Bahnbrechend für die virtuelle Arbeit

Von Christoph Frucht,
Ehrenpräsident des Jagdgebrauchshundeverbandes (JGHV)

Christophe Frucht Quelle: JGHV

Christoph Frucht
Quelle: JGHV

Wir Jäger sind ja eigentlich sehr aufmerksame Leute, oder?
So müsste uns ja wohl aufgefallen sein, dass z.B. wenn man vor oder nach den Schulstunden eine Schule passiert – per Auto oder zu Fuß – sehr viele Kinder irgendwo sitzen, hängen, stehen und sich mit ihrem Mobiltelefon beschäftigen.
Oder: gehen Sie doch mal in eine Ausflugs-Gastwirtschaft, in der viel Betrieb ist. An allen Tischen haben jüngere Leute so ein Handy, Smartphone, i-Pad oder sonstiges zur Hand und beschäftigen sich damit.
Weltweit sind diese Geräte überall und immer im Einsatz! Mehr noch: erst im Sommer 2014 hat TNS-Infratest eine repräsentative Befragung durchgeführt, der zufolge für die unter 40jährigen in Deutschland das Smartphone wichtiger als der Fernseher ist – das mobile Internet das einstige Lieblingsmedium der Deutschen also längst auf die Plätze gewiesen hat.

Und wir alten Jäger – von echtem Schrot und (altem Doppel-) Korn, wir brauchen solchen „modernen Kram“ natürlich nicht? Natürlich!
Hoffentlich ist das nicht ein erheblicher Fehler! Wo können wir uns denn besser darstellen, als im Internet? Sie meinen, das haben wir gar nicht nötig?
Und ob wir das nötig haben! Was weiss denn unsere Mitbürgerschaft von uns?
Wehrlose Tiere totschießen, dort Auto fahren und/oder Hunde ausführen, wo es anderen verboten ist. Die Geräte liefern, mit denen Morde an Mitbürgern ausgeführt werden oder Überfälle auf Schulen, oder, oder…
Sich in der Kneipe dicke tun, mit allen möglichen „Errungenschaften“…
„Jäger, nein Danke“!?

Unsere Gegner triumphieren ! Und verbreiten diesen Triumph im Handumdrehen virtuell übers ganze Land! Weil die von ihnen geschickt genutzten sozialen Medien „viral“ funktionieren, wie es so schön heißt.
Und wir Jäger? Wir sind sauer, weil unsere Umfrage Werte ständig sinken und weil uns keiner will… Wie soll uns aber jemand mögen, der kaum etwas über uns und unser tun weiß – und wenn, dann bestenfalls nicht von uns selbst gesteuerten Unsinn?

Man erinnert sich unser nur in schwierigen Situationen: Beim „Schwarzwildproblem“ z. B., oder wenn die Gänse, die freudig die Kiesgrube als Biotop annehmen, in der wir doch baden gehen wollten. Und nun sind die schön begrünten Ufer von den Gänsen verschissen. Und nun? Dann müssen die Jäger unbedingt und sofort Abhilfe schaffen. Einfach totschiessen die Viecher, oder die Eier zerstören! Die vielen Enten lassen durch ihren „Naturdünger“ dieses oder jenes Gewässers überdüngt umkippen. Weg mit den Viechern!
Dass man dazu auch Hunde braucht, die die entsprechende Veranlagung, Ausbildung und Erfahrung haben, vergisst man schnell. „Die Ente ist ja verboten! Und warum? Weil wir nicht genug (oder gar nicht) in nachvollziehbarer und damit „mehrheitsfähiger“ Weise mit entsprechenden Informationen und Darstellungen vorgearbeitet haben – weder an den „Schaltstellen der Macht“, geschweige denn insgesamt im öffentlichen Raum!

Wenn wir den Politikern eine Wasserarbeit vorführen wollen, dann rattern die Telefone: „ Wer hat einen wasserscheuen Hund?“ „Wer einen, der schussscheu ist?“ – dann wird all das fix gesucht, was zur „Beweisführung“ dafür geeignet ist, warum wir das überprüfen müssen, um mit unseren Hunden tierschutzgerecht arbeiten zu können. Warum machen wir darüber nicht mal einen ordentlichen Film? Der nebenbei auch noch geeignet wäre, den Organisationsaufwand für jede Richterfortbildung zu minimieren und diese aufzuwerten…

Der neue Webauftritt des Deutschen Jagdverbandes.

Der neue Webauftritt des Deutschen Jagdverbandes.

Gut, nun werden Sie sagen: “Jetzt quatscht er schlau daher! Warum hat er das damals nicht selbst in die Wege geleitet?“ Ja, hätt‘ ich! Freilich! Aber dass die Entwicklung all dieser Dinge sich so rasch, so gewaltig über die ganze Gesellschaft verbreiten würde, dass war vor 12 Jahren, für mich jedenfalls, noch nicht abzusehen.
Wir müssen einfach erkennen, dass wir heute neben den Printmedien um all die virtuellen Möglichkeiten nicht herum kommen! Wir brauchen dringend eine ganz tüchtige Internetplattform. Der DJV hat sich– weitsichtig – gerade so etwas geleistet. Ja, geleistet! Denn ein solcher Auftritt macht sich nicht von selbst und will gut „eingestielt“ sein…

Wollen Sie immer, wenn Sie sich über diese oder jene Hunderasse oder -schlag informieren wollen, immer das dicke DGStB wälzen? Das geht doch virtuell viel rascher und konzentrierter! Auch die Plausibilitätskontrollen unserer Prüfungen ließen sich so u. U. zumindest teilautomatisieren, ohne dass jede einzelne Prüfung von einer Fachkraft durchgesehen werden muss. Wir müssen, wie auch die Fachzeitschriften, eine Diskussionsplattform dort einrichten – und so ganz nebenbei: Man kann sich heute jede Tageszeitung im Internet runterladen. Also, müsste das nicht auch mit unserer Fachzeitschrift gehen?

Die gesamte Richterfortbildung muss aus ihrem Dornröschenschlaf aufgeweckt werden! Was ist das immer umständlich, wenn man zur Vorführung eines Verhaltens oder Fehlverhaltens immer erst einen geigneten oder vielleicht auch ungeeigneten Hund suchen muss. Den entsprechenden Kurzfilm mit gutem Kommentar dazu und schon ist die Richterschulung auf bestem Niveau!

Aber: Umsonst ist das alles nicht ! Wir dürfen also ganz beruhigt davon ausgehen, dass unser bisheriger Beitrag nicht ausreicht, diese modernen, aber zwingend und dringend notwendigen Verbesserungen zu finanzieren.
Wie höre ich doch landauf, landab bei den Überlegungen zu der Finanzierung eines z.B. VGP Kurses: „Was nichts kostet, ist nichts wert !“ Und wie hat doch Erich Kästner gesagt : „ Es gibt nicht Gutes, außer man tut es !“

Interessante Links zu diesem Thema:

Volker Seifert: Öffentlichkeitsarbeit in den neuen Medien, Teil 1

Joachim Orbach: Neue Medien nutzen!

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2 Gedanken zu „Bahnbrechend für die virtuelle Arbeit

  1. Joachim Orbach

    In seinem Beitrag geht Herr Frucht auf eine Reihe von Themen ein, die der JGHV und seine Mitgliedsvereine meiner Meinung nach einmal überdenken und ggf. auch realisieren sollten. Vorrangig möchte ich daher genauso wie Herr Frucht auf die Öffentlichkeitsarbeit und den damit verbundenen Internetauftritt des JGHV hinweisen. Denn insbesondere im Zeitalter neuer Technologien stellen Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit eine große Herausforderung u.a. auch für Jägerschaft sowie für das Jagdgebrauchshundwesen dar. Sie als Chance zu nutzen wird aber leider oftmals noch verkannt oder stiefmütterlich behandelt – wie z.B. so mancher Internetauftritt. Wenn Informationen und Anliegen von Vereinen oder Verbänden wahrgenommen werden sollen, kommen sie genauso wie Firmen oder die Politik nicht ohne einen entsprechenden Internetauftritt aus. Sie sind daher gezwungen sich im Internet zu präsentieren und ggf. auch bereits vorhandene Potenziale durch Verlinkungen ( LINKS ) zu nutzen, wobei man auch nicht immer das Rad neu erfinden muss ( siehe z.B. http://www.jgv-oberberg.de ).

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