DNA oder DNS

DNA ist die englische Kurzbezeichnung für Desoxyribonukleinsäure ( DNS ) und ist ein in allen Lebewesen vorkommendes Biomolekül und Träger der Erbinformationen, also der Gene. Der strukturelle Aufbau der DNA wurde erstmals 1953 von James Watson und Francis Crick beschrieben.

epitatisch

Epitatisch ist ein Gen oder Merkmal, das sich trotz der Anwesenheit andere nicht alleler Gene durchsetzt, die andere oder gegensätzliche Merkmale oder Eigenschaften bewirken. Die Epitasie ist der Dominanz ähnlich, nur dass sie die Beziehung nicht alleler Gene untereinander betrifft.

Epigenetik

Epigenetik ist die Bezeichnung für die Erforschung von Phänomenen und Mechanismen, die erhebliche Veränderungen an den Chromosomen hervorrufen und die Aktivität von Genen beeinflussen, ohne die Sequenz der DNA zu verändern.

Faktor

Faktor ist der ursprüngliche Fachausdruck für den heutigen Begriff G e n e “.

F 1 – F 2 – Generation

F1 – Generation ist die erste Nachwuchsgeneration einer gegebenen Paarung.

F2 – Generation wird durch Kreuzung der Tiere der F 1-Generation erzeugt.

Erbpathologie

Erbpathologie ist die Wissenschaft der Erbkrankheiten.

Gene

Gene sind die Vererbungseinheit bzw. Träger der vererbbaren Eigenschaften und Merkmale. Sie bleiben über Generationen unverändert ( es sei denn, dass sich eine Mutation – eine spontane Änderung – ereignet ).

Genetik

Genetik ist die Wissenschaft der Vererbung. Die Basis für die heutige Vererbungs -lehre schuf Gregor Johann Mendel ( 1822-1884 ). Am 8.2. / 8.3 1865 verlas er in Brünn seine inzwischen berühmt gewordene Arbeit unter dem anspruchslosen Titel: Versuche mit Pflanzenhybride . Durch die Weiterentwicklung der Genetik hat sich zwischenzeitlich herausgestellt, dass die Mendel-Genetik in der Erbpathologie keineswegs die zentrale Rolle spielt, die ihr einst ursprünglich zugemessen wurde. Bei weitem der größte Teil der Erbkrankheiten wird von wesentlich komplizierteren genetischen Systemen als dem einfachen System der Mendel – Genetik -welche gewiss auch noch heute für bestimmte Bereiche voll gültig ist- verursacht.

Genotyp

Genotyp = der gesamte Erbanlagenbestand eines Lebewesens.

heterozygot

Heterozygot = nicht reinerbig für einen gewissen Erbfaktor. Eine Heterozygote enthält zwei verschiedene Allele desselben Gens; daher produziert er zwei Arten von Keimzellen.

Heterogenie

Bei Heterogenie werden nach Paarung heterozygoter Eltern wider Erwarten nur normale Nachkommen geboren.

Heterophänie

Heterophänie ( Wirkung modifizierender Gene ) Genkopplung und selektive Be – günstigung der Heterozygoten infolge höherer Resistenz oder Leistungsüberlegenheit bzw. Heterosiswirkung.

Heterozygotietest

Zucht – bzw. Anpaarungs- und Selektionsversuche werden im Rahmen des Erblichkeitsnachweises, zur Prüfung von Einzeltieren ( Heterozygotietest ) durchgeführt.

homozygot

Homozygot = reinerbig für einen gewissen Erbfaktor. Ein Homozygote besitzt das Gen für eine bestimmte Anlage doppelt und produziert daher nur eine Art von Keimzellen.

Hybride

Hybride = Nachwuchs zweier Eltern, die mit ungleichen genetischen Anlagen aus- gestattet sind; auch ein Heterozygote für ein oder mehrere Gene.

hypostatisch

Hypostatisch ist ein Gen oder Merkmal, dessen Wirkung bei Anwesenheit anderer, nicht alleler Gene mit unterschiedlicher oder auch gegensätzlicher Wirkung unter -drückt wird ( Gegensatz zu epitatisch ).

Inzuchtkoeffizient ( IK )

Der Inzuchtkoeffizient gibt die Wahrscheinlichkeit an, mit der zwei identische Gene, d.h. von demselben Vorfahren stammende Allele aufeinandertreffen. Bei der Be – rechnung liegt die simple Erkenntnis der Wahrscheinlichkeitsrechnung zugrunde.

Inzuchtkoeffizient nach der Formel von Wright

F1 = ( ½ ) n 1 + n 2 + 1 ( 1 + FA )

Dabei sind n1 und n2 die Zahl der Generationen zwischen den Eltern und dem gemeinsamen Ahnen A, F der Inzuchtkoeffizient des gemeinsamen Ahnen und die Summierung der Beiträge aller erfassten Vorfahren ( Inzuchtkoeffizienten von Tieren, die n i c h t gemeinsame Vorfahren sind, werden vernachlässigt ). So kommt bei Nachkommen einer Vollgeschwisterpaarung ein Inzuchtkoeffizient von 0,25 ( 25 % ) zustande und bei einer Halbgeschwisterpaarung ( ein gemeinsames Groß – elternteil ) beträgt der Inzuchtkoeffizient 0,125 ( 12,5 % ). Somit sind die Nach – kommen mit ( 25 % ) bzw. mit ( 12,5 % ) ingezüchtet. Dieses gilt aber nur, wenn der gemeinsame Ahne seinerseits nicht ingezüchtet ist, da sonst sein Inzuchtkoeffizient in Rechnung zu stellen ist.

Inzuchtkoeffizienten – Tabelle nach der Formel von Wright

Der Inzuchtkoeffizient beträgt bei einem gemeinsamen Ahnen in der:
2. Generation 0,125 ( 12,5 % ),
3. Generation 0,0625 ( 6,25 % ),
4. Generation 0,3125 ( 3,13 % aufgerundet ),
5. Generation 0,015625 ( 1,56 % ),
6. Generation 0,0078125 ( 0,78 % ),
7. Generation 0,0039062 ( 0,39 % ),
8. Generation 0,0019531 ( 0,20 % aufgerundet ).

B e i s p i e l: Milord vom Hellerwald = Inzuchtskeffizient 0,125 ( 12,5 % )
Mutter Carmen vom Hellerwald Vater: Odin vom Distelfeld
Großmutter: Lola von Wilkenroth Großmutter: Amsel vom Staffelböll
Großvater: Jager vom Distelfeld—-( 12,5% )—- Großvater: Jager vom Distelfeld
( Der Großvater ist der gemeinsame Ahne in der 2. Generation )

Gibt es mehrere gemeinsame Ahnen so ist für jeden die Tabelle ( Formel ) in der gehandhabten Weise anzuwenden. Die einzelnen ermittelten Beiträge werden addiert, was durch das Summenzeichen in der Formel symbolisiert wird. Ist jedoch der gemeinsame Ahne in einer unterschiedlichen Generationenfolge vertreten, so wird der jeweilige Generationenbeitrag halbiert und diese halbierten Beiträge werden danach wieder addiert.

B e i s p i e l: Der gemeinsame Ahne ist einmal als Großvater vertreten ( 12,5 % : 2 = 6,25 % ) und einmal als Urgroßvater ( 6,25 % : 2 = 3,13 % ). Der In- zuchtkoeffizient der betreffenden Hunde würde somit ( 6,25 % + 3,13 % = 9,38 % ) betragen.

Inzuchtdegeneration

Inzuchtdegeneration zeigt sich als höhere Häufigkeit der Aufspaltungen in uner- wünschte Eigenschaften, einschließlich der letalen.

Inzuchtdepression

Inzuchtdepression zeigt sich allgemein in geringer Lebensfähigkeit, die Tiere sind Krankheiten gegenüber stärker empfindlich ( geringer Widerstand ) , herabgesetzte Fertilität ( Fruchtbarkeit / Gebärfähigkeit ) und andere Dinge, die für das Überleben der betreffenden Rasse von Bedeutung sind.

Immigration

Immigration bedeutet Import von Zuchttieren oder Anpaarung genotypisch abweich-ender Tiere in einer geschlossenen Zuchtgruppe

Inzidenz

Die Inzidenz umfasst die Häufigkeit neu erfasster Krankheitsfälle bei Individuen einer speziellen Population in einem bestimmten Zeitraum.

letal

Letal ist ein Gen, das im homozygoten Zustand den Tod eines Embryos verursacht. Führt die Anlage zu frühzeitigem Tod nach der Geburt, dann ist das Gen halb – oder unterletal ( semi – oder subletal ). Letalfaktoren wie z.B. Missbildungen werden in der Regel rezessiv vererbt.

MAS

MAS ist die Kurzbezeichnung für Marker Assisted Selection, zu deutsch: markergestützten Selektion.

modifizierte Gene

Modifizierte Gene sind Gene, die meistens selbst keine Wirkung haben, aber die Wirkung anderer Gene beeinflussen.

Molekulargenetik

Die Molekulargenetik ist ein Wissenschaftszweig der sich u. a. mit Erbinformationen und deren Weitergabe beschäftigt. Die Erbinformation ist als DNA oder RNA verschlüsselt, man spricht auch von Kodierung des Erbgutes.

Monogenie

Monogenie ( Monomerie ) ist der einfachste denkbare Fall eines Erbganges. Sie entspricht dem Ergebnis einer monohybriden ( einmerkmaligen ) Kreuzung im Züchtungsversuch d. h. den Mendelregeln.

monogene Defekte

Monogene Defekte sind nur einem Gen kodiert und durch einen DNA-Test nach – weisbar.

multifaktorell

Multifaktorell = durch mehrere Gene bestimmt.

Mutation

Mutation ist eine seltene, plötzlich auftretende und verhältnismäßig beständige Änderung im Gefüge des Erbgutes, die zu einer Erbänderung von Merkmalen und Eigenschaften führt. Meist sind Mutationen schädlich, besonders wenn das davon betroffene Gen dominant ist.

Mendel`sche Regeln ( Uniformitätsregel )

1. Kreuzt man zwei erbreine Rassen, so sind alle Nachkommen gleich.

2. In der 2. Generation spalten sich die Merkmale der Großeltern wieder heraus.

Penetranz

Penetranz ist die Prozentuale Häufigkeit, mit der ein Erbfaktor bei Lebewesen mit gleichem Erbgut im äußeren Erscheinungsbild wirksam wird.

Pedigreeanalyse

Als Pedigreeanalyse ( Familieanalyse ) werden Erblichkeitsuntersuchungen in der Hundezucht bezeichnet.

Präferenzielle Transmission

Unter präferenzieller Transmission versteht man die Abweichung von der Ausnahme, dass jedes elterliche Allel mit Wahrscheinlichkeit ½ an einen Nachkommen weitergeben wird.

Phänotyp

Phänotyp = Erscheinungsbild – einschließlich die Anlagen und Leistung eines Tieres- als Ergebnis von Genotyp und Umwelt.

Polygenie

Polygenie = allgemeiner Fall einer Merkmalausbildung durch zusammenwirkende Gene.

präpotent

Präpotent nennt man ein Tier mit einer ungewöhnlich starken Tendenz, seine Eigen- schaften an den Nachwuchs zu übertragen, wahrscheinlich infolge vieler dominanter Allele beim präpotenten Elternteil.

Prävalenz

Prävalenz ist die Häufigkeit, mit der eine Krankheit zu einem bestimmten Zeitpunkt in der allgemeinen Population vorkommt.

Polygenie

Polygenie = das zusammenwirken mehrere Gene für ein Merkmal.

Pleiotropie

Pleiotropie = ein einziges Genpaar ist für mehrere Eigenheiten verantwortlich.

rezessiv

Rezessiv ist ein Gen oder Merkmal, das bei Anwesenheit eines dominanten Allels nicht wirksam werden kann.

RNS

RNS ist die Kurzbezeichnung für Ribonukleinsäure ( kurz auf englisch RNA ) In der RNA kommen die folgenden organischen Basen vor: Adenin, Guanin, Cytosin und Uralcin. Die ersten drei Basen kommen auch in der DNA vor.

Selektion

Selektion = Auslese ( z.B. zuchttauglich und zuchtuntauglich )

Zuchtordnung des VDH

Nach der Zuchtordnung des VDH ( VDH = Verband für das Deutsche Hundewesen ) als Rahmenordnung müssen alle Mitgliedsvereine, also auch die im Jagdgebauchshundverband ( JGHV ) zusammengeschlossenen Zuchtvereine als Mitgliedsvereine des VDH und der FCI ( Ausnahme: Verein Jagdteckel e.V. und Verein Jagd – Beagle e.V. ), ihre Zuchtbestimmungen angleichen.

Zuchtmethoden bei Tieren gleicher Rasse

F r e m d z u c h t: Ist die Paarung zweier Tiere die nicht miteinander verwandt sind.

In der Praxis dürfte es schwer sein, Zuchttiere zu finden, die keine gemeinsame Ahnen haben. Allerdings spielen gemeinsame Ahnen ( nach den Aussagen einiger Wissenschaftler ) bei der Berechnung ab der 6. Generation kaum noch eine Rolle.

I n z u c h t ( Inzest ): Als Inzucht wird heute wissenschaftlich ausschließlich die Paarung zwischen Geschwistern und Eltern mit ihren Kindern bezeichnet. Nach § 4 Abs.3 der VDH-Zuchtordnung sind derartige Verpaarungen verboten.

F a m i e l e n – oder V e r w a n d s c h a f t s z u c h t: Ist eine besondere Form der weiteren Inzucht. Es handelt sich um Paarungen von Halbgeschwistern ( wobei diese Verpaarungen der Ausnahmegenehmigung des jeweiligen Rassehunde Zuchtvereins bedürfen ) und weiter entfernten Verwandten. Werden dabei ständig Zuchttiere eines Geschlechtes durch mehrere Generationen in der Zucht gehalten, so spricht man von L i e n e n z u c h t.

Zu den jeweiligen Zuchtmethoden sind auch die Zuchtordnungen der Zuchtvereine zu beachten.

Zweck der In – Famielen – und Lienenzucht

Bei der Wahl einer dieser Zuchtmethoden wird beabsichtigt, ganz bestimmte Eigen – schaften -sei es in der Leistung oder Form- innerhalb eines Stammes / Linie zu bewahren. Es ist eine Tatsache, dass ein Erfolg damit in vielen Fällen erreicht worden ist. Zu bedenken ist dabei, dass neben den erwünschten Eigenschaften auch Defekte in Erscheinung treten k ö n n e n. Diese Zuchtmethoden schaffen dabei zwar nicht die Defekte, aber die meisten sind nach den Erkenntnissen der Wissenschaft rezessiv und treten erst mit ansteigender Reinerbigkeit für einen gewissen Erbfaktor bei erhöhten Inzuchtkoeffizienten zutage.

Zuchtwertschätzung

Ausgedrückt in Leistungsüberlegenheit ist ein Zuchtwert von 100 durchschnittlich, das heißt Merkmale werden rassetypisch vererbt. Werte über 100 bedeutet, dass Merkmale verstärkt werden, Werte unter 100, dass Merkmale abgeschwächt werden. Die größte Aussagegenauigkeit ergibt die Leistung der Nachkommen.

Der Zuchtwert kann aus der Eigenleistung des Tieres selber und / oder aus den Leistungen verwandter Tiere geschätzt werden.

Die Zuchtwertschätzung wird gelegentlich auch zur Bekämpfung von Defekten eingesetzt.

Anmerkung:

Wichtig ist es immer einer Jagdhunderasse eine möglichst breite gesunde, wesensfeste und Leistungsstarke Zuchtbasis mit entsprechendem Form- und Haarwert zu erhalten.

Vor einer beabsichtigen Zuchtplanung ist u. a. daher auch die Auswertung der Zuchtbücher ( z. B. Geschwistervergleich der Ostermannschen Tabellen im DGStB ) zu empfehlen. Wünschenswert dürfte sicherlich auch die Angabe eines Inzucht -koeffizienten sein.

Wenn es um sogenannte Defekte geht, so nützen der Hundezucht meiner Meinung nach keine Sensationsberichte ( oftmals sogar mit Anschuldigungen ), wie man sie in der heutigen Zeit oftmals zu lesen bekommt, hingegen nichts. Ich vertraue daher lieber der Wissenschaft, dem VDH und den Zuchtvereinen – wobei man auch unterscheiden muss was erwiesen oder noch nicht erwiesen ist.

Resulierend aus der Erkenntnis etwas gegen Defekte ( Erbkrankheiten, Körper-, Wesens- und Leistungsmängel ) in der Hundezucht tun zu müssen, beschäftigen sich Wissenschaftler, Zuchtvereine und Züchter mit diesem außerordentlichen komplexen Thema. In einer Reihe von Artikeln wurde in den Mitteilungsblättern der Zuchtvereine aber auch in Fachzeitschriften über die Möglichkeit der Bekämpfung von Defekten geschrieben. Unter Wahrung der notwendigen Objektivität dürfte es aber u.a. auch angebracht sein, unsere Zuchtmethoden zu berücksichtigen. Hierzu stellt sich die Frage: Kann ggf. die Angabe des Inzuchtkoeffizienten auf der Ahnentafel eines ( berechnet über die Ahnentafel der beiden Eltern oder ggf. auch darüber hinaus ) oder in den Zuchtbüchern ein Beitrag zur Bekämpfung von Defekten sein? Wichtig ist es u.a. meiner persönlichen Meinung nach aber allerdings auch, vorrangig bereits bei der Zuchtplanung den Inzuchtkoeffizienten oder ggf. auch den Ahnenverlustkoeffizienten für die Nachkommen zu berechnen. Da dieses bereits schon einige Zuchtvereine machen, dürfte die Auswertung der Erfahrungen auch einmal angebracht sein und sicherlich für die Zuchtvereine, insbesondere aber für beabsichtigten Zuchtplanungen der Züchter ggf. auch nützlich sein – falls überhaupt Handlungsbedarf besteht. Gleichzeitig würden damit auch Informationen für eine eventuelle erforderliche wissenschaftliche Auswertung geliefert. Was nun aber Zuchtvereine machen oder auch nicht machen, sollte man aber auch meiner Meinung nach diesen Vereinen überlassen, denn diese müssen sich ja fast alle ihm Rahmen der VDH Zuchtordnung und in der Beschlussfassung zur eigenen Zuchtordnung bewegen. Unsachliche Berichte, Diskussionen oder sogar vereinsbeleidigende und vorstandsbeleidigende Argumentationen die leider auch oftmals dazu genutzt werden nützen da auch nichts. Hierbei kann es sich dann auch um Leute handeln, die gerne alles auf sich und ihre Meinung und ggf. auf ihre Hunde abgestimmt sehen wollen und dem jeweiligen Zuchtverein ( oder auch ggf. dem Vorstand ) eine Ohrfeige durch das Hintertürchen verpassen wollen.

Weitere Informationen zur Genetik beim Hund finden Sie auf: AnimalLabs

Weitere Beiträge zum Thema Jagdkynologie von Joachim Orbach:

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