Aussagewert von Ahnentafeln und Zuchtbüchern in der Hundezucht steigern?

Von Joachim Orbach

Bild: Birgit Wermerskirchen

Bild: Birgit Wermerskirchen

Resultierend aus der Erkenntnis etwas gegen Defekte ( Erbkrankheiten, Körper-, Wesens- und Leistungsmängel ) in der Hundezucht tun zu müssen, beschäftigen sich Wissenschaftler, Zuchtvereine und Züchter mit diesem außerordentlich komplexen Thema. In einer Reihe von Artikeln wurde und wird in den Mitteilungsblättern der Zuchtvereine, in „ Der Jagdgebrauchshund“ aber auch in Jagdzeitschriften über die Möglichkeit der Bekämpfung von Defekten geschrieben. Unter Wahrung der notwendigen Objektivität dürfte es aber daher u.a. auch angebracht sein, unsere Zuchtmethoden zu berücksichtigen.

Zunächst ist einmal zu berücksichtigen, dass bei der Wahl der Zuchtmethode auch die In- und Linienzucht gewählt wird, wobei beabsichtigt wird, ganz bestimmte Eigenschaften, sei es in der Leistung oder in der Form innerhalb eines Stammes zu bewahren. Es ist eine Tatsache, dass ein Erfolg damit in vielen Fällen auch erreicht wurde und wird. Zu bedenken ist dabei aber allerdings auch, dass neben den erwünschten Eigenschaften auch eine Reihe von Defekten in Erscheinung treten können. Die In- oder Linienzucht schafft dabei zwar nicht die Defekte, aber die meisten sind nach den Erkenntnissen der Wissenschaft rezessiv und treten erst mit ansteigender Reinerbigkeit für einen gewissen Erbfaktor bei Inzucht zutage. So stellte bereit schon vor Jahrzehnten z.B. Dr. Kelly bei einem Stamm von Border-Collies fest, dass bei gewissen Paarungen die Nachzucht, bei der Berechnung des Inzuchtkoeffizienten einen Koeffizienten von mehr als 25% ergeben hatte, unfruchtbar war oder schwächliche Welpen hervorbrachte, obwohl Tiere mit einem Koeffizienten von etwa 20% in einem erhöhten Maße zufriedenstellten.

Resultierend hierzu stellt sich daher die Frage: Kann die Angabe des Inzuchtkoeffizienten der Elterntiere auf deren Ahnentafel oder in den Zuchtbüchern ein Beitrag zur Bekämpfung von Defekten sein? Wichtig ist es aber allerdings auch, vorrangig bereits bei der Zuchtplanung den Inzuchtkoeffizienten für die Nachkommen zu berechnen ( durch den Züchter oder ggf. durch das Zuchtbuchamt ). Da dieses bereits auch schon einige Zuchtvereine machen, dürfte die Auswertung der Erfahrungen u.a. auch einmal angebracht sein und sicherlich auch für die Zuchtvereine, insbesondere aber für die beabsichtigte Zuchtplanung der Züchter ggf. auch nützlich sein. Gleichzeitig würde damit auch Informationen für eine eventuelle erforderliche wissenschaftliche Auswertung geliefert.

Fazit: Nun soll dieser Beitrag keine grundsätzlich Empfehlung sein, sondern lediglich zu einer Diskussion zu diesem Thema beitragen. Auch wie hoch der Inzuchtkoeffizient bei bestimmten Rassen sein darf, oder über wie viele Generationen er berechnet wird, ist meiner Meinung nach eine Angelegenheit der Zuchtvereine -ggf. mit Abstimmung der Wissenschaft.

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