Lehrgänge und Lehrgangsleiter im Jagdgebrauchshundwesen

Von Joachim Orbach

Lehrgang des JGV Olpe Foto: Joachim Orbach

Lehrgang des JGV Olpe
Foto: Joachim Orbach

Längst bevor Kurse oder Lehrgänge für Haus– und Begleithunde in Mode kamen, wurden bereits im Jagdgebrauchshundwesen Lehrgänge für Hund und Führer von den Mitgliedsvereinen des Jagdgebrauchshundverbandes (JGHV) eingeführt. So führte bereits im Jahre 1936 Franz Strasmann als „Erfinder“ und Pionier in seinem Jagdgebrauchshundverein „Bergisch Land“ den ersten offiziellen Lehrgang für Führer und Hund (von ihm als Schulungskurs bezeichnet) ein.

Auch lange bevor Bücher von selbsternannten sogenannten Hundeflüsterer erschienen, legte bereits vor über 100 Jahren „Oberländer“ (Carl Rehfuß 1855-1926) durch sein Erstlingswerk „Die Dressur und Führung des Gebrauchshundes“ die Messlatte mit den damals strengen Regeln der Parforce-Dressur fest. Im 20. Jahrhundert haben sich, angepasst an die verschiedenen Jagdgebrauchshunderassen und deren rassespezifische Aufgaben im Jagdbetrieb, aufgrund neuer jagdkynologischer Erkenntnisse eine Vielzahl anderer Ansichten und Meinungen, insbesondere aus der Verhaltensforschung, durchgesetzt. „Viele Wege führen nach Rom“ und so sind im Laufe der Zeit ( begleitet durch neue Erkenntnisse ) viele Ausbildungswege entstanden, wobei jeder von ihnen dann zu respektieren ist, wenn er zum alleinigen Ziel „Zur Jagd den brauchbaren Jagdgebrauchshund“ führt und nicht das Ziel „Hundesport mit Jagdhunden“ hat.

Welpenkurs beim JGV Olpe Foto: Joachim Orbach

Welpenkurs beim JGV Olpe
Foto: Joachim Orbach

Zu den im Vordergrund stehenden Aufgaben, denen sich der JGHV immer wieder stellen muss, gehört die Schulung der Verbandsrichter, Vereinsvorstände und Lehrgangsleiter. Ein wesentliches Instrument bei diesem Bemühen sind die jagdkynologischen Seminare. Das erste seiner Art fand vom 20. bis 23. November 1969 im Jägerlehrhof Jagdschloss Springe statt. Als Pionier kann der damalige Leiter des Prüfungswesens, Rudolf Nedermeyer, gelten. Bis zur Einführung weiterer Seminare an anderen Orten gingen wesentliche Impulse für die vielfältige Arbeit rund um den Jagdgebrauchshund vom sogenannten „Geist von Springe“ aus. So fand auch in diesem Jahr z.B. ein Seminar für Lehrgangsleiter in Springe statt.

Ebenfalls nicht einer Zeiterscheinung folgend, sondern aus der klaren Erkenntnis der angewandten Erb- und Verhaltensforschung für die gesamte Kynologie hat der JGHV u.a. auch sein besonderes Augenmerk auf die Erhaltung der Wesensfestigkeit fokussiert. Bereits in einem vom JGHV in Zusammenarbeit mit dem VDH im Jahre 1973 gegründeten wissenschaftlichen Ausschuss waren neben kynologischen Praktikern eine Reihe von Wissenschaftlern -wie u.a. der sehr bekannte Eberhard Trumler- darum bemüht, Erkenntnisse der Verhaltensforschung für die züchterische Praxis sowie für Haltung, Ausbildung und Führung unserer Jagdhunde nutzbar zu machen. Um aber an dem gemeinsamen Ziel der Nutzanwendung der Verhaltensforschung arbeiten zu können, war es erforderlich, zunächst kynologische Begriffe (www.wildundhund.de) zu definieren und zu erläutern.

Heranführen an die Wasserarbeit mittels einer Reizangel Foto: Joachim Orbach

Heranführen an die Wasserarbeit mittels einer Reizangel
Foto: Joachim Orbach

Im Jahre 1975 kam es zur Veröffentlichung der Ergebnisse dieser Arbeit des Ausschusses – bei der auch die Erkenntnisse von Nobelpreisträgern wie Prof. Dr. Dr. Pawlow und Prof. Dr. K. Lorenz Berücksichtigung fanden. Damit wurde der Wegweiser in die Anwendung der Verhaltensforschung errichtet. Später gab es dann Veröffentlichungen von weiteren Arbeiten, wie beispielsweise über die Prägungsprogramme für Welpen und Junghunde. Dabei ging die Initiative von einem Referat von Heinz Weidt anlässlich des 20. Jagdkynologischen Seminars in Springe aus. So wurde denn auch der Weg für die Welpen – und Junghundekurse, die neben den Ausbildungslehrgängen fester Bestandteil des Jahresprogramms einer ganzen Reihe der JGHV – Mitgliedsvereine sind, festgelegt.

Die Mitgliedsvereine des JGHV bieten nun seit langer Zeit seinen Mitgliedern Kurse / Lehrgänge an. Für die werden zwar von den Teilnehmern sogenannte Lehrgangsgebühren verlangt, welche aber mit Sicherheit in der Regel nicht unter das wirtschaftliche Gewinnstreben fallen. Wie in meinen Ausführungen aufgeführt, dürften auch die von den JGHV – Mitgliedsvereinen eingesetzten Lehrgangsleiter entsprechende Kenntnisse aus Verhaltensforschung, in der Ausbildung und Führung sowie in der Beurteilung von Jagdhunden haben. Viele von ihnen haben sogar bevor sie Lehrgangsleiter wurden eine Reihe von Hunden ( oftmals auch verschiedener Rassen ) ausgebildet und auf Prüfungen geführt. Nun wird in der letzten Zeit so einiges -insbesondere im Internet- über die Zertifizierung nach § 11 des Tierschutzgesetzes berichtet. Bevor aber nun die Lehrgangsleiter der JGHV – Mitgliedsvereine ( genau wie der JGHV fast alle e.V. ) sich durch derartige Berichte verunsichern lassen, sollten sich diese lieber beim JGHV erkundigen, bzw. auf eine entsprechende Mitteilung – veröffentlicht in „Der Jagdgebrauchshund“- warten. So hat z.B. bereits vernünftiger Weise der zuständige Minister in Bayern auf eine Intervention des BJV hin für Klarheit gesorgt. Die Lehrgangsleiter des BJV bedürfen daher keiner Prüfung um ihre teilweise bereits seit Jahrzehnte erfolgreich praktizierte Arbeit fortzusetzen. Dabei dürfen nur keine marktüblichen Entgelte für die Lehrgänge / Kurse genommen werden. Nur wer gewinnorientiert arbeitet muss den Qualifikationsnachweis erbringen.

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